Gmünder Theologe Manfred Köhnlein ist gestorben

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Prof. Manfred Köhnlein ist gestorben.
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Der Mensch stand für ihn im Mittelpunkt: Prof. Dr. Manfred Köhnlein ist im Alter von 85 Jahren nach langer Krankheit gestorben.

Schwäbisch Gmünd. Jetzt, wo hunderttausende Menschen in Europa auf der Flucht sind, wäre er aktiv geworden, hätte zumindest sein Wort erhoben. Doch Prof. Dr. Manfred Köhnlein ist kurz vor seinem 86. Geburtstag nach langer Krankheit gestorben.

Köhnlein war immer ein Mann klarer Worte und unbequem, ob als Theologe oder als Kommunalpolitiker. Er trennte beides nicht, sein kommunalpolitisches Engagement war geprägt von seinem christlichen Verständnis. Die Stationierung der Pershing-II-Rakten in Gmünd und Mutlangen bewegte ihn dazu, der Christlichen Arbeitsgemeinschaft Frieden beizutragen und sich 1984 um ein Mandat für die Grünen im Gemeinderat und Kreistag zu bewerben. Eine Wahlperiode lang gehörte er dem Gmünder Stadtparlament an, seine geschliffenen Wortbeiträge nutzte er oft als spitze Klinge, um Fehlentwicklungen wie Waldsterben und Flächenverbrauch „aufzuspießen“. In den neunziger Jahren gehörte er eine zweite Periode lang dem Gemeinderat an.

Die Kriegs- und Nachkriegsjahre, in denen er seinen Geburtsort Stuttgart in Trümmern liegen sah, waren die erste Prägung für Manfred Köhnlein. Genauso wie nach dem Krieg die stückweise Aufdeckung der Gräuel des Nazi-Regimes – und das Schweigen seiner Lehrer dazu. Aus diesem Wissen ist sein vielfältiges Engagement zu erklären, das die Gmünder erlebten, nachdem der evangelische Theologe 1970 an die Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd gekommen war. Über 30 Jahre vermittelte er dort Theologie. Daneben engagierte er sich in vielen kirchlichen Gremien, war Kirchengemeinderat in Waldstetten und Rechberg, Synodaler im Kirchenbezirk, Studentenpfarrer und Gefangenenbetreuer in Gotteszell. Zusammen mit seiner Frau Ulrike war er für die Hilfsorganisation „terre des hommes“ aktiv.

Für Flüchtlinge

Hilfebedürftige standen für ihn stets im Mittelpunkt seines Tuns. Er war Mitinitiator der Gmünder Flüchtlingshilfe und Gründungsmitglied des Arbeitskreises Asyl Baden-Württemberg. Denn am Christentum war ihm stets die Eigeninitiative ganz wichtig. „Die Kirche besteht nicht aus den Oberen, sondern aus dem Mut ihrer Basis“, sagte er einmal. Seine Frau und er führten zuhause in Rechberg ein „offenes Haus“, in dem vor allem jugendliche Asylbewerber längere Zeit wohnen konnten. Vielen Lesern der Gmünder Tagespost ist noch die Aktion „Hilfe für Gerti“ in Erinnerung, die er anstieß. Damit gelang es, einem kleinen albanischen Jungen eine lebensrettende Operation zu finanzieren. GT-Leser halfen auch, als Manfred Köhnlein sein Engagement für behinderte Menschen intensivierte und zur Unterstützung der Gmünder Lebenshilfe die Stiftung Sterntaler ins Leben rief. Bis 2013 saß er im Beirat der Gmünder Lebenshilfe. Neben all den sozialen Aktivitäten blieb auch der Theologe nicht untätig. Immer wieder pflegte er Verbindungen zum Judentum. Zu seinen Bekannten gehört der jüdische Maler Jehuda Bacon. Der illustrierte die Buchreihe, in der Köhnlein das Leben Jesu aus der Bibel in die heutige Sprache übersetzte.

Für sein Engagement wurde Manfred Köhnlein vielfach geehrt. Ein besonders markantes Beispiel: Zusammen mit seiner Frau wurde er an seinem 80. Geburtstag mit dem Gmünder Preis für Bürgercourage ausgezeichnet. ⋌Wolfgang Fischer

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