Gasthaus mit Badewannen

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Kleiderhaken und Kruzifix an der Wand: Die VGW hat alles übernommen – auch das Geschirr mit dem Schwanen-Symbol, das Celestino Piazza am Stammtisch zeigt.
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Was VGW-Chef Celestino Piazza im ehemaligen Gasthaus Schwanen nach dem Kauf alles vorfand und welche Pläne er mit dem Gebäude hat.

Schwäbisch Gmünd

Wenn er das, was er heute zeigt, vor dem Kauf gesehen hätte, dann wären die Verhandlungen anders gelaufen, sagt Celestino Piazza. Er ist Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft VGW und die hat das Gebäude des Gasthauses Schwanen in der Vorderen Schmiedgasse gekauft, nachdem die Wirtsfamilie Gloning den Betrieb aufgegeben hatte. Heute zeigt er Außenstehenden das Kaufobjekt, zu dem neben dem Schwanen auch zwei Scheunen gehören. Die vordere, zur Schmiedgasse hin stehende Scheune möchte er erhalten, auch wenn das ein ehrgeiziges Vorhaben ist. Der jahrhundertealte Bau ist stark von Zeit und vom Wetter angegriffen.

Piazza möchte die Außenmauern möglichst öffnen, das Gebäude mit viel Glas transparent gestalten. Seine Idee: Menschen, die ihr Auto auf dem Parkdeck Rems abgestellt haben, sollen den Weg zum Einkauf am Marktplatz oder auf dem Wochenmarkt durch diese Tenne hindurch nehmen. Sie soll, zusammen mit dem ersten Stockwerk, zum Treffpunkt für Kaffee, Aperitif oder kleine Mahlzeiten werden. Im ersten Stock kann sich Piazza auch kulturelle Veranstaltungen vorstellen.

Mit Geschirr und Bildern

Hinter dieser Tenne – das wissen viele Gmünder nicht – schließt sich eine weitere Scheune an, noch baufälliger als die vordere. Für sie hat die VGW bereits die Abbruchgenehmigung beantragt. An ihrer Stelle könnte dann ein Biergarten entstehen. Der läge an einem sackgassenartigen Fortsatz des Kalten Marktes, der neben dem Gasthaus "Drei König" dort abzweigt. Im Volksmund wird dieses rund 100 Meter lange Wegstück als Advokatenwinkel bezeichnet.

Neben Tenne und Scheune zieht sich das Gebäude des eigentlichen Schwanen von der Vorderen Schmiedgasse zum Advokatenwinkel. Um ihn vor allem ging es Celestino Piazza beim Kauf des Gebäudeensembles. Die Gasthaustradition seit 1700, seit 1914 durch die Familie Gloning, wolle er unbedingt für die Stadt erhalten. Deshalb hat die VGW nicht nur die Gebäude gekauft, sondern auch alles darin: das Geschirr mit dem aufgemalten Schwanen-Wappen, den Musterschutz, den sich die Familie Gloning auf diese Darstellung gesichert hatte, den Ofen in der Gaststube, selbst die Bilder, die im Lauf der Jahrzehnte an der Wand des Gastraums gelandet sind: von Emmi und Helmut Gloning als stolze Gastwirtsehepaar, von verschiedenen Feiern, die im Schwanen stiegen, und natürlich eine Collage von den "Swany Feet Warmers", jener Kult-Band, die im Schwanen entstanden ist und diese Herkunft stets stolz im Namen trug. Zum Inventar gehören auch die Türen und anderen Flächen, auf denen noch Aufkleber der zahlreichen Guggen-Kapellen prangen, die während der Gmünder Guggen-Treffen auch im Schwanen Station machten. Diese Gaststube, sagt Piazza, sei ein Stück Gmünder Geschichte, das gesichert werden müsse. Sie solle möglichst im Originalzustand erhalten werden.

Im Keller stehen noch uralte Weinfässer mit Einprägungen wie "1000 l Trollinger u. Lemberger". Die Schreiner der VGW sollen diese Fässer zum Beispiel zu Tischen umarbeiten, die dann oben in den Gasträumen ihren Platz finden.

Hier muss es Linsen mit Spätzle geben.

Celestino Piazza über den künftigen Schwanen

Zimmer für Studenten

Das Erdgeschoss mit der Gaststätte soll baulich von den oberen Stockwerken getrennt werden. Die oberen Geschosse sollen durch eine Treppe vom Advokatenwinkel her auf die Terrasse erschlossen werden. Im ersten und zweiten Stockwerk plant Piazza Studentenzimmer. Die Bewohner sollen ein Stück Retro-Style bekommen: In den siebziger und achtziger Jahren plante Helmut Gloning nämlich dort oben den Einbau von Fremdenzimmern. Das Vorhaben wurde nie verwirklicht, viel Sanitäreinrichtung dafür hatte er aber bereits gekauft. Diese Dusch- und Badewannen in damaligen Trendfarben wie Blau und Grün sollen nun in den Studentenbuden für eigenwillige Stimmung in den Bädern sorgen. Im dritten Obergeschoss wäre eine Wohnung mit Atelier für einen Künstler denkbar.

Dass die VGW mit diesem Objekt eine Rendite erzielt, hält Piazza für ausgeschlossen. Es sei eine Art Stadt-Rendite, die die Wohnungsbaugesellschaft "ihrer" Stadt zurückgibt, indem sie eine Tradition erhält. Deshalb ist für ihn auch klar: Im Schwanen soll kein Restaurant entstehen, sondern eine Gastwirtschaft. Und er kann sich dort auch nur schwäbische Küche vorstellen: "Hier muss es Linsen mit Spätzle geben oder Rostbraten." Allenfalls in der Tenne wären mediterrane Einschläge möglich. Einen Gastronomen, der diese Vision umsetzt, hat er noch nicht an der Hand. Demnächst möchte er mit zwei Jung-Wirten sprechen, die ihm empfohlen worden seien.

Aber bei der Suche nach einem Pächter hat Piazza auch noch etwas Zeit. Sommer 2022 hat er mal als Terminvorstellung für die Eröffnung genannt. Aber das war, bevor er einen Blick in die Scheune geworfen hatte.

Viel zu tun: Die alte Tenne soll zu einem gastronomischen und kulturellen Treffpunkt werden.

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