Gmünd hat auch jüdische Geschichte

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Oberbürgermeister Richard Arnold und die amtierende Stadtarchiv-Chefin Valeska Martin zeigen das neue Buch „Jüdisches Leben in der Reichsstadt Schwäbisch Gmüünd vom 13. bis ins 17. Jahrhundert“.
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Dr. David Schnur, Dr. Simon Paulus und Dr. Stefan Lang veröffentlichen ein Buch über christliches und jüdisches Zusammenleben im mittelalterlichen Gmünd.

Schwäbisch Gmünd

Das Buch schließt eine Lücke: Drei Wissenschaftler, Dr. David Schnur, Dr. Simon Paulus und Dr. Stefan Lang, haben am Mittwoch einen Sammelband über jüdisches Leben in Gmünd im Mittelalter vorgestellt. Sein Titel: „Jüdisches Leben in der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd vom 13. bis ins 17. Jahrhundert“.

Die Veröffentlichung macht den Mittwoch für Oberbürgermeister Richard Arnold zum „Festtag“. Er erinnert an Ortrud Seidels Buch „Mut zur Erinnerung“, in dem sie 1991 über Schicksale jüdischer Mitbürger erzählte. Sie eckte damals an, sagt der OB. Und habe gleichzeitig den „Boden für einen ernsthaften Diskurs“ bereitet. Heute, sagt der OB, tragen Seidels Buch und Gmünds Erinnerungskultur Früchte. Dazu gehört dieses Buch, das auch durch die Entdeckung der mittelalterlichen Synagoge in der Imhofstraße 9 befördert wurde. Denn mit diesem „singulären Baudenkmal“, sagt die amtierende Leiterin des Stadtarchivs, Valeska Martin, sei das Interesse an jüdischem Leben in Gmünd vor der Zeit der Judenverfolgung im Dritten Reich wieder geweckt worden.

Die drei Autoren erläuterten ihre Beiträge: David Schnur, bis vor kurzem Gmünds Stadtarchivar, wollte – gemeinsam mit OB Arnold – einen Beitrag zum Jubiläum 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland leisten. Schnur greift auf Quellen zu jüdischem Leben in Gmünd im Mittelalter zurück und erzählt, wie sich jüdisches Leben in der Kultur, der Politik, der Sozialgeschichte spiegelt. Simon Paulus von der Universität Stuttgart fasst zusammen, was über die Baugeschichte der Imhofstraße 9 bekannt ist. Und er geht der Frage nach, wie die Gmünder sich den damaligen Judenhof mit der Synagoge heute vorstellen können: nämlich nicht als Ghetto, als abgesondertes Wohnviertel der Juden, sondern als offenen Hof, in dem auch Christen lebten. Und damit als Beispiel, wie im Mittelalter Juden und Christen friedlich miteinander lebten. Stefan Lang, Göppingens Kreisarchivar, zeigt in seinem Beitrag, dass es auch nach der Vertreibung der Juden 1501/1521 um Gmünd noch jüdisches Leben gab.

Gmünds jüdische Geschichte Jahrhunderte vor der Verfolgung der Juden im Nationalsozialismus sei vielen Gmündern heute nicht mehr bekannt, sagt Schnur. Dies zu zeigen, sei auch eine Absicht der drei Autoren des Buches. Und dass es über Jahrhunderte Beziehungen zwischen Christen und Juden gegeben habe – mit allen Höhen und Tiefen. Und damit auch mit Unterbrechungen, mit Phasen also, in denen Juden aus Gmünd vertrieben waren. Doch es habe eben auch gegenseitige Befruchtungen gegeben. Dass Juden von Christen profitierten. Und Christen von Juden. Vor diesem Hintergrund hofft Schnur, dass das Buch einen Beitrag leisten kann, gängigen Vorurteilen Juden gegenüber und erneut aufkeimendem Antisemitismus etwas entgegen zu setzen. Denn wodurch solle dies gelingen, wenn nicht „durch eine authentische Forschung“ über das Zusammenleben von Juden und Christen, wie es zur Zeit der wiederentdeckten mittelalterlichen Synagoge war. Auch deshalb will das Stadtarchiv das Buch in Schulen zum Thema machen. Und der OB in der ganzen Stadt. Denn Gmünds Geschichte sei ein Stück weit auch jüdische Geschichte, sagt Arnold. Und lädt die Bürger in die Imhofstraße 9 ein.

„Jüdisches Leben in der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd vom 13. bis ins 17. Jahrhundert“ gibt's für 18 Euro in den örtlichen Buchhandlungen.

Jüdische Geschichte Gmünds ist erlebbar“

Richard Arnold, Oberbürgermeister

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