Krähenplage in Schwäbisch Gmünd?

Geheimnisvoll und „gewiss geplant“

+
Allabendlich versammeln sich unzählige Krähen auf den Bäumen am Stadtrand um gemeinsam in die Stadt zu fliegen.
  • schließen

Warum sich hunderte Krähen regelmäßig laut krächzend auf hohen Bäumen am Stadtrand versammeln. Und warum viele Kenner von diesen besonderen Tieren begeistert sind.

Schwäbisch Gmünd

Wer in Gmünd am Stadtrand wohnt, kann jeden Winterabend bei Dämmerung dieses Schauspiel beobachten: Hunderte Krähen sammeln sich in großen Bäumen. Nach kurzem Verweilen macht sich die ganze Gruppe mit lautem Geschrei auf den Weg Richtung Stadtmitte.

Beobachtet man das einige Wochen in Folge, werden es gefühlt täglich mehr Krähen, die an den „Treffen“ teilnehmen. Die Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd bestätigt auf Anfrage, dass es vereinzelt Beschwerden von Anwohnern gibt. Der Verwaltung seien aber die Hände gebunden, da alle Singvogelarten, und somit auch Elstern, Krähen und Eichelhäher, seit 1979 laut der EG-Vogelschutzrichtlinie unter Vollschutz gestellt sind.  „Die Anwohner sollten darauf achten“, rät die Pressestelle der Stadt, „gelbe Wertstoffsäcke erst am Abholungstag bis 7 Uhr an der Straße bereitzustellen“. Um nicht noch mehr Tiere anzulocken.

Dies bekräftigt auch Armin Dammenmiller vom NABU Schwäbisch Gmünd: „Zu früh herausgestellte Säcke werden vielfach von Krähen, Mäusen und Ratten angefressen, und der Inhalt verunreinigt die gesamte Umgebung, zieht weitere Tiere in die Wohngegenden. Ein Teufelskreis.“  Dem Gefühl mancher Anwohner, die Krähen hätten sich in den vergangenen Jahren massiv vermehrt, widerspricht Dammenmiller:  Vielmehr werde der natürliche Lebensraum der Tiere in der Natur immer mehr eingeschränkt. Flurbereinigung, der Einsatz von Bioziden im ländlichen Raum, Abholzung. Industriebrachen würden nicht kultiviert und erschlossen, stattdessen entstünden im Umkreis der Städte immer mehr Neubauten. Dies alles seien Faktoren, weswegen die intelligenten Vögel in die Städte und Dörfer auswichen. Vor allem auch, weil dort ein wesentlich besseres Nahrungsangebot warte.

Und dass die Vögel nur im Winter abends vom Umland in die Stadt fliegen, habe mit der Temperatur zu tun: „Weil es in den Wintermonaten in der Stadt einfach wärmer ist,“ beschreibt Dammenmiller.  

Weiter berichtet der Experte, wie sehr Krähen ihn faszinieren, schon allein wegen ihrer Intelligenz. „Sie sind erfinderisch, können sich Gesichter merken und sind extrem sprachbegabt. Sie können außerordentlich schnell Assoziationen zwischen Reizen, Personen und Erfahrungen herstellen und lernen und daraus ihr Verhalten ableiten.

Aber sie polarisieren auch. Während manche Menschen begeistert sind von den geheimnisvollen, unheimlichen Tieren, sind die anderen nur genervt vom Lärm, den die scharenweise über den Dächern kreisenden oder sich in großen Bäumen sammelnden Vögel machen.“

  Die großen Schwärme und Ansammlungen, die meist in den Wintermonaten auftreten, haben noch eine Besonderheit: „Hierbei sind auch viele Durchzugs- oder Überwinterungsgäste aus nördlicheren Regionen“, berichtet Armin Dammenmiller. „Was aber die Tiere vielleicht besonders unheimlich macht: Sie beobachten uns. Und sie lernen von uns. Wir können uns nicht sicher sein, was sie planen. Aber so viel ahnen wir gewiss: Sie haben einen Plan.“

Die angebliche Krähenplage in der Innenstadt ist ein hausgemachtes Problem!“

Armin Dammenmiller,, NABU Schwäbisch Gmünd
Allabendlich versammeln sich unzählige Krähen auf den Bäumen am Stadtrand, um gemeinsam in die Stadt zu fliegen.

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

Kommentare