Gemeinsam ins Glück gepilgert

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Feiern diamantene Hochzeit: 60 gemeinsame Ehejahre seien mit „Ehrlichkeit und Verständnis“ schnell vorbeigezogen , meinen Edeltraud und Joachim Biskup aus der Weißensteiner Straße.
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Von Schlesien nach Schwäbisch Gmünd: Nach 60 Ehejahren können Edeltraud und Joachim Biskup jetzt ihre diamantene Hochzeit feiern.

Schwäbisch Gmünd

Die Hochzeit von Edeltrauds Freundin und Arbeitskollegin brachte Joachim und Edeltraud Biskup vor mehr als 60 Jahren zusammen. Die Hochzeit war in dem sehr bekannten schlesischen Wallfahrtsort Annaberg. Der Bräutigam, ein Freund von Joachim, lud diesen ebenfalls Fest ein. Joachim fand sofort Gefallen an der zierlichen Edeltraud und auch Edeltraud verguckte sich in den jungen Handwerker.

Am 15. Juli 1961 trat das junge Paar vor den Traualtar und baute sich eine Zukunft im schlesischen Oppeln auf. Das Leben in der alten Heimat gestaltete sich für Deutsche immer schwieriger, eine Ausreise wurde trotzdem nicht genehmigt, mehr als 50 Ausreiseanträge hat das Paar gestellt, um in den Westen ausreisen zu können. Am Ende brachte ein Familienbesuch in Hildesheim die Möglichkeit, im Westen zu bleiben. Joachim war mit Sohn Peter und Tochter Eva auf Familienbesuch, Eva durfte nicht mit. „Es war klar, dass wir nicht mehr zurückkommen würden.“ Joachim blieb mit den Kindern in Deutschland, Edeltraud stellte ebenfalls einen Antrag auf Familienbesuch und bekam diesen genehmigt. 1988 kam die kleine Familie in Schwäbisch Gmünd an und bezog eine Wohnung in der Werrenwiesenstraße, in der es genügend Platz für Eltern und Kinder gab.

Ausreise nicht erlaubt

Dabei war Joachim Biskup bereits im Januar 1945 das erste Mal nach Deutschland geflüchtet, mit dem letzten Zug, der noch in den Westen fuhr, sei er mit seiner Mutter im Januar nach Deutschland gekommen. Joachim besuchte in Deutschland die Schule, aber das Heimweh der Mutter und ihre Sehnsucht nach ihrer Mutter veranlasste die Biskups 1949, wieder zurück zugehen. Der Gedanke, dass das ehemalige Schlesien jetzt unter polnischer Verwaltung stehe und man dort als Deutscher gut leben könnte, erwies sich als nicht richtig. „Lebensmittel gab nur auf Bezugsscheine, eine Ausreise wurde nicht erlaubt.“

Mit der gemogelten Flucht 1988 ließen die Biskups alles zurück, das Haus und die Freunde. Als Hilfskrankenschwester begann Edeltraud in einem Seniorenwohnheim in der Pflege zu arbeiten, Joachim, als gelernter Maurer, fand eine Anstellung bei einem Bauunternehmer. Beide waren bis zur Rente berufstätig.

Ihre große Leidenschaft galt ihrem Gartengrundstück in Gmünds Osten, im Sommer wurde dort gelebt, täglich waren die Biskups dort zu finden. Erst als die Anfahrt zum Garten zu beschwerlich wurde, gaben die Biskups schweren Herzens ihren Garten auf. Nachdem die Kinder groß wurden und aus dem Elternhaus gezogen waren, bezogen Edeltraud und Joachim eine kleinere Wohnung in der Weißensteinerstraße, noch relativ zentrumsnah aber trotzdem im Grünen. Im Garten des Sohnes verbringen Edeltraud und Joachim jetzt viel Zeit.

Selbstverständlich hat das Alter an beiden seine Spuren hinterlassen, während Edeltraud noch gelegentlich Besorgungen mit dem Fahrrad macht, hat Joachim das Auto- und Rollerfahren aufgegeben. Trotzdem will der 86-Jährige nicht klagen „mit dem Alter kommen die Zipperlein“. Die regelmäßigen Besuche der Kinder, vier Enkel und einem Urenkel bringen immer wieder viel Leben ins Haus. Edeltraud hat eine kleine Blühoase auf ihrem Balkon geschaffen und jeden Sonntag geht das Paar zur Messe in die Kapelle des Maragritenheims. Hier soll auch der Gottesdienst zur diamantenen Hochzeit von Pfarrer Alfons Wenger zelebriert werden.

60 gemeinsame Ehejahre seien mit „Ehrlichkeit und Verständnis“ schnell vorbeigezogen, meinen Edeltraud und Joachim.

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