Gmünds Handel will nicht an jedem Sonntag öffnen

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Drei bis vier verkaufsoffene Sonntage befürworten die HGV-Vorstände Andreas Schoell (links) und Martin Röttele. Jeden Sonntag zu öffnen, wie vom Handelsverband Deutschland vorgeschlagen, können sie sich nicht vorstellen.
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Handels- und Gewerbeverein HGV ist für vier verkaufsoffene Sonntag im Jahr und für mehr Freiheit. Kirchen betonen Schutz des Sonntags.

Schwäbisch Gmünd

Der Vorschlag des Handelsverbands Deutschland, dass Händler bis zum Jahresende auch sonntags öffnen dürfen, findet in Schwäbisch Gmünd wenig Zustimmung. Martin Röttele und Andreas Schoell vom Vorstand des Gmünder Handels- und Gewerbevereins HGV begrüßten im GT-Gespräch zwar das Engagement des Handelsverband, sind jedoch nicht für eine Öffnung an jedem Sonntag. Drei bis vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr können sich die HGV-Vorstände vorstellen, in diesem Jahr zwei nach dem Sommer.

Der Handelsverband hatte Anfang der Woche und etwa drei Monate vor der Bundestagswahl die Politik aufgefordert, dem Einzelhandel mehr Rechtssicherheit für gelegentliche Sonntagsöffnungen zu geben. Das Thema müsse enttabuisiert werden. Denn Einkaufen sei Teil der Freizeitgestaltung wie ein Restaurant- oder Museumsbesuch. Gleichzeitig forderte der Verband, dass Händler zum Ausgleich des langen Lockdowns für den Rest des Jahres jeden Sonntag öffnen dürfen.

Dies wollen Röttele und Schoell aber gar nicht. Für die drei bis vier verkaufsoffene Sonntage jedoch, die sich vorstellen können, wünschen sie sich weniger organisatorische Hürden. Denn bislang sind solche verkaufsoffenen Sonntage an Traditionsveranstaltungen wie den Pferdemarkt gebunden. Hier wünschen sie sich mehr Freiheit, dass Ladenöffnungen auch parallel zu einem einfachen Fest möglich sind. Ein weiterer Aspekt ist für Schoell die „hohe Belastung für die Mitarbeiter“. Denn der Sonntag gehöre eigentlich der Familie. Vielleicht entgegne da nun der eine oder andere, die Mitarbeiter hätten nun lange frei gehabt. So aber nimmt Schoell seine Angestellten nicht wahr. Für sie sei Corona am Ende eine Belastung gewesen, auch aufgrund finanzieller Einbußen. Heute erlebt er seine Mitarbeiter zufrieden. Sie hätten Freude an ihrer Arbeit. Dass der Verkauf nach dem Lockdown „sehr gut“ angelaufen sei, bestätigen beide. Die Kunden hätten einen „gewissen Nachholbedarf“ und seien dankbar für die Beratung, sagt Röttele. Diese habe vielen gefehlt und werde gut in Anspruch genommen. Viele Kunden würden deutlich formulieren, dass sie den örtlichen Handel unterstützen wollen.

Jeden Sonntag zu öffnen, dies sei für kleine, inhabergeführte Geschäfte nicht machbar, sagt Kirsten Markowetz für die „Seitengässler“. Denn dann würden diese Inhaber kleiner Geschäfte in Gmünds kleineren Gassen von Montag bis Sonntag selbst im Laden stehen oder immens hohe Personalkosten haben. Sonntags zu öffnen, sei maximal einmal im Monat möglich, sagt Markowetz. Zudem werde Frauen, die vorwiegend im Handel arbeiteten und womöglich kleine Kinder zu betreuen hätten, das Wochenende mit der Familie genommen. Insgesamt glauben die „Seitengässler“ nicht, dass mit verkaufsoffenen Sonntagen mehr eingekauft wird. Der Einkauf würde sich nur umverteilen, der Bedarf bleibe der gleiche. Einen verkaufsoffenen Sonntag vor der Sommerpause aber könnten sich die „Seitengässler“ noch gut vorstellen.

Was die Kirchen zum Sonntagsverkauf sagen

Gmünds evangelische Dekanin Ursula Richter lehnt regelmäßige Öffnungen des Handels an Sonntagen ab. Sie könne sich nicht vorstellen, dass dies die Pandemiefolgen auffängt. Betroffen seien von Öffnungen oft Familienbetriebe, und Sonntage seien Familienzeit. Nicht zuletzt nannte Richter ein theologisches Argument: dass es in der Woche einen Tag für Besinnung und gemeinsames Leben brauche.
Diese Haltung teilt der katholische Dekan Robert Kloker. Er sei sehr zurückhaltend, wenn es um verkaufsoffene Sonntage geht. Denn der Schutz des Sonntags sei ein hohes Gut. Er sehe sich da eher auf der Seite der Gewerkschaften, sagt Kloker. Zumal er bezweifle, dass das wirtschaftliche Argument so durchschlagend sei. mil

Die Kunden sind dankbar für die Beratung.“

Martin Röttele und Andi Schoell, Handels- und Gewerbeverein HGV

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