Gegen Schlecker ermittelt, jetzt Gmünds neue DRK-Chefin 

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Vesna Groznica und das DRK: Die neue Kreisgeschäftsführerin hat schon als Jugendliche im Ehrenamt mitgearbeitet.
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„Ich komme eigentlich wieder nach Hause.“ Im Porträt: Vesna Groznica, die neue Kreisgeschäftsführerin des Deutschen Roten Kreuzes.

Schwäbisch Gmünd

DRK-Geschäftsführerin ist sie seit gut zwei Wochen, beim Roten Kreuz ist Vesna Groznica seit fast 25 Jahren. Als sie 14  Jahre alt war, ist die heute 44- Jährige als Kriegsflüchtling aus Ex-Jugoslawien nach Gmünd gekommen. „Ich bin schnell zum Ortsverein Göggingen dazugestoßen durch die Hilfstransporte nach Bosnien.“

Seitdem ist viel passiert im Leben der Gmünderin. Ihre außergewöhnlichste berufliche Station war das Landeskriminalamt. Dort hat sie in ihrem Fachgebiet ermittelt, es ging um Buchprüfungen und Wirtschaftskriminalität. Groznica hat etwa am Verfahren wegen der Schlecker-Insolvenz mitgearbeitet, sie war Gutachterin und dann Führungskraft. Angefangen hatte sie als Auszubildende bei der Firma Menrad, zuletzt hat Groznica sieben Jahre bei Bosch Automotive Steering gearbeitet als „Compliance Officer“.

 Was führt eine Bilanz-Expertin zum Roten Kreuz nach Gmünd? „Das ist der rote Faden, der sich durch meine berufliche Laufbahn durchzieht: Es ging immer um Ordnung, Gerechtigkeit, Helfen, fair zum Menschen sein.“ Zu Bosch sei sie gegangen, erzählt Groznica, „weil mich die Werte des alten Robert Bosch berührt haben“.

Für ihren neuen Job als Chefin von über 500 hauptamtlichen Mitarbeitern sind die Grundlagen durchs DRK selbst gelegt worden: „Ich bin schnell zu den ersten Ehrenämtern gekommen und habe als junges Mädel das Organisieren und vieles mehr gelernt.“ Managementaufgaben eben, sagt sie. „Ich komme also eigentlich wieder nach Hause.“

Es ist ein Stichwort, das doppelt stimmt. Sie habe auch die Möglichkeit gehabt, etwa in Frankfurt oder irgendwo in der großen Welt Karriere zu machen, erzählt sie. „Aber wenn man einmal sein Zuhause verlassen hat, will man nicht so schnell wieder weg. Gmünd hat mich immer gebunden, ich will das zurückgeben“, sagt Groznica, die auch im Integrationsbeirat eine Zeit lang engagiert war.

Und sie habe sich vor allem in den letzten Jahren gefragt: „Wo will ich meine Zukunft verbringen? Wo finde ich übergeordneten persönlichen Sinn, aber auch gesellschaftlichen?“ Fragen, die sie zum DRK gebracht haben. Das Wirtschaftliche mit dem Sozialen zu vereinen, auch das reize sie. „Es ist eigentlich ein riesen Unternehmen mit Vereinsbasis.“ Das DRK sei an Vielfältigkeit kaum zu überbieten, mit vielen Segmenten, „die ans Herz gehen“. Nun leitet es Vesna Groznica, ausgestattet mit einem „Rucksack an Lebenserfahrung und Knowhow“. Um kurz in den Bewerbungsgesprächmodus zu wechseln: Was sind ihre Stärken? „Ich bin stark im Menschen zusammenbringen“, sagt sie. Und im Coaching: „Ich wurde sehr gut gecoacht, das will ich auch gerne einbringen.“

Personal und Standortfragen

 Vesna Groznicas Ziele mit dem DRK? „Auf das System zu schauen; und schauen, wo können wir das System verbessern“, ist eines. „Man muss die Menschen entschleunigen - das habe ich aus den letzten Jahren mitgenommen - und die Prozesse manchmal beschleunigen.“ Und es gehe darum, zu schauen: „Was erwartet man von uns?“ Noch ein Riesenthema sei Personal. „Vielleicht kann man auch Ehrenamtler ins Hauptamt ziehen.“ Neben den gut 500 hauptamtlichen Beschäftigten hat das Gmünder DRK etwa 1000 Ehrenamtler. „Eine Herzensangelegenheit ist es mir vor allem, die Standortfragen vieler Bereiche zu klären, wie des Rettungsdienstes und der SEG (schnelle Einsatzgruppe - Red.).“

 Am Ende erzählt die neue DRK-Chefin noch, woran sie gemerkt hat, wie weit sie mit ihrer Integration in Gmünd ist: „Das war, als man mich beim Metzger Nagel gefragt hat: Frau Groznica, Sie waren schon lange nicht mehr da?“

Bruno Bieser geht am 30. September

„Ich will noch jede Minute nutzen“, sagt Vesna Groznica, wenn man nach ihrem Vorgänger Bruno Bieser fragt. Dessen Erfahrungsschatz wertschätzt sie: „Er kennt das DRK in so vielen Verästelungen, ich bin ihm sehr dankbar.“ Am 30. September will Bieser in den Ruhestand gehen. Bruno Bieser, lange Jahre DRK-Geschäftsführer, war im April aus dem Ruhestand zurückgekehrt, um interimsweise das DRK zu leiten, nachdem der Weggang von Steffen Alt bekannt gegeben worden war. 

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