Gmünd impft und ringt um den Weihnachtsmarkt

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Über Wochen haben sie aufgebaut. Um dann wieder abzubauen. Gmünd zog zwei Tage vor Beginn des Weihnachtsmarktes die Reißleine - wegen steigender Corona-Zahlen. Im Dezember startete ein kleiner Pop-up-Markt mit mehreren Standbetreibern in Leerständen. F
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Die Stadtspitze schwankt zwischen dem Schutz der Bürgerschaft und der wirtschaftliche Notlage der Standbetreiber.

Schwäbisch Gmünd

Im November waren zwei Themen besonders wichtig: Die Stadt baute für ihre Bürger und die umliegender Gemeinden eine Infrastruktur fürs erneute Impfen auf. Und die Stadtoberen rangen mit sich, ob sie einen Weihnachtsmarkt starten oder diesen doch vor Beginn des Budenzaubers absagen. Die beiden Themen lieferten sich über Wochen einen Wettstreit.

Die Bürger werden sich gewiss erinnern. Der Sommer war corona-unbeschwert, die Impfzentren wurden geschlossen, Warnungen wollte keiner hören. Im Herbst bekamen die Bürger die Quittung: Die Infektionen nahmen zu. Die Stadt setzte auf Impfwillige. Bürgermeister Christian Baron schrieb mehr als 9000 Gmünder über 70 an und erinnerte sie, ihre Imfpung auffrischen zu lassen. In einer bemerkenswerten Initiative organisierten die Stadt, der Arzt Dr. Wolfgang Winker, Dr. Berthold Schuler als Pandemie-Beauftragter der Kreisärzteschaft und die DRK-Bergwacht Impfmöglichkeiten an Samstagen in der Schwerzerhalle.

Parallel ergriff der Schulleiter des Rosenstein-Gymnasiums, Hans-Josef Miller, die Initiative: Während des Kultusministerium an Schulen von der Wiedereinführung der Maskenpflicht absah, führte Miller diese an seiner Schule wieder ein. Er sah „Gefahr im Verzug“ und damit keinen Verstoß gegen die Verordnung des Landes. Zu der Zeit, um den 9. November, gab es am Rosenstein-Gymnasium ein gutes Dutzend Corona-Fälle unter den Schülern.

Just zu diesem Zeitpunkt stellte die Stadt Gmünd das Konzept vor, mit dem sie am Weihnachtsmarkt ab Ende November festhielt: Goldene Bändchen für Geimpfte und Genesene, die Farben wechselnde Bändchen für diejenigen, die mit einem bescheinigten Negativtest auf den Weihnachtsmarkt wollten, nicht nur zum Bummeln, sondern auch zum Verweilen.

Diesen Weihnachtsmarkt wollte die Stadt mit einem breiten Impfangebot begleiten. Die Samstag-Termine führte die Stadt fort, und zudem bot sie mit einem mobilen Impftermin weitere Termine dienstags ebenfalls in der Schwerzerhalle an. Und an einem Wochenende im Rathaus.

Weil die Zahlen gewaltig stiegen, appellierte die Kreisärzteschaft Gmünd an die Bürger, Impfangebote wahrzunehmen. Viele Bürger befolgten diesen Appell. Dennoch meldete das Landratsamt am 15. November mit 1561 aktiven Corona-Fällen die bislang höchste Zahl im Kreis. Bundesweit wurden wieder kostenlose Tests eingeführt, das DRK weitete auf dem Marktplatz seine Testzeiten aus. Parallel sagten viele Firmen und Bürger Weihnachtsfeiern ab. Am 17. November griff im Land nach der Warnstufe die Alarmstufe, die Stadt Gmünd indessen hielt am Weihnachtsmarkt fest. Gleichzeitig sagten erste Standbetreiber ab. Ehrenamtliche wie der Lions Club Limes-Ostalb mit seinem schon traditionellen Glühwein- und Gutsle-Stand. Oder wie die Gmünder Rotarier, die Jahr für Jahr auf dem Weihnachtsmarkt heiße Suppen für gute Zwecke anbieten.

Wenige Tage später nur schlug Landrat Dr. Joachim Bläse gemeinsam mit Klinikchef Prof. Dr. Ulrich Solzbach Alarm. Bläse forderte, Kontakte noch mehr zu beschränken. Die Kliniken wurden für Besucher geschlossen. Planbare Operationen wurden zurückgefahren. Gleichzeitig baute der Landkreis die Impfangebote aus. Zunächst richtete der Kreis in der Schwerzerhalle, später im Stadtgarten einen Impfstützpunkt ein. Klinikchef Prof. Dr. Ulrich Solzbach indessen warnte in der GT vor dem „Brandbeschleuniger“ Weihnachtsmarkt. Bläse machte deutlich, dass die Städte und Gemeinden, die sich Weihnachtsmärkte zutrauten, die Verantwortung für diese trügen. Wenige Tage später: Der Ostalbkreis war mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 702,2 Spitzenreiter im Land. Parallel wartete die Stadt auf eine Vorgabe des Landes. Die kam zu dem Zeitpunkt noch nicht. Weshalb die Stadt zwei Tage vor Beginn des Budenzaubers schweren Herzens die Reißleine zog.

Eigentlich ist Impfen nicht Aufgabe der Stadt.“

Christian Baron, Gmünds Erster Bürgermeister

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