Gestickte Schätze im Gmünder Schulmuseum

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Sickereien im Gmünder Schulmuseum
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In der Ideen-Oase in der Klösterlestraße gibt's viele Dinge aus vergangenen Jahren, die ihre Aktualität aber bis heute noch nicht verloren haben.

Schwäbisch Gmünd

Corona hat gezeigt, wie alte Fertigkeiten hochaktuell werden können. Gemüse selbst ziehen, wieder selber kochen, Brot backen, aber auch Basteln und Handarbeiten haben wieder Saison. Da fällt Gerda Fetzer vom Gmünder Schulmuseum sofort ein, wohin sie greifen muss, um Altbekanntes, aber fast Vergessenes wieder auf den Tisch zu bringen. Wer weiß denn auf Anhieb, was Pikots sind, wie Mönchsknoten oder Jagdtaschenknoten geknüpft werden, oder was Strickstrick ist.

Pikots sind die gehäkelten Mäusezähnchen, die einer Handarbeit zum Schluss den besonderen Pfiff verleihen. Die Knoten dagegen können in Freundschaftsbändern für aufregend Neues sorgen. Der Jagdtaschenknoten mäandert dicht an dicht und gibt Stabilität.

Der Mönchsknoten sieht auf den ersten Blick einem Wurfknoten zum Verwechseln ähnlich. Ersterer wird bei den liturgischen Gewändern in der katholischen Kirche benötigt und bei Mönchskutten, der Letztere in Verbindung mit Tauen der Großschifffahrt.

Wahre Erfinderinnen

Wichtig in Zeiten von Nachhaltigkeit ist, was und wie man etwas mehrfach verwenden kann. Da waren die Frauen in Kriegs- und Nachkriegszeiten wahre Erfinderinnen. Sie verwandelten alles, dessen sie habhaft werden konnten, in etwas Neues oder Schöneres. Denn danach war die Sehnsucht in kargen Zeiten groß. Jedes Papier, jeder Karton wurde aus Not, heute aus Umweltbewusstsein gesammelt. Daraus entstanden sind, wie man in den Archiven des Schulmuseums entdecken kann, Objekte, die heute noch begeistern.

Babys wollen knautschen und beißen. Jede junge Familie kann ein Lied davon singen, dass alles erst einmal in den Mund wandert und genau ertastet wird mit allen Sinnen. In Notzeiten war die Auswahl dafür gering. Deshalb griffen Mütter und Tanten zu Nadel und Faden, um aus Stoffresten und Kunstleder Babyschuhe zu nähen und Filz in Frösche und andere Tierfiguren zu verwandeln.

Topmoderne Muster

Aber auch für den Sonntag wurde einst gestichelt und gestickt. Das Kirchengesangbuch erhielt einen besonderen Umschlag als Schutz. Foto- und Erinnerungsalben wurden kunstvoll gestaltet, mit Rauten und Bünden versehen. Eines der Alben des Schulmuseums zeigt, wie Flickenreste aus der Schusterwerkstatt zu einem ästhetischen, heute wieder topmodernen Muster werden. Damit alles zusammenhielt, verwendete man unterschiedliche Sticharten. Etwas, dem viel Aufmerksamkeit in der Lehrer-Ausbildung geschenkt wurde. So erwarb man in der Schulzeit bis in die 50er- und 60er-Jahre im Handarbeitsunterricht noch hilfreiche Fertigkeiten, die heute in Internet-Tutorials wieder in Mode kommen.

Eines der „Schätzchen“ im Schulmuseums-Archiv ist ein Krokodil von Waltraud Krafft, Handarbeitslehrerin aus Waldstetten. Aus grünem Kunstleder die Form, mit Kurbelstichen von Hand dicht an dicht zusammengenäht, dann ausgestopft. Lebensecht, mit seinen freundlichen Augen ein fröhlicher Kinderbegleiter. Oder eine weiß-rote Ente. Aus wächsernem Material, abwischbar, für die Kleinsten. Weich und knautschig, aber so fabelhaft handgenäht, dass der Knautsch immer wieder in die ursprüngliche Form zurückspringt. Oder ein weißer Elefant, der fröhlich in die Welt trötet.

Im Sinn von Recycling schaut man heute wieder in vielen Haushalten darauf, dass ein Loch oder ein Riss in einem Kleidungsstück kein „Todesurteil“ ist. Man sucht nach Möglichkeiten, es zu reparieren. Da helfen Informationen über Vorstich, Saumstich oder Überwindlungsstich. Früher zum Beispiel gab's die in Büchern wie „Praktischer Lehrkurs der rationellen Hauswirtschaft“, in dem das „Reich der Hausfrau“ ausgeleuchtet wurde. Wer die Stichvariationen kennt, findet die moderne Version online.

Museum als Ideen-Oase

Immer mehr Menschen erkennen, dass etwas selber zu machen Freude und Stolz erweckt. Wer mehr davon erleben will beim Anschauen und sich Sich-Anregen-Lassen, sollte die Ideen-Oase Schulmuseum besuchen. Da finden sich Inspirationen zu vielen Themen, die Vergangenheit aufzeigen, aber ihre Aktualität nie verlieren werden.

  • Extra-Öffnungszeiten im Gmünder Schulmuseum
  • Da in den letzten Augustwochen die Handwerker im Gmünder Schulmuseum sind, muss das Schulmuseumsteam viele Utensilien und auch einige Vitrinen zur Seite rücken und kann daher nicht wie in gewohnter Weise Führungen anbieten. Deshalb gibt es Extra-Öffnungszeiten - und zwar am Samstag und Sonntag, 28. und 29. August, von 13 bis 17 Uhr.
Sickereien im Gmünder Schulmuseum
Sickereien im Gmünder Schulmuseum
Sickereien im Gmünder Schulmuseum

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