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Gmünder Grün als Kunst-Thema

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Von: Kuno Staudenmaier

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waltraud pfitzer-stütz
waltraud pfitzer-stütz © kust

Waltraud Pfitzer-Stütz und Michael Stütz wollen die Bevölkerung mit einem Projekt bei der „Gmünder Art“ zur Diskussion anregen.

Schwäbisch Gmünd

Wann und wo entstanden in Schwäbisch Gmünd die ersten Meter Fußgängerzone, wie diskutierte die Stadt vor 50 Jahren über das Thema? Die Antworten darauf hat Michael Stütz parat. Seit Monaten arbeitet er an einer Dokumentation über Fußgängerzone und Bäume in der Innenstadt. Beim Kulturfest „Gmünder Art“ am 30. Juni will er damit auf die Straße gehen. Gemeinsam mit seiner Frau, der Gmünder Künstlerin Waltraud Pfitzer-Stütz, die das Thema künstlerisch aufarbeiten wird.

Lange Debatten im Gemeinderat

Um es vorweg zu nehmen: Große Dinge fangen oft klein an, der erste Verzicht für Autofahrer liegt 56 Jahre zurück: 1967 wurde der schmale Durchgang zwischen Kornhausplatz und Klösterlestraße, zwischen dem damaligen Spielwaren-Böttinger und der Metzgerei Nagel zur Fußgängerzone umgewandelt. Zuvor konnte man dort in beide Richtungen mit dem Auto fahren. Weitere Entscheidungen zum Thema Fußgängerzonen waren in der Regel mit langen Debatten im Gemeinderat und in der Bevölkerung verbunden.

Besserer Sonnenschutz

Bei der „Gmünder Art“ möchte Waltraud Pfitzer-Stütz etwas bewegen, eine Diskussion anregen, die über die beiden Kunst-Tage hinaus geht. Die Stadtentwicklung ist ihr schon seit vielen Jahren Anliegen und künstlerische Herausforderung zugleich. 2009 beginnt sie die Reihe mit „GD1“, thematisiert in einem großformatigen Werk den „Einfluss der alten Macht ‚Kirche‘ und der neuen Macht ‚Kapital‘ auf die Stadtentwicklung.

2017 lässt sie bei der Gmünder Art Besucherinnen und Besucher zu Wort kommen. Ihre Aktion „Das Zebra fragt“ („GD IV“) sammelt auf Fragebögen Ideen und Wünsche für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Schon damals ist man mitten im heutigen Thema: Unter anderem regen die Menschen 2017 an, Kindern einen besseren Sonnenschutz beim Sand-Spielplatz auf dem Oberen Marktplatz zu bieten, mehr Bäume in der Innenstadt zu pflanzen.

Kaum auszuhalten

Jetzt ist „GD VII“ an der Reihe, bei der „Gmünder Art“ zeigen Waltraud Pfitzer-Stütz und Michael Stütz ihre Arbeit an einem denkwürdigen Ort: an der Bocksgasse auf Höhe Johannisplatz, dort wo bis 2012 große Bäume stehen, Bänke zum Verweilen einladen. Michael Stütz übt Nachsicht, wenn der Platz damals für die Staufersaga frei geräumt werden muss. „Das war ja eine wegweisende Veranstaltung, die Schwäbisch Gmünd weit über die Region hinaus bekannt gemacht hat“, sagt er. Allerdings erinnert er sich an Aussagen, dass dort nach der Staufersaga wieder Bäume gepflanzt werden sollen. Heute sei das nötiger denn je. „Bei Sonnenschein im Sommer kann man sich auf dem Johannisplatz ja kaum aufhalten“, sagt er. Und die orangefarbenen Sessel seien im Sonnenschein viel zu heiß. Waltraud Pfitzer-Stütz stellt deshalb diese Szene in den Mittelpunkt, zeigt auf einem extra dafür aufgebauten Bauzaun ein großes Bild aus den 2000er-Jahren mit dickem Grün über den Köpfen und Menschen, die darunter auf den Bänken sitzen. Wie sie die Szenerie künstlerisch aufarbeiten will, was in ihrem Atelier im Unipark dazu entsteht, bleibt bis zur Gmünder Art ein Geheimnis.

Kuriose Aussagen

Sicher ist aber, dass auf weiteren Metern Bauzaun die Dokumentation von Michael Stütz zu sehen sein wird. Ein Rückblick mit aus heutiger Sicht fast kuriosen Aussagen. Gegner von Fußgängerzonen argumentieren 1977 damit, dass auswärtige Besucher den Prediger nicht mehr direkt anfahren können, dass zu viel Verkehr auf den Münsterplatz und in umliegende Gassen verlagert wird. Im gleichen Jahr sprechen sich bei einer Unterschriftenaktion 4174 Gmünderinnen und Gmünder gegen eine Fußgängerzone Bocksgasse aus. Zuvor erreicht die SPD-Fraktion mit 2730 Unterschriften, dass das Thema noch einmal auf die Tagesordnung des Gemeinderats kommt. Die Realisierung ist Geschichte, wie der Umbau des Gmünder Marktplatzes zur Fußgängerzone, die 1984 eröffnet wird.

Bei der „Gmünder Art“ bringt das Ehepaar Stütz diese Entwicklung in Erinnerung und will, „dass die Menschen sensibel bleiben für das Thema, das sich jetzt auf Grün in der Innenstadt fokussiert.

Michael Stütz ist dabei, die Entwicklung der Fußgängerzonen in Gmünd mit weiteren Details auszuschmücken. Wer weitere Infos hat, kann sie gerne per E-Mail an ihn senden, die Adresse lautet stuetzmi@t-online.de.

Die Gmünder Bocksgasse.
Die Gmünder Bocksgasse. © Tom

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