Geht es ab Samstag doch in den Biergarten?

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Gastronomen wie Sergio Rota vom Café Margrit am Johannisplatz hoffen, dass sie ihre Gastronomie tatsächlich bald öffnen dürfen – und dann auch das Wetter für die Straßencafés passt.
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Verwirrung um die Zählweise der Tage mit Inzidenz unter 100. Das Landratsamt klärt auf. Die Unsicherheit bei Gastronomen ist groß.

Schwäbisch Gmünd

Jetzt also doch: Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz im Ostalbkreis weitere zwei Tage unter 100, dürfen Gastronomen an diesem Samstag, 29. Mai, öffnen. Denn die Inzidenz lag über Pfingsten laut der Veröffentlichung des Robert-Koch-Instituts (RKI) genau an den beiden Tagen über 100, die nicht zählen, wenn es um die Öffnungsschritte geht: an den Feiertagen Pfingstsonntag und -montag. Das teilt Katharina Oswald, persönliche Referentin des Landrats, auf Nachfrage mit, nachdem sie sich mit den Zuständigen des Landessozialministeriums abgestimmt hatte.

Für die Zählung komme es stets auf die Veröffentlichung der Neuinfektionen pro Woche auf 100 000 Einwohner des RKI an, das die Werte immer mit einem Tag Verspätung bestätigt. Demnach hatte der Kreis diese Sieben-Tage-Inzidenz-Werte:

Freitag, 21. Mai: 97,4 – der erste Werktag unter 100.

Samstag, 22. Mai: 98,7– der zweite Werktag unter 100.

Sonntag, 23. Mai:105,7– der Wert über 100 unterbricht die Zählung nicht, weil Sonntage außen vor bleiben.

Montag, 24. Mai: 103,8– zählt als Feiertag nicht.

Dienstag, 25. Mai: 97,4– der dritte Werktag, der zählt. Am Abend meldet das Landesgesundheitsamt gar die Zahl 86, die das RKI an diesem Mittwoch noch bestätigen muss.

Bleibt die Sieben-Tage-Inzidenz am Mittwoch sowie am Donnerstag – und somit an zwei weiteren Werktagen – unter 100, werde das Landratsamt dies am Donnerstag, 27. Mai, bekanntgeben. Am übernächsten Tag nach der Bekanntmachung könne es zu weiteren Öffnungsschritten kommen: am Samstag, 29. Mai.

Gastronomen dürfen ihre Lokale dann ab 6 bis 21 Uhr außen wie innen öffnen. Im Lokal darf sich ein Gast pro 2,5 Quadratmeter aufhalten, die Tische müssen mit 1,5 Metern Abstand aufgestellt sein. Außen gelten die Abstands- und Hygieneregeln. Zudem müssen die Gäste ihre Kontaktdaten angeben, getestet, genesen oder geimpft sein. Das bedeutet konkret, sie müssen einen negativen Coronatest vorlegen, der maximal 24 Stunden alt ist, seit mindestens zwei Wochen den vollen Impfschutz haben oder nachweisen, dass sie innerhalb des vergangenen halben Jahres an Corona erkrankt waren.

Das alles gilt jedoch nur, wenn die Inzidenz unter 100 bleibt. Steigt sie am Donnerstag über 100, beginne die Zählung von Neuem. In die umgekehrte Richtung, von geöffneten hin zu geschlossenen Gaststätten, wären es drei Tage, die zählen, also einschließlich der Sonn- und Feiertage: Liegt die Inzidenz drei Tage hintereinander über 100, müsste der Öffnungsschritt zurückgenommen werden, zitiert Katharina Oswald Paragraf 28b des Bundesinfektionsschutzgesetzes und bemerkt: „Das Ganze ist ziemlich kompliziert.“

Da haben viele keinen Überblick mehr, weiß auch Markus Herrmann. Beim Gmünder Stadtsprecher und Geschäftsführer der Touristik und Marketing GmbH (T&M) haben sich am Dienstag einige Gastronomen gemeldet, weil sie Klarheit darüber wollten, ab wann sie öffnen dürfen. „Die Unsicherheit ist für die Gastronomen die Hölle“, berichtet Markus Herrmann. Denn es brauche Vorlauf, bis sie ihre Betriebe wieder hochgefahren haben.

Das kann Hannes Barth, Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins ProGmünd, bestätigen. Er hatte sich auf eine Öffnung seiner Gaststätten Hirsch in Bettringen, Zum Paradies und Zeiselberg-Biergarten in Gmünd für Anfang nächster Woche eingestellt. „Jetzt wird es eng“, meint er hinsichtlich des Personals sowie der Ware, die er noch bestellen muss. Doch er werde am Samstag auf jeden Fall öffnen, wahrscheinlich gebe es am Wochenende dann nur Getränke auf dem Zeiselberg.

21 Uhr – „absoluter Quatsch“

Er habe viele Coronamaßnahmen nachvollziehen können, sagt Hannes Barth, „absoluter Quatsch“ sei für ihn jedoch die Regel, nach der Lokale um 21 Uhr schließen müssen. Wo doch ohnehin nur ein Gast auf zweieinhalb Quadratmeter ins Lokal dürfen, könnten die Leute wenigstens bis 22 Uhr zusammensitzen – oder auch länger, meint er gerade auch im Hinblick auf die Fußball-Europameisterschaft ab 11. Juni. Zwei Deutschland-Spiele beginnen um 21 Uhr, nach der aktuellen Regelung allerdings ohne gemeinsames Fußballschauen in den Kneipen.

Wo sonntags testen?

Unklar ist für Hannes Barth auch, wie Bürger sonntags zu ihrem Nachweis für einen negativen Coronatest kommen sollen. Denn die Teststationen in Gmünd haben sonn- und feiertags zu. Die Stadtverwaltung führe Gespräche mit den Anbietern, sagt Markus Herrmann, wohlwissend, dass es etwa fürs Deutsche Rote Kreuz (DRK) nicht einfach sein wird, das Testangebot noch weiter auszubauen.

Für Sergio Rota, Inhaber des Café Margrit am Johannisplatz, bleibt eine weitere Frage offen: Ob der Betrieb nach der Öffnung wirtschaftlich sein wird, wenn er nur noch die Hälfte der Gäste ins Café lassen darf. Zumal er zusätzliches Personal bereithalten müsse, das Testnachweise oder Impfpässe kontrolliert. Doch er hoffe, dass mit der Öffnung der Gastronomie die Freiluftsaison beginnt und Wirte auch die Außenflächen nutzen können. Es wäre ja dann auch an der Zeit, dass das Wetter mitspielt.

Die Unsicherheit ist für die Gastronomen die Hölle.“

Markus Herrmann, Stadtsprecher und T&M-Chef

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