Gefäßbauer und Freigeist

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Die Ausstellung ist im Prediger zu sehen.
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Jan Wege weilte 2020 als Stadtgoldschmied in Schwäbisch Gmünd. Jetzt sind seine Arbeiten bis zum 31. Oktober im Prediger zu sehen.

Schwäbisch Gmünd

Jan Wege bringt die weite Welt nach Schwäbisch Gmünd“, eröffnete Baubürgermeister Julius Mihm am Freitag die Ausstellung „Silber, Tombak, Eisen“ des Stadtgoldschmieds 2020 auf dem Johannisplatz. Mit weite Welt meint er die Hafenstadt Hamburg, die den Hauch ferner Länder atmet. Von der Stiftung Gold- und Silberschmiedekunst zum Stadtgoldschmied ernannt, arbeitete der Künstler vom 26. Juli bis 25. Oktober 2020 in der Stauferstadt.

Dass Wege Hamburger ist, zeige sich im Werk des „kühlen Klaren aus dem hohen Norden“; man denke bei seinen Arbeiten sofort an die Formenwelt einer Hafenstadt: „Die Werften, Schiffskörper und Speicher stehen einem vor Augen.“ Mihm attestierte ihm eine frische Brise klarer Formen und bewunderte die zum Teil filigranen Aufbauten seiner Gestalten. Die große Meisterschaft Weges liege darin, wie er einfache stereometrische Grundformen mit spielerisch scheinenden Applikationen versehe, die sich nahtlos anfügen. „Dabei entpuppen sie sich bei genauerem Hinsehen als Gebrauchsgegenstände.“

Doch Mihm äußerte einen Restzweifel, ob man Vasen, Tafelgeschirr und Leuchter wirklich benutzen darf. Denn Weges Arbeiten scheinen einer Zwischenwelt zwischen Design und freier Kunst anzugehören. Dem widersprach Sigrid Kopittke, die betonte, dass dem Künstler die Nutzbarkeit wichtig sei. „Sie sollen im Alltag selbstverständlich ihren Platz haben und sind nicht nur für den sonntäglichen Ausflug aus der Vitrine gedacht.“

Interessant ist Weges Werdegang, den Kopittke skizzierte: Als Jugendlicher sei er durch den Hafen gestreift, fasziniert von der Arbeitskultur. Eine Ausbildung zum Zahnmechaniker habe für eine solide handwerkliche Basis gesorgt. Doch der gestalterische Aspekt habe ihm gefehlt, weshalb sich eine Ausbildung zum Gold- und Silberschmied anschloss. Doch auch vom Schmuck verabschiedete er sich und er wird zum „Gefäßbauer“, so sein Wortlaut und zum „Freigeist, der immer im Austausch mit der Welt ist“, so Kopittke.

Den Weg Weges bezeichnete sie als erstaunlich geradlinig. Preise und Auszeichnungen, er wird in namhaften Museen ausgestellt. Auch Kopittke ging auf Weges Formensprache ein, die klar sei, sich auf das Wesentliche konzentriere und trotzdem ein Spiel mit den Formen zulasse. Objekt und Oberfläche bildeten eine interessante Einheit. „An den Oberflächen arbeitet er sich lange ab“, getrieben von der Frage, welches Finish für welches Objekt das richtige sei.

„Erbe verpflichtet“, erinnerte Ralph Häcker, Leiter des Kulturbüros, daran, dass es zur DNA der Gold- und Silberstadt passe, alle zwei Jahre einen Stadtgoldschmied zu benennen. Den Teilnehmern des internationalen HammerClub-Treffens wünschte er einen guten Austausch.

Jan Wege bringt die weite Welt nach Schwäbisch Gmünd.“

Julius Mihm, Bürgermeister

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