Gmünder Hotels fehlen Geschäftsleute und Touristen

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Gmünder Hotels – wie das Hotel Fortuna (rechts vorne) oder das Hotel am Remspark (links) – dürfen ab Samstag wieder Urlauber aufnehmen. Doch die Nachfrage ist noch verhalten.
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Urlauber dürfen wieder in Hotels, Ferienwohnungen und auf Campingplätzen übernachten. Doch Gmünder Hotels leben vor allem von Geschäftskunden. 

Schwäbisch Gmünd

Touristen dürfen ab Samstag wieder in Hotels und Pensionen im Ostalbkreis übernachten – doch die Euphorie bleibt bei Gmünder Hoteliers aus. Denn sie leben hauptsächlich von Geschäftsreisenden, die sie ja auch bei höheren Inzidenzwerten beherbergen durften. Geschäftsführerin Doris Schulz schätzt, dass im Hotel Fortuna vor Corona 80 Prozent Geschäftskunden und 20 Prozent Urlauber übernachtet haben. Im Sommer sei das Verhältnis etwa 70 zu 30.

Aktuell beherbergt das Hotel Fortuna am Hauberweg, das insgesamt 170 Zimmer hat, etwa 15 Gäste. In den vergangenen Wochen seien es 30 bis 40 pro Nacht gewesen. Die Unternehmen forderten wegen Corona so wenig wie möglich Externe an, erklärt Doris Schulz die gesunkene Nachfrage. Schulungen und Konferenzen liefen vorwiegend online. Es seien nur noch Monteure da, die ausschließlich vor Ort arbeiten können. Es werde sicher eine Weile dauern, bis sich an der Situation etwas ändere, meint sie, doch „es wird bestimmt nicht mehr so, wie es vorher war“.

Für Sommer und Herbst habe sie ein paar Reservierungen vorliegen, etwa von Schulungsteilnehmern oder Privatleuten, die zu einer Familienfeier wollen. Ob die Veranstaltungen stattfinden dürfen, sei noch offen. Daher können die Leute die Reservierungen kurzfristig kostenlos stornieren, sagt sie.

Schwäbisch Gmünd brauche besondere Veranstaltungen wie etwa die Gartenschauen, um Übernachtungsgäste anzulocken. Aber auch während des Festivals Europäische Kirchenmusik, der Altersgenossenfeste oder des Guggenmusiktreffens seien etliche Übernachtungsgäste da – so sie denn stattfinden.

Sobald wieder mehr Leute kommen, kehrten die Hotelmitarbeiter, die derzeit zwischen 50 und 100 Prozent in Kurzarbeit seien, an ihre Arbeitsstellen zurück. 35 Mitarbeiter sind im Hotel Fortuna beschäftigt, inklusive Teilzeitkräften, Aushilfen und drei Auszubildenden. Junge Leute zu finden, die sich in der Gastronomie und Hotellerie ausbilden lassen, sei aktuell sehr schwer. „Bei der unsicheren Lage kann ich das gut verstehen“, meint Doris Schulz. Derzeit funktioniere der Betrieb nur, weil der Inhaber was zuschieße.

Gmünd „keine Touristenstadt“

Dass sich das Hotel Einhorn in der Rinderbacher Gasse über Wasser halten kann, erklärt Betreiber Dr. Dieter Streit damit, dass es ein kleines inhabergeführtes Haus ist. 18 Zimmer gibt es in dem Hotel. Auch er schätzt das Verhältnis von Geschäftskunden zu Touristen in normalen Zeiten auf 80 zu 20. „Gmünd ist keine Touristenstadt“, erklärt er, weshalb er nicht davon ausgeht, dass sich ab Samstag viel ändern wird. Entsprechend habe er derzeit auch kaum Anfragen.

Seit der Corona-Pandemie verzeichne er 80 bis 90 Prozent Einbußen. Zumal die Preise für die Versicherungen, den Strom und andere laufende Kosten in den vergangenen Jahren ständig gestiegen seien. Nur die Übernachtungspreise seien annähernd gleich geblieben. Derzeit versuchten die Gäste eher noch, diese runter zu handeln. Wie lange geht das noch gut? „Wir halten durch“, antwortet Dieter Streit.

„Wir sind stabil“, erklärt auch der Manager des Hotels am Remspark, Benjamin Schöll. Wobei das Hotel mit einer Auslastung der 105 Zimmer von aktuell 25 bis 40 Prozent auf Dauer „nicht überlebensfähig“ sei. Viele Unternehmen hätten Reiseverbot verhängt. So habe er die Übernachtungspreise gesenkt, damit auch Monteure im Hotel am Remspark übernachten.

Die Nachfrage von Touristen sei noch sehr verhalten. Daher habe das Hotelteam das im August eingeführte Heimatliebe-Arrangement verlängert: Gäste, deren Postleitzahl mit 73 beginnt, bezahlen 100 Euro pro Person im Doppelzimmer inklusive Frühstück und Drei-Gänge-Menü. Er hoffe, dass dies so gut angenommen wird wie im vergangenen Jahr. Nun müssen Gäste ohne Genesenen- oder Impfnachweis alle drei Tage einen negativen Coronatest vorlegen. Doch länger als zwei Nächte blieben Urlauber in der Regel ohnehin nicht in Schwäbisch Gmünd.

Es wird bestimmt nicht mehr so, wie es vorher war.“

Doris Schulz, Geschäftsführerin im Hotel Fortuna

Die Rooftop-Bar-Saison startet am 3. Juni

Die Dachterrassen-Saison auf dem Hotel am Remspark startet am Donnerstag, 3. Juni, gibt Hotelmanager Benjamin Schöll bekannt. Eigentlich hätte die Rooftop-Bar am Samstag, 29. Mai, eröffnen sollen. Als dann aber die Inzidenz im Ostalbkreis an Pfingsten auf über 100 gestiegen sei, habe er die Warenbestellungen storniert. Dass die Feiertage die Zählung der nötigen fünf Werktage am Stück unter 100 nicht unterbrechen, war zu dem Zeitpunkt noch unklar. „Das ist sehr ärgerlich“, sagt Benjamin Schöll, „wir hatten für Samstag schon 73 Reservierungen“. Nun müsse er den Leuen absagen und sie auf kommende Woche vertrösten.
In der Rooftop-Bar werde es eine erweiterte Speisekarte geben. Bei schlechtem Wetter können die Gäste ins Restaurant Hi Charles. Das reguläre À-la-carte-Geschäft im Restaurant werde erst starten, wenn wirklich ganz sicher ist, dass die Gastronomie nicht wieder wegen steigender Inzidenzen schließen muss. Er gehe derzeit von der ersten Juli-Woche aus. jul

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