Gmünds Geschichte hat noch Neuigkeiten zu bieten

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Dr. Niklas Konzen Stadtarchivar
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Der neue Leiter des Gmünder Stadtarchivs, Dr. Niklas Konzen, tritt an diesem Mittwoch sein Amt an. Was er vorhat.

Schwäbisch Gmünd

Was brachte Gmünd im Mittelalter in den Schwäbischen Städtebund ein? Und wie wirkte sich die Ansiedlung der Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Stadt aus? Das sind nur zwei der Themen, die der neue Gmünder Stadtarchivar Dr. Niklas Konzen genauer untersuchen möchte und aus denen er sich auch bisher noch nicht bekannte Erkenntnisse erhofft. An diesem Dienstag tritt Konzen sein Amt an.

Zum Abschluss seines Studiums schrieb Konzen eine Doktorarbeit. Ihr Thema: Hans von Rechberg. Der Adlige, dessen Hauptbeschäftigung es war, Fehden zu führen, lebte etwa von 1410 bis 1464. Er stammte zwar vom Rechberg, baute sich jedoch eine Burg im Schwarzwaldort Schramberg. So schließt sich der Kreis, denn in Schramberg wuchs der geschichtsinteressierte Niklas Konzen auf. Und die Burg weckte sein Interesse für die Geschichte. „Und nun bin ich an seiner Wirkungsstätte“, stellt der Historiker fest.

Auch um sich gegen Raubritter wie Hans von Rechberg zu wehren, schlossen sich freie Reichsstädte im Mittelalter zum Schwäbischen Städtebund zusammen. Gmünd gehörte dazu. Die Reichsstädte waren damals nicht dem örtlichen Adel unterworfen, „es war wie eine autonome Stadtrepublik“, schildert Niklas Konzen den damaligen Status Gmünds. Das sei eine hochinteressante Situation gewesen und das Gmünder Archiv berge noch interessante Bestände aus jener Zeit. Übrigens schätzt der Archivleiter, dass Gmünd damals von der Bedeutung her etwa im Mittelfeld der im Bund zusammengeschlossenen Städte lag.

Einladung zur Geschichte

Die Staufer, auf die Gmünd seinen Ursprung zurückführt, seien ebenfalls ein sehr interessantes Thema - allerdings eher für die Vermittlung von Geschichtswissen. Sensationelle neue Entdeckungen aus der Stauferzeit seien nicht mehr zu erwarten.

Bei der Vermittlung von Stadtgeschichte möchte Niklas Konzen an seinen Vorgänger David Schnur anknüpfen und das Stadtarchiv weiter öffnen. Er möchte die Menschen „einladen, sich im Archiv mit der Stadtgeschichte auseinanderzusetzen“. Schülerführungen sollen schon Kinder und Jugendliche ans Archiv heranführen, mit der Pädagogischen Hochschule hat er bereits erste Kontakte für gemeinsame Projekte geknüpft. Auch für den Internet-Blog Ostalbum der Kommunalarchive im Gmünder Raum hat Konzen schon erste Beiträge geschrieben. Er wolle mehr Wissen digital verbreiten, aber auch das gedruckte Wort habe weiterhin seine Berechtigung.

Sammlung Ost übernehmen?

Konzen möchte auch nach neuen Erkenntnissen zur Gmünder Geschichte forschen. Die erhofft er sich zum Beispiel aus den Protokollen von Treffen des Schwäbischen Städtebunds. Neuigkeiten könnte es seiner Ansicht nach aber ebenso noch über die Ansiedlung der Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg in Gmünd geben. Gespräche gebe es bereits darüber, ob das Gmünder Stadtarchiv die Bestände der „Sammlung Osten“ im Unipark, in der Dokumente über Vertreibung, Flucht und Eingliederung gesammelt sind, übernimmt. Als epochenübergreifendes Forschungsthema kann sich Konzen die Geschichte der Migration aus und nach Gmünd vorstellen.

Weiterhin wird es die gemeinsam mit dem Geschichtsverein veranstalteten Vorträge geben. Niklas Konzen spricht dabei am 22. Januar auch selbst. Thema: die adlige Städtefeindlichkeit im 15. Jahrhundert.

Rathaussprecher Markus Herrmann zeigt sich froh darüber, dass die Stadt einen Archivleiter gefunden hat, der das für Gmünd wichtige Wissen über das Mittelalter mitbringe und auch thematisch bereits eine Verbindung habe.

„Gmünds Bedeutung lag etwa im Mittelfeld.“

Dr. Niklas Konzen, über die freie Reichsstadt
  • Der neue Hüter der Stadtgeschichte
  • Dr. Niklas Konzen, der neue Leiter des Gmünder Stadtarchivs, ist 43 Jahre alt. Er wurde in Luxemburg geboren und kam als Kind mit seinen Eltern in den Schwarzwald. Konzen hat Geschichte, Anglistik und Politikwissenschaft an der Universität Tübingen studiert. Dort und an der Uni Stuttgart war er als Dozent tätig, außerdem als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Erschließungsprojekt am Landesmuseum Württemberg/Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Danach betreute er das Archiv des Waiblinger Unternehmens Stihl. Seit 2016 bis jetzt war er als Dozent an der Archivschule Marburg in der Ausbildung von Archivarinnen und Archivaren tätig .

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