Gmender Fasnet: Von Schnapszahlen und der göttlichen Ordnung

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ÌFoto: jps

Wieso, weshalb, warum? Der Rudo erklärt, wann Fasnet und Karneval beginnen und was närrische Zahlen damit zu tun haben. Von Thomas Krieg

Schwäbisch Gmünd

Keine Fasnet 2021. Und auch 2022 nicht. Nachdem die Corona-Pandemie dem närrischen Treiben einen Strich durch die Rechnung macht, soll sie immerhin in der Gmünder Tagespost stattfinden. In gewisser Weise versteht sich.

Der Rudo hat sich dazu bereiterklärt, Woche für Woche verschiedene Bereiche der Gmender Fasnet zu beleuchten. In den beiden Artikeln zuvor war davon die Rede, dass Fasnet und Karneval die Zeit vor der Fastenzeit sind und dass es durchaus Unterschiede gibt zwischen rheinischem Karneval und der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Beides spielt heute wieder eine Rolle.

Denn heute dreht sich alles um die Frage: „Wann beginnen Fasnet und Karneval?“ So manch einer wird jetzt wahrscheinlich antworten: „Am 11.11.“ Und wenn ich, der Rudo, dann weiterfrage: „Und wie geht dieser Termin zusammen mit der Fastenzeit?“, werden die Antworten dünn gesät sein.

Außerhalb göttlicher Ordnung

Begeben wir uns also auf Spurensuche und fangen mit der närrischen Zahl elf an. Es gibt mehrere Erklärungen dafür, wie die Elf zur Zahl der Narren wurde. Ich halte mich an die Herleitung aus dem biblisch-christlichen Hintergrund.

Zum einen überschreitet die Elf die zehn der zehn Gebote, soll heißen: Wer sich außerhalb der göttlichen Ordnung stellt, ist ein Narr. Noch schöner die Herleitung aus der biblischen Zahlensymbolik: Drei steht für Gott (das göttliche Dreieck, die Dreifaltigkeit) und die vier steht für die Welt (vier Jahreszeiten, vier Himmelsrichtungen). Kommen drei und vier zusammen ergibt sich eine Ganzheit: Addiert gibt drei und vier sieben (die Ganzheit findet sich dann zum Beispiel in den sieben Tage der Woche), multipliziert man drei mit vier ergibt das zwölf (zwölf Monate des Jahres, zwölf Apostel). Steht die 12 für die Ganzheit, so ist der, der die 11 wählt, zu kurz gesprungen, eben ein Narr.

Und wer die Ganzheit verfehlt, hat Pech: So wird die 13 zur Zahl für das Unglück.

Fastenzeit im Advent

Wenn 11 die Zahl des Narren ist, und auch noch eine Schnapszahl, liegt es nahe, sie zu vervielfachen: Am 11.11. um 11 Uhr 11 ist Auftakt - im rheinischen Karneval. Und warum schon im November, wenn doch die Fastenzeit erst im Frühjahr kommt? Ganz einfach: weil früher auch der Advent eine Fastenzeit war. Allerdings hat der 11.11. nichts mit dem kirchlichen Kalender zu tun, sondern ist tatsächlich der närrischen 11 geschuldet. Gehen wir nach dem kirchlichen Kalender, feiern wir am 11.11. St. Martin und machen auch Umzüge, aber eben mit Laternen und einem Reiter vorneweg.

Ganz anders im schwäbisch-alemannischen Brauchtum: Da beginnt die Fasnet an Dreikönig. denn an Dreikönig endet die Weihnachtsfestzeit, und damit kann etwas anderes Raum greifen.

Rudo wird nicht rausgelassen

Entsprechend gibt es in Schwäbisch Gmünd wiederum unterschiedliche Bräuche:

Um den 11.11. wird das Silbermännle vor dem Rathaus begrüßt und von den Garden und dem närrischen Hofstaat in Empfang genommen. Beim regionalen Guggenmusiktreffen werden traditionell zuerst die Instrumente im Marktbrunnen gewaschen, bevor Schrägtonmusik in den Gassen von Gmünd widerhallt. In Herlikofen wird am 11.11. am Geesbach der Grabb ausgegraben. Das alles fiel und fällt im letzten und in diesem Jahr genauso Corona zum Opfer wie das Rudo-Rauslassaden im Hölltal, dem traditionellen Fasnetauftakt der 1. Gmünder Narrenzunft Hölltalschütz, das immer am 6. Januar, also an Dreikönig, stattfindet.

Auf der Internetseite der 1. Gmünder Narrenzunft Hölltalschütz können Sie unter „www.Rudo.gd“ den Rudo beobachten, wenn er die Nachricht von der Absage bekommt.

Die GT-Faschingsserie wird am kommenden Samstag fortgesetzt.

  • Fasnet-Serie in der Gmünder Tagespost
  • 8. Januar: Fasching - Fasnet - Karneval: Begriffsklärung und Ursprünge
Silbermännle konfetti Fasnet Gmünd

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