Genesen – und dennoch ist die Unsicherheit groß

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Bei Genesenen reicht eine Impfung. Bisher kann der Nachweis dafür nicht digital erfasst werden.
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Warum ein Antikörpertest nicht als offizieller Nachweis für die Genesung nach einer Coronainfektion gilt. Und was Genesene beachten sollten.

Schwäbisch Gmünd

Genesen, geimpft, getestet – das sind während Corona die Kriterien für viele Freiheiten. Wie Genesene ihren Status allerdings offiziell nachweisen können, sorgt bei manchen für Unsicherheit und Unverständnis:

Trotz vieler Antikörper offiziell nicht genesen: Ein 50-jähriger Gmünder, der anonym bleiben will, ist vergangenen Herbst schwer an Corona erkrankt. Es geht ihm besser, doch er ist nach wie vor wegen Long-Covid in Behandlung. Sein PCR-Test von damals diente ihm im folgendenden halben Jahr als Genesenen-Nachweis etwa beim Friseur, in Gaststätten oder bei Veranstaltungen. Nun sind die sechs Monate vorbei. Doch laut seines Bluttests hat er immer noch so viele Antikörper, dass sein Arzt ihm von einer Impfung abgeraten habe. Um seine Freiheiten weiterhin ohne Coronatests genießen zu können, müsse er sich jedoch einmal impfen lassen, informierten ihn auf Nachfrage Mitarbeiter des Gesundheitsamts des Landkreises.

„Das Gesundheitsamt des Ostalbkreises hält sich an die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko), die eine einmalige Impfung nach sechs Monaten nach einer nachweislich durchgemachten SARS-CoV-2-Infektion vorsieht“, bestätigt Landratsamtssprecherin Susanne Dietterle. Der sogenannte Antikörpertest könne als medizinischer Nachweis dafür dienen, dass tatsächlich eine Infektion vorgelegen habe, „allerdings nicht als förmlicher Nachweis im Sinne der Corona-Verordnung des Landes“, betont sie. Denn die Stiko mache in ihrer Empfehlung zur Impfung keine Angaben zur Höhe einer Antikörperkonzentration. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) ist nämlich bisher nicht bekannt, wie hoch die Antikörperkonzentration sein muss, um nach einer Coronainfektion von einem sicheren Schutz ausgehen zu können.

So hat sich der 50-Jährige trotz großer Bedenken mit Biontech impfen lassen. „Sonst werden mir ja meine Grundrechte gestohlen“, sagt der Gmünder. Er habe eine Woche Nebenwirkungen gehabt: Kreislaufprobleme und eine Schwellung am Arm.

„Es kann tatsächlich sein, dass die Muskelschmerzen bei diesen Patienten stärker sind, weil der Körper auf Abwehr getrimmt ist“, sagt Dr. Jens Freitag, Allgemeinmediziner und Internist aus Bettringen über Genesene. Doch das sei „überhaupt nicht gefährlich“. Jens Freitag hat gemäß der Empfehlung des RKI schon viele genesene Patienten geimpft – „ohne Probleme“. Zumal es ja auch einige gebe, die mit Corona infiziert waren, ohne es zu wissen. Die Dunkelziffer sei hoch. Und fast niemand lasse einen Antikörpertest vor der Impfung machen. Ein solcher sei vom RKI nicht empfohlen und er werde nur in Ausnahmefällen von den Krankenkassen bezahlt.

Auf die Empfehlung des RKI verweist auch Allgemeinmediziner Dr. Bertold Schuler, Pandemiebeauftragter der Kassenärztlichen Vereinigung für den Ostalbkreis und Vorstandsmitglied der Gmünder Kreisärzteschaft. Er selbst sei im Juli und August 2020 an Corona erkrankt gewesen und im Frühjahr 2021 zweimal geimpft worden, ohne vorher seine Antikörper zu bestimmen. Die Empfehlung des RKI, nach der sich Genesene nur noch einmal impfen lassen sollen, sei erst danach gekommen. Allerdings nicht wegen der Nebenwirkungen, erklärt der Arzt, sondern weil eine Impfung für die Immunisierung von Genesenen ausreiche und so Impfstoff gespart werden könne.

Erkrankt, aber nicht getestet: Unsicherheit gibt es auch bei jenen, die an Corona erkrankt waren, aber keinen PCR-Test erhalten haben. Entsprechende Nachfragen kommen beim Gesundheitsamt an, erzählt Susanne Dietterle. Dies sei etwa in Familien vorgekommen, in denen einer mit Covid-19 infiziert war und einen positiven PCR-Test hatte. Zeigten andere Familienmitglieder daraufhin Corona-Symptome, seien sie nicht getestet, aber in der Statistik als „klinisch-epidemiologische Fälle“ eingestuft worden. Dies habe zu Beginn der Pandemie aufgrund knapper Testkapazitäten bis zu 194 Personen im Ostalbkreis betroffen. Bei Bedarf erhielten diese Personen nun vom Landratsamt auf Nachfrage einen Genesenennachweis im Sinne der Covid-19-Schutzmaßnahmen-Ausnahmeverordnung des Bundes. Damit genüge ebenfalls eine einmalige Impfung. Schließlich soll es niemandem zum Nachteil kommen, dass er damals keinen PCR-Test erhalten habe, erklärt die Landratsamtssprecherin.

Genesene müssen die offiziellen Nachweise von der Kommune oder dem Landratsamt vorlegen können, um von den Corona-Ausnahmeregelungen profitieren zu können. Sind die Nachweise nach einem halben Jahr abgelaufen, empfiehlt die Ständige Impfkommission eine einmalige Impfung zur Immunisierung. Daraufhin müssen diese Genesenen und Geimpften die Bescheinigung sowie den Impfpass zeigen können, in den die einmalige Impfung eingetragen ist. Eine Kopie reicht dafür laut Landesregierung nicht aus, eine beglaubigte Kopie könne im Einzelfall genügen.
Den Nachweis und das gelbe Impfheft immer in der Tasche – „das ist natürlich nicht komfortabel“, sagt Landratsamtssprecherin Susanne Dietterle. Doch die Digitalisierung dafür – etwa in der CovPassApp des Robert-Koch-Instituts – sei derzeit noch nicht möglich. Das habe das Sozialministerium auf Nachfrage des Landratsamts mitgeteilt jul

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