Gelassener werden – aber wie?

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Die kraftvollen Töne des Bläserteams des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg umrahmen den Joki-Spezial-Abendgottesdienst in der Gmünder Augustinuskirche.
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Beim Joki-Spezial-Abendgottesdienst in der Gmünder Augustinuskirche geht es um das Thema: „Gelassenheit – Ruhe, die von innen kommt.“

Schwäbisch Gmünd

Ist Gelassenheit erstrebenswert? Ist es nicht wichtiger, aufzuwachen?“, diese Fragen stellte Pfarrer Matthias Walch an den Anfang des Joki-Spezial-Abendgottesdienstes in der Gmünder Augustinuskirche mit dem Thema: „Gelassenheit – Ruhe, die von innen kommt.“

Wie kann man sich dem Bombardement der Meldungen, die Angst und Sorge verbreiten, entziehen, zur Gelassenheit kommen? Dazu referierte Diplompsychologin und Theologin Dr. Beate Weingardt aus Tübingen wissenschaftlich fundiert, dabei humorvoll und lebensnah. Gelassenheit sei das Gegenteil von Angst, Sorge und Unruhe, von jeder Art von Anspannung und Stress.

Angst ist überlebenswichtig

„Dürfen, ja sollen wir Angst haben?“, stellte Weingardt als Frage in den Raum. Ja, Angst sei ein wichtiges und notwendiges Gefühl. Als Nervenkitzel könne sie sogar Spaß machen. Angst sei ein wichtiges Warnsignal vor Kontrollverlust. „Wir brauchen das Gefühl der Angst zum Überleben“, so die Referentin.

„Alle nach 1945 Geborenen kennen ein komfortables Leben im Frieden.“ Da stelle sich die Frage, warum Angsterkrankungen zunehmen, besonders stark in der Coronazeit. „Wir leben in einer Sicherheit, von der unsere Vorfahren nur träumen konnten“, so Beate Weingardt. Die Zunahme von Angst habe verschiedene Ursachen: Durch die Medien seien Informationen aus aller Welt in großem Maß verfügbar. Zum Teil werde der Teufel an die Wand gemalt in den negativen Botschaften.

Des Weiteren erwarte heute jeder, dass alles sicher ist. Doch was passiert, wenn dieses extreme Sicherheitsbedürfnis mal nicht bedient wird? Hoher Leistungsdruck sei ein weiterer Auslöser von Angst. Für Kinder könne der schon in der dritten Klasse beginnen mit der Frage: „Schaffst du das Abitur?“

Auch zu viel Alleinsein gehöre zu den Gelassenheitskillern. Aber es gebe auch eine falsche Gelassenheit. Aus Ahnungslosigkeit eine Situation falsch einzuschätzen oder Selbstüberschätzung. Oder Gleichgültigkeit bis zur Verantwortungslosigkeit.

Gelassenheit ist wichtig

Gelassenheit ist wichtig, wiederholte die Referentin. Facetten der Gelassenheit seien Flexibilität, Vertrauen und Halt. Im Englischen gibt es zwei unterschiedliche Begriffe für „sorgen“. To care bedeute, sich um etwas zu kümmern, zu sorgen, to worry bedeute, sich Sorgen machen. Flexibilität stelle die Balance zur Gelassenheit her: Wenn Plan A nicht funktioniert, akzeptiert man Plan B und C.

Die Wurzel von Gelassenheit liege im Vertrauen: Vertrauen in sich selbst, eine eigene Meinung zu haben und zu äußern, eigene Entscheidungen zu treffen und den Mut zu haben, Grenzen zu ziehen. „Wir brauchen etwas, das uns Halt gibt“, erläuterte die Diplompsychologin und Theologin. Wer sich geborgen in Wertschätzung und Liebe fühle, leide weniger an Angst. In eine Gemeinschaft eingebunden zu sein, Vertrauen in Menschen und Gott zu haben, verhelfe zur Gelassenheit.

Lebendig und zugewandt referierte Dr. Beate Weingardt. Still und aufmerksam die Zuhörerinnen und Zuhörer in der dicht gefüllten Gmünder Augustinuskirche. Der Joki-Spezial-Abendgottesdienst wurde von den kraftvollen Tönen des Bläserteams des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg unter Leitung von Michael Püngel musikalisch begleitet. Johann Sebastian Bachs „Concerto D-Dur“,Philip Sparkes „Hymn of the Highlands“, die eingängige Melodie „Tico-Tico“, die an Samba erinnert, und ein Dixieland von Louis Armstrong wurden gekonnt interpretiert.

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