Gmünder Ärztesprecher zu Kliniken: „Schwarze Zahlen haben ihren Preis“

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Wie viele Klinikstandorte braucht der Ostalbkreis? Die Diskussion darüer muss nach Ansic ht der Gmünder Kreisärzteschaft breiter geführt werden. Foto: Tom
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Der Sprecher der Gmünder Kreisärzteschaft, Dr. Erhard Bode, zur Diskussion über die Kliniklandschaft im Ostalbkreis.

Schwäbisch Gmünd

Ein Klinikstandort im Ostalbkreis? Zwei? Oder wie bisher drei? Die Ärzteschaft im Gmünder Raum hat noch keine festgefügte Meinung zu dieser Frage. Sie fordert allerdings, dass vor einer Entscheidung noch weitere Fragen beantwortet werden müssen und dass die Bevölkerung dabei intensiv beteiligt werden sollte.

So fasst der Vorsitzende der Kreisärzteschaft Schwäbisch Gmünd, Dr. Erhard Bode, die bisherige Meinung der Gruppe zusammen. Immerhin, betont er, würden mit dieser Entscheidung die Verhältnisse im Gesundheitswesen im Ostalbkreis auf Jahrzehnte festgeschrieben. „Das darf nicht in irgendwelchen Kämmerchen ausdiskutiert werden.“ Nötig sei eine offene Diskussion ohne Panikmache. Bisher werde das Thema oft „sehr oberflächlich mit vielen Plattitüden“ diskutiert.

Sicher sei zum Beispiel ein Klinikstandort im Zentrum des Kreisgebiets das Optimum für die Organisation. Er müsste jedoch auch, so die Vorgabe, innerhalb einer halben Stunde erreichbar sein. Dabei drohe zudem die Gefahr, dass dann Patienten aus Grenzgebieten des Kreises oder aus den Nachbarkreisen andere Häuser aufsuchen. Dies wiederum könnte zur Folge haben, dass an den Ostalb-Kliniken bestimmte Zahlen von Operationen nicht mehr erreicht werden, die für die Einstufung der Schwerpunkte von Bedeutung seien. Zum Beispiel müsse die Stauferklinik bestimmte Fallzahlen aufweisen, um weiterhin als onkologischer Schwerpunkt anerkannt zu werden. Das gelte auch für die Neonatologie und die Endoprothetik. Solche überdurchschnittlich eingestuften Schwerpunkte sollten unbedingt erhalten, besser sogar ausgebaut werden. Es komme den Patienten auch sehr direkt zugute, wenn ihr Bauchaortenaneurysma von einem Mediziner operiert wird, der Routine mit solchen Eingriffen hat. „Wer den Notfall gut operieren will, muss auch den Standard beherrschen“, sagt der Mediziner.

„Vielfalt lockt Personal“

Bode ist überzeugt, dass die Vielfalt des klinischen Angebots auch helfen wird, die problematische Personallage zu lösen. Ein solches breiteres Angebot sei anziehender für Ärzte und Pflegende. Das Gleiche gelte für die niedergelassenen Ärzte im Umfeld einer solchen Klinik. Der Personalmangel werde ohnehin noch gravierender werden, wenn demnächst die Babyboomer-Jahrgänge in den Ruhestand gehen. Auch die Verzahnung von ambulantem und stationärem Bereich müsse grundsätzlich überdacht werden.

Die Bevölkerung im Kreis müsse sich darüber im Klaren werden, ob sie eine Klinik - mit wie vielen Standorten auch immer - wolle, die schwarze Zahlen schreibt. In einer solchen Klinik, so Bode, werde die Versorgungsbreite schrumpfen müssen - und das mit langfristigen Folgen. Zudem fordert der Sprecher der Gmünder Kreisärzteschaft von den Bürgern mehr Eigenverantwortung.

Nicht die eine Lösung

Dr. Bodes Fazit: Die eine Lösung wird es nicht geben. Eine gute Entscheidung müsse offen diskutiert werden. Ob das bis Jahresende geschehen sein kann, bezweifelt er. Für ihn persönlich wäre die Lösung mit einem zentralen Klinik-Standort nicht die beste Lösung. Er habe jedoch auch Zweifel, ob sich die drei gegenwärtigen Standorte halten lassen. Aus seiner Sicht wird es auf zwei Klinik-Standorte im Kreisgebiet hinauslaufen. Doch das sei bis jetzt seine persönliche Meinung. Vor einer Entscheidung müsse die Diskussion im Ostalbkreis laufen.

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