Gmünder sagen der EU die Meinung

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Die beteiligten Schüler mit Doris Pfleiderer und dem Schulleiter des Parler-Gymnasiums, Thomas Eich (rechts).
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Bürger in den Mittelpunkt rücken – Gmünd hat den ersten Beitrag für das gemeinsame Projekt acht europäischer Städte abgeschlossen.

Schwäbisch Gmünd

Ihre Meinung zu Europa sollten und wollten in den vergangenen Tagen viele Gmünder sagen. Mehrfach tauchte dabei die Kritik auf, die EU sei zu bürgerfern. Die Europa-Verantwortlichen werden diese Gmünder Ansichten auch zu hören bekommen, denn die Befragung ist Teil eines EU-Projekts.

Welche Stärken hat Europa, was sollte in der Europäischen Union (EU) anders werden? Solche Fragen stellten Schüler des Parler-Gymnasiums in den vergangenen Tagen immer und immer wieder. Sie interviewten 25 Gmünder, fragten sie nach ihrer Meinung zur EU. Die Interviews sind der erste Teil von Gmünds Beitrag zum Projekt RECIT (Re-discovering Europe by feeling European citizens again, übersetzt etwa: Europa wiederentdecken, indem man sich wieder als Europäer fühlt).

Das von der EU initiierte Projekt soll Menschen Europas wieder mehr in den Mittelpunkt rücken, erläutert Katharina Aubele, Leiterin der Stabsstelle Internationalität der Gmünder Stadtverwaltung im Gespräch mit der Gmünder Tagespost den Sinn. Und dazu sollen die Bürger ihre Meinung zu Europa sagen – nicht nur die Gmünder. Acht europäische Städte arbeiten zusammen an RECIT: neben Gmünd Bergerac in Frankreich, Talavera in Spanien, Temesvar in Rumänien, Daugavpils in Lettland, Boleslawiec in Polen, Byala in Rumänien – und nicht zuletzt Gmünds italienische Partnerstadt Faenza. Die hatte sich um die Durchführung des Projekts beworben und den Zuschlag bekommen – auch deshalb, weil die Stadt vor 50 Jahren mit dem Europapreis ausgezeichnet wurde. Im dortigen Rathaus laufen die Fäden von RECIT zusammen.

Erster Teil des Projekts sind die Interviews, die in allen acht Städten geführt wurden. In Gmünd haben das Schüler des Parler-Gymnasiums unter Leitung von Dr. Doris Pfleiderer übernommen. 25 Interviews führten sie und zeichneten alle auf Video auf. Parler-Lehrer Hendrik Schulz übernahm die technische Seite der Aufgabe.

Der Jüngste war 15

Weitaus mehr Menschen hatten sich zu einer solchen Befragung bereit erklärt, sagt Aubele. Aber das hätte den Rahmen gesprengt, denn die Gmünder Video-Interviews werden mit Aufnahmen aus den anderen beteiligten Städten zu einem Film zusammengefügt. Deshalb mussten die Gespräche auch in englischer Sprache ablaufen. "Ich war baff, wie toll die Schüler englisch gesprochen haben", meint Katharina Aubele.

Ich war baff.

Katharina Aubele, Stabsstelle Internationalität

Befragt wurden Schüler, Lehrer, Gemeinderäte und Bürger. Der jüngste Teilnehmer war 15 Jahre alt, der älteste weit über 70, berichtet Aubele. Dementsprechend breit war auch das Sprektrum der Meinungen in den Gesprächen. Mehrere Befragte, sagt Katharina Aubele, sahen Europa als zu bürgerfern. Die europäische Außenpolitik gefällt auch nicht allen. Schwachpunkt sei oft, dass die EU nicht mit einer Stimme spreche. Eine Schülerin sagte, sie finde es verantwortungslos, dass die EU mit ihren Agrarsubventionen die Märkte in anderen Ländern kaputt mache. Auch die Bürokratie mit ihren vielen Regulierungen wurde kritisiert.

Wer bei diesen 25 Interviews nicht zum Zuge kam oder wegen der Fremdsprachen-Barriere vor einer Teilnahme zurückschreckte, soll Europa dennoch die Meinung sagen können, beruhigt Aubele: Demnächst werde auf der Internet-Seite des Projekts (rediscoveringeurope.eu) eine solche Befragung gestartet, an der alle Interessierten teilnehmen können – auf deutsch.

Film über den Film

Der Film mit den Interviews aus allen Städten wird natürlich auch in Gmünd gezeigt werden. Vorher schon präsentieren die Mitglieder der Parler-Schülermitverwaltung und anderen beteiligten Schüler ein "Making of", also ein Video über das Zustandekommen des Videos. Es soll, wenn es fertig ist, in einer Gemeinderatssitzung gezeigt werden, sagt Katharina Aubele.

RECIT soll bis Mitte 2020 gehen. Ein Höhepunkt wird der März 2020 sein: Dann, so ist es geplant, treffen sich in Gmünd mehr als 120 Schüler aus den beteiligten Städten, um in der Rolle von EU-Abgeordneten über europäische Themen zu diskutieren – und um sich jenseits aller Rollen kennenzulernen.

Mehr Infos zu dem Projekt im Internet auf der Seite www.rediscoveringeurope.eu.

Die Videoaufnahmen in der Parler-Bibliothek.

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