Gas und Strom 2022 sicher teurer

+
Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Ernst in der Schaltzentrale des Unternehmens. Ein Preisschock soll Kunden nicht treffen.
  • schließen

Aber für 2021 gibt es keine Preisüberraschungen mehr. Stadtwerke haben vor der Preiswelle ihr Kontingent auch schon für 2022 eingekauft. Ein Team für Härtefälle.

Schwäbisch Gmünd

Sind es 50, 100 oder gar 200 Prozent, die Gas und Strom teurer werden? Zahlen, die vor allem in sozialen Medien kursieren. „Die Wirklichkeit sieht anders aus“, sagt Peter Ernst, Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke Schwäbisch Gmünd. Zum einen sagen kurzzeitige Spitzen nichts über den längeren Verlauf aus, zum anderen wirken sich höhere Preise beim Gas- und Stromeinkauf nur abgeschwächt auf den Endpreis für Verbraucher aus.

Die aktuelle Lage: Die Kurve der Strompreisentwicklung geht tatsächlich sprunghaft nach oben. Im Februar begann der Aufwärtstrend, seit August beschleunigt sich der Preisanstieg für die Stromeinkäufer. Beim Gaspreis war vor wenigen Tagen ein Höhepunkt erreicht, aktuell liegt er wieder auf dem Niveau von Anfang September. Eine Entwicklung, die Peter Ernst nicht zum ersten Mal erlebt: „Solche Ereignisse gab es in der Vergangenheit immer wieder“, sagt er. Zuletzt war das kurz vor der Bankenkrise der Fall. „Nach diesen Spitzen pendelt sich der Preis wieder auf längere Sicht ein, allerdings dann auf etwas höherem Niveau als davor.“

Solche Ereignisse gab es in der Vergangenheit immer wieder.“

Peter Ernst,, Geschäftsführer der Stadtwerke

Die Ursachen: Peter Ernst sieht nicht Russland als Problem. „Selbst zu Zeiten des Kalten Kriegs war Russland ein verlässlicher Partner“, erinnert er sich. Andere Effekte seien ausschlaggebend: Der schlechte Sommer mit weniger Wind und weniger Sonneneinstrahlung. Dann sei die Lücke mit konventioneller Energie ausgeglichen worden. Das treibe die Preise hoch. Außerdem seien Banken vermehrt im Geschäft, spekulierten mit steigenden Preisen und erzielten damit Gewinne.

Die Folgen: Zunächst spürten die Kunden der Stadtwerke den Preisanstieg nicht, meint der Geschäftsführer. „Wir haben Strom und Gas für dieses Jahr schon 2020 eingekauft“, sagt er. Außerdem habe man noch vor den aktuellen Preissteigerungen 85 Prozent der Leistungen für 2023 eingekauft. Deshalb müssten Kunden auch nicht mit einem außergewöhnlichen Preissprung rechnen. Weiterer Grund: Der Stromeinkauf durch die Stadtwerke macht gerade mal 24 Prozent des Preises für Verbraucher aus. 76 Prozent sind Steuern, Abgaben und Netzentgelte. Nicht ganz so krass sind die Fremdanteile beim Gas.

Die Auswirkungen: Peter Ernst geht davon aus, dass die Abschlagszahlungen 2023 steigen werden. Unter zehn Prozent seien denkbar. Aber erst Ende des Monats stehen die Bezugspreise für 2022 fest. Vier von fünf Haushalten in Gmünd sind Stadtwerke-Kunden. Ein kleinerer Anteil nutzt den Fixpreis, der für zwei Jahre abgeschlossen wird. Für die Stadtwerke von Vorteil: „Da können wir auch auf zwei Jahre im Voraus einkaufen.“ Für alle gilt, dass die Preise bis Jahresende stabil sind.

Die Perspektiven: Strom und Gas werden nicht billiger. Zwar werde längerfristig die EEG-Umlage beim Strom sinken, gleichzeitig soll die CO2-Bepreisung beim Gas stärker ansteigen. Dazu kommt: „Der Staat verdient immer mit, wenn die Preise steigen“, so Peter Ernst. Dennoch sei Gas zukunftsfähig. Vor allem, weil das Thema Wasserstoff intensiv begleitet werde. Man könne dem Gas schon heute 20 Prozent Wasserstoff beimischen, erzeugt durch Strom aus Windkraft und Photovoltaik. Ziel sei es, längerfristig 100 Prozent zu schaffen. Neu ist das nicht, weiß der Stadtwerke-Chef: Schon im Gaskessel der Nachkriegsjahre hatte das selbst produzierte Gas 50 Prozent Anteil Wasserstoff.

Die soziale Komponente:Wenn Energiepreise steigen, könnte das nächstes Jahr für eine 40-Quadratmeter-Wohnung rund 50 bis 60 Euro mehr ausmachen, meint Peter Ernst. Das könnten dann Menschen mit niedrigem Einkommen oft nicht mehr bezahlen. „Wir bauen deshalb gerade ein Team auf, das sich um die finanziellen Engpässe bei den Menschen kümmert. Man arbeite eng mit dem Sozialamt und dessen Leiter Hans-Peter Reuter zusammen, auch mit der Agentur für Arbeit. So schaffe man eine einzige Anlaufstelle für Betroffene. Man versuche, einen so genannten Standardnachweis zu schaffen. Darauf bestätigen die Stadtwerke, dass die Mehrkosten durch höhere Strompreise, nicht durch übermäßigen Mehrverbrauch entstanden sind.

Mehr zum Thema:

-Wann wird Erdgas für die Kunden teurer?

  • Anpassung für 2400 Mieter in der Stadt
  • Die VGW (Vereinigte Gmünder Wohnungsbaugesellschaft)will die Mieter ihrer rund 2400 Wohnungen in Schwäbisch Gmünd vor einem Preisschock bewahren, sagt Geschäftsführer Celestino Piazza. „Wir werden vermeiden, dass es Anfang 2023 zu heftigen Nachzahlungen kommt“, betont er weiter. Deshalb sollen die monatlichen Abschlagszahlungen schon ab Januar angehoben werden, „so niedrig wie möglich“. Fürs laufende Jahr 2021 müssten die Mieter jedoch nicht mit höheren Kosten rechnen. Das liegt am längerfristigen Vertrag mit den Stadtwerken, der aber am 31. Dezember endet. kust
Die Grafik macht deutlich: Nur rund 24 Prozent des Endpreises kostet der eigentliche Strom. Grafik: Stadtwerke
Strompreise 2021

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare