Gmünds Klimaschützerin: „Nur Verbote bringen uns nicht weiter“

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Franka Zanek.
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Bis 2035 will Schwäbisch Gmünd klimaneutral sein – wie soll das gehen? Franka Zanek, Gmünds oberste Klimaschützerin, im Interview.

Schwäbisch Gmünd

Ohne Verbote geht es nicht, sagt Franka Zanek, die Leiterin des Amts für Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Bürgerbeteiligung. Aber sie sagt auch: "Nur Verbote bringen uns nicht weiter, wir müssen serviceorientiert denken.“ Im Interview erzählt sie, was sie in Gmünd unternehmen will, um die Stadt in Richtung Klimaneutralität zu steuern.

Klimapolitik besteht aus ganz vielen Zielen, und oft fallen dazu Wörter wie: anspruchsvoll, herausfordernd. Also schwierig. Ist so eine Mammutaufgabe nicht manchmal entmutigend?

Franka Zanek: Nein, ich bin grundsätzlich ein optimistischer Mensch, und ich bin dankbar, diese große Aufgabe in unserer Stadt begleiten zu dürfen – es ist eine der wichtigsten, die wir haben. Aber wir sind entschlossen, unser Bestes dafür zu tun. Ob wir dann alle Ziele erreichen, kann ich auch noch nicht sagen.

Ambitionierte Ziele und Pläne gibt es reichlich in der Klimapolitik – Gmünd will bis 2035 klimaneutral werden. Ist dieses Hochlegen der Latte das richtige Mittel?

Ich finde schon, dadurch ist es doch im Bewusstsein der Menschen und Unternehmen angekommen.

Sind die Gmünder auch schon bereit, dafür alles zu tun?

Das ist heterogen, wie überall. Es gibt Gmünderinnen und Gmünder, die extrem viel tun. Bei anderen muss man vielleicht erst die Idee pflanzen und die Möglichkeiten kommunizieren. Und das versuchen wir auf vielfältige Weise.

Das Ideen pflanzen hilft beim Vorankommen?

Ich bin ein Freund davon, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger zu kommen, sondern Angebot zu formulieren, Begeisterung zu schaffen. Wie wir das bei der Gartenschau geschafft haben, kann dafür Modell stehen.

Sie sagen Angebote – das Gegenteil sind Verbote. Deren Befürworter sagen: ohne geht’s nicht.

Das stimmt auch. Aber besser ist es, wenn ich ein Verbot mache und ein gutes alternatives Angebot gleich mit. Das Thema muss positiv besetzt werden, nur Verbote bringen uns nicht weiter, wir müssen serviceorientiert denken.

Sagen Sie ein Beispiel?

Zum Beispiel bei der Mobilität – so, dass ich den Menschen mit vielen Angeboten ermögliche, zentral in die Stadt zu kommen.

Klimaschutz ist eine weltweite Aufgabe, Gmünd nur eine kleine Stadt. Es gibt den Standpunkt: Was können wir schon ausrichten, wo in China hunderte Kohlekraftwerke laufen?

Ich denke, man muss immer vor seiner eigenen Haustür kehren und hier anfangen etwas zu verändern. Es ist nachgewiesen, dass Kommunen bei der Mobilität und Wärme einen wesentlichen Beitrag leisten können – und an der Schraube müssen wir als Kommune definitiv drehen.

Am 1. Januar hat die neue Klimaschutzmanagerin Chiara Kriz in Ihrem Amt angefangen – was muss sie als erstes anpacken?

Wir möchten in den European Energy Award einsteigen. Das klingt nach Auszeichnung, aber es ist gar nicht das Ziel, da ist der Weg das Ziel. Dieser Award bringt Kommunen in ein energiepolitisches Arbeitsprogramm.

Und die dicksten Brocken sind Mobilität und Wärme, oder?

Absolut. Und das können wir als Amt ja nicht alleine, die Kernaufgabe unseres Amtes ist die Vernetzung: Zu schauen, welche Protagonisten brauchen wir dafür und die an einen Tisch zu holen.

Andere Städte sind in ähnlicher Situationen. Kann man auch von anderen lernen?

Ja, natürlich. Da muss man das Rad nicht immer neu erfinden.

In Tübingen gibt es ab 1. Januar eine Steuer von 50 Cent je Einmalverpackung für Essen und Trinken. SUV-Fahrer sollen höhere Parkgebühren bezahlen. Vorbildhaft?

Vorbildhaft darin, dass ich es immer gut finde, wenn man mal mutig vorangeht.

Der SUV-Aufschlag, die Pappbecher-Steuer – wäre das auch etwas für Gmünd?

Das haben wir aktuell nicht überlegt, ob wir das aufgreifen, es ist aktuell nicht auf dem Arbeitsplan. Aber wie gesagt: Auch mal mutig vorangehen ist gut, und dann merkt auch, dass die Welt nicht untergeht.

Mutig vorangehen bedeutet gleichzeitig, dass man auf Leute trifft, die gegen die Veränderung sind.

Das ist klar, aber das gehört einfach dazu. Manchmal muss man auch etwas durchsetzen; das System passt sich dann auch an und es gibt einen Nutzen.

Das Thema muss positiv besetzt werden."

Franka Zanek, Amt für Klimaschutz

Ein Blick in die Zukunft: Wie sieht der Verkehr in Gmünd 2035 aus?

Das bestimmen wir als Amt ja nicht allein, aber wenn ich's mir wünschen könnte: so, dass für alle Verkehrsteilnehmer gut Platz in dieser Stadt ist, auch für Fußgänger, Radfahrer oder E-Scooter-Fahrer. Dass Mobilitätsformen in dieser Stadt nebeneinander funktionieren. Wir werden hoffentlich mehr Ladesäulen haben, dazu gute Möglichkeiten, die Fahrzeuge auch zu parken. Und ich wünsche mehr Grün in unserer Stadt.

Von der Mobilität zur Wärme: Viele Bürger heizen noch mit Gas und Öl, schaffen das alle bis 2035 nur noch regenerative Energie zu nutzen?

Das kann ich nicht beantworten, es wird mit Sicherheit eine große Herausforderung. Was wir leisten können ist, verstärkte Beratungsangebote zu bieten, um die Gmünder auf dem Weg zu begleiten.

Reden wir vom Strom: Um als Stadt autark zu werden, braucht man ziemlich viele Windräder und Solarflächen.

Ja, wir haben ja jetzt die Planung für den „Solarpark Georgishof“ verabschiedet, das ist ein wichtiger Baustein. Und wir haben auf vielen Privathäusern noch Potenzial. Das ist die Idee hinter dem Solarkataster, mit dem jeder gleich eine Anlage konfigurieren kann und sieht, wieviel Strom kann ich erzeugen und was kostet mich eine Anlage. Darum geht es: Wieviel Service biete ich den Menschen, und wird es für sie einfach, das zu tun. Das gilt überall, zum Beispiel auch beim ÖPNV: Wenn der Service gut ist und es angenehm ist, Bus zu fahren, dann fahre ich auch Bus.

Ums sportlich zu betrachten: Wenn Gmünds Weg zur Klimaneutralität ein 42 Kilometer langer Marathon wäre, bei welcher Kilometer-Marke wären wir gerade?

Das kann ich im Laufe des Jahres sagen, wenn wir die Standortbestimmung über diesen European Energy Award abgeschlossen haben.

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