Gmünd hat Fußgänger im Blick

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Die Kreuzung Klarenbergstraße, Untere Zeiselbergstraße und Sebaldplatz ist eine der Stellen, die die Experten des Verkehrsministeriums beim Fußverkehrscheck in Schwäbisch Gmünd unter die Lupe nehmen werden. Sie ist Teil des Schulwegs zur Klösterleschule. 
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Die Stadt ist eine von 15 Kommunen, die in diesem Jahr den Zuschlag des Landes für einen Fußverkehrscheck erhalten hat.

Schwäbisch Gmünd

Gmünd wird dem Fußverkehr mehr Aufmerksamkeit schenken. Die Stadt hat am Mittwoch als eine von 15 Städten und Gemeinden im Land den Zuschlag für einen Fußverkehrscheck des Landes erhalten. Gmünd sei gut an den Raum Stuttgart angebunden, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann und verwies auf den „großen Stadtumbau“ 2014, bei dem Gmünd schon viel für Fußgänger getan habe. Jetzt wolle die Stadt noch einen Schritt weitergehen und ein Fußverkehrskonzept entwickeln. Dies sei ein guter Anspruch, sagte Hermann. Ansetzen wolle Gmünd an dem, was zur Gartenschau schon gemacht worden sei.

Es sei tatsächlich so, dass der Tunnel und die Gartenschau ein Plus für den Fußverkehr seien, sagte Gmünds Mobilitätsmanagerin Anja Tamm bei der Bekanntgabe der Kommunen, die 2021 beim Fußverkehrscheck dabei sind. Tamm verwies auf viele Fußgängerwege mit der Anbindung des Bahnhofs an die Innenstadt. Was Gmünd jedoch noch fehle, seien ein Gesamtkonzept und eine Erfassung der Schwachstellen. Dabei setze Gmünd stark auf Bürgerbeteiligung und sehe im Fußverkehrscheck eine Einstiegsmöglichkeit. Für den Check ausgewählt habe die Stadt ein Gebiet mit Schulwegen und engen Straßenführungen. Auf GT-Anfrage präzisierte Tamm dies: Die Expertengruppe des Verkehrsministeriums wird bei der Begehung den Bereich Klarenbergstraße, Untere Zeiselbergstraße und Sebaldplatz unter die Lupe nehmen. Denn diese Straßen seien für viele Kinder Teil des Schulwegs in die Klösterleschule. Im Auge hat Tamm aber auch Schwachstellen wie fehlende Absenkungen von Bordsteinen, nicht nur in der Innenstadt, sondern auch in den Stadtteilen. Diese erschienen dann zwar als kleinere Schwachstellen, sie seien aber nicht kostengünstig.

Noch weiß Tamm nicht, wann die Experten des Ministeriums nach Gmünd kommen. Ihr Thema werden aber auch Gefahrenstellen sein. Solche wie die Konrad-Baum-Kreuzung, an der Fußgänger beim Überqueren der Straße regelmäßig auf einer Insel inmitten der Straße auf Grün warten müssen. Insgesamt wünscht sich Tamm durch den Fußverkehrscheck einen „anderen Blick auf Fußgänger“. Denn Hermann habe schon recht, Fußgänger hätten keine Lobby.

Hermann freute sich, dass das Interesse am Fußverkehrscheck ständig steigt. Erstmals hat das Land in diesem Jahr deshalb 15 Kommunen in das Projekt aufgenommen. Zu Fuß gehen, das sei ein bedeutendes Element von Mobilität, die „eigentliche Fortbewegung“. Die Politik habe das lange übersehen. Deshalb will Hermann den Fußverkehr stärken und das Bewusstsein dafür. Ziel sei die „fußgängerfreundliche Stadt“. Dazu müssten Barrieren abgebaut und Stadträume so gestaltet werden, dass Menschen darin verweilen wollen. Zielgruppe des Fußverkehrschecks sind ältere Menschen, Kinder und Menschen mit Handicaps. Sie sollen gezielt gefördert werden, sagte Hermann.

Um mehr Miteinander zwischen Verkehrsteilnehmer zu erreichen, müssten Nutzungskonflikte gelöst werden, sagte Dr. Michael Frehn von der vom Ministerium beauftragen Planersocietät Mobilität. Stadt. Dialog. Er nannte Beispiele: zugeparkte Gehwege, Radwege, die Fußgängern zu wenig Raum lassen oder mehr parkende Fahrräder.

Die Politik hat Fußverkehr lange übersehen.“

Winfried Hermann,, Verkehrsminister

Was Fußverkehrschecks sind

Fußverkehrschecks sind die erste landesweite Maßnahme, um Fußverkehr zu fördern, erklärt Laura Hoyler von der Planersocietät Mobilität. Stadt. Dialog. Es gibt sie seit 2015. Sie dienen dazu, Bewusstsein für den Fußverkehr zu schaffen. In diesem Jahr haben sich 59 Kommunen für den Fußgängercheck beworben. Der Check beginnt im Sommer mit einem Auftaktworkshop, es folgen zwei Begehungen und im Herbst ein Abschluss-Workshop. Einbezogen werden Stadträte und interessierte Bürger. Bei den zwei Begehungen gibt es zwei beispielhafte Routen durch die Stadt. In einem Abschluss-Workshop werden Ergebnisse zusammengefasst und Maßnahmen vorgeschlagen. Diese werden der Stadt und dem Gemeinderat im Frühjahr 202 präsentiert. Bei den vergangenen Checks hat die Planersocietät ein gesteigertes Bewusstsein und eine Sensibilisierung für Fußverkehr festgestellt. Neben Gmünd kommen in diesem Jahr zum Zug: Bad Friedrichshall, Bietigheim (Baden), Dielheim, Fellbach, Jungingen, Mühlacker, Neckarbischofsheim, Sigmaringen, Simonswald, Singen, Stuttgart, Überlingen, Waiblingen und Walldorf. mil

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