Gmünds Reisebranche hofft auf Urlaube im Sommer 2021

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Michelle Maier und Oliver Abt vom Gmünder Reisebüro Abt sind nach wie vor für ihre Kunden da: am Telefon oder mit Vorabtermin.
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Viele Kunden wollen gerne verreisen, warten aber ab, weil ihnen die Lage zu unsicher ist. Urlaube im eigenen Land sind mehr gefragt als Flugreisen.

Schwäbisch

Eigentlich dachten sie, es kann nicht schlimmer kommen als 2020. Eigentlich hatten sie ihre Hoffnungen aufs Urlaubsjahr 2021 gesetzt. Doch momentan geht's der Reisebranche fast schlechter als im vergangenen Jahr. Wer 2020 noch einen Urlaub gebucht und dann verschoben, umgebucht oder storniert habe, der versuche es 2021 erst gar nicht mehr, berichten Inhaber von Gmünder Reisebüros. „Die meisten Leute warten ab“, sagt Gabi Dlask vom Reiseland in der Gmünder Postgasse. Die Ungewissheit sei das große Problem, das viele Kunden abschrecke. „Die Leute wollen Urlaube im Sommer, Herbst oder Winter buchen, aber wir wissen ja noch nicht mal, ob wir an Pfingsten verreisen können“, erklärt Gabi Dlask.

Von einer Totalflaute möchte Oliver Abt vom gleichnamigen Reisebüro in der Gmünder Postgasse nicht sprechen. Er habe viele Stammkunden, die sich telefonisch oder per E-Mail informierten oder persönlich mit Termin vorbeikämen. „Aber es ist nur ein Bruchteil des Normalen“, sagt er. Tatsächlich buchten seine Kunden Fernreisen im Herbst, beispielsweise auf die Malediven oder in die Karibik. Reisen auf die Kanaren, nach Portugal und nach Mallorca seien gefragt. Familien wollten gerne Urlaube im eigenen Land buchen, erklärt Gabi Dlask, beispielsweise an der Nord- oder Ostsee. Oder Urlaubsreisen mit dem Auto nach Italien, Österreich oder Frankreich, weil sie sich damit sicherer fühlten. Viele hätten Angst, in ein Flugzeug zu steigen, erklärt Gabi Dlask, obwohl alle Corona-Schnelltests machen müssten, bevor es in den Flieger geht. Seine Stammkunden buchten beispielsweise Kreuzfahrten für 2022, ergänzt Rudolf Stiegele vom gleichnamigen Reisebüro in der Gmünder Ledergasse. Die Urlaubsbuchungen für Mai würden derzeit storniert. Die Kunden wollten in dem Fall ihr Geld zurück und nicht umbuchen. Völlig unverständlich finden es die Reiseexperten, dass Urlaub im eigenen Land nicht möglich ist. Die Hotels hätten gute Hygienekonzepte. In Ferienhäusern hätten Urlauber keinen Kontakt zu anderen.

Die Buchungen selbst seien sehr aufwendig, erzählt Rudolf Stiegele. Zuerst sei da die normale Buchung. Diese müssten die Reiseexperten ständig im Auge behalten, schauen, ob sich etwas ändere, zum Beispiel die Coronalage im Land oder die Flugzeiten. Es folgten oftmals Umbuchungen oder Stornierungen. Dies bestätigt Gabi Dlask. Sie habe beispielsweise Kunden, die eine Wanderreise gebucht haben. Noch sei aber die Mindestteilnehmerzahl nicht erreicht. „Die Kunden sitzen bis zum Schluss wie auf Kohlen“, sagt Gabi Dlask.

Mittlerweile gelte bei vielen Reisen eine kostenlose Stornierung bis kurz vor Urlaubsantritt. Die Kunden im Reisebüro bekämen unter „Meine Reise“ die Möglichkeit, sich online immer über den aktuellen Stand zu informieren, erklärt Rudolf Stiegele, der gleichzeitig dafür wirbt, im Reisebüro und nicht übers Internet zu buchen. Dem schließt sich Oliver Abt an. „Mit Pauschalreisen sind die Kunden zurzeit besser bedient“, findet er. Weil der Kunde im Falle einer Stornierung mehr Rechte habe. Bei Ferienwohnungen rät Abt dazu, einen „vernünftigen Veranstalter“ übers Reisebüro zu wählen, denn bei Ferienwohnungen gelte das Mietrecht und nicht das Reiserecht. Das bedeute: Wenn die Einreise in ein Land wegen der Coronalage nicht möglich sei, heiße das noch nicht automatisch, dass der Kunde das Geld für die Ferienwohnung automatisch zurückerstattet bekommt. Auch bei Linienflügen gestalte sich die Rückerstattung mitunter schwierig.

Die Reisebranche hofft sehr darauf, dass sich das Impftempo erhöht und Reisen im Sommer möglich sind. „Wenn wir in den Sommerferien keine Reisen verkaufen können, lässt sich das im Herbst und Winter nicht nachholen“, erklärt Rudolf Stiegele. Das Geschäft mit den Familien breche dann völlig weg.

Nach wie vor seien die meisten Mitarbeiter in den Gmünder Reisebüros von Kurzarbeit betroffen. Ohne staatliche Überbrückungsgelder wäre den meisten Reisebüros schon die Luft ausgegangen, sagen die Gmünder Reiseexperten. Unbürokratisch, wie es die Politiker nennen, seien diese Hilfen aber keinesfalls, kritisiert Gabi Dlask. Der Dokumentationsaufwand sei immens groß.

Die Kunden sitzen bis zum Schluss wie auf Kohlen.“

Gabi Dlask,, Reiseland

Urlaub 2021 in Deutschland?

46 Prozent der Deutschen will nach einer Umfrage des ADAC im Jahr 2021 kurzfristig oder gar nicht buchen.

65 Prozent können sich besonders einen Urlaub in Deutschland vorstellen.

16 Prozent gehen davon aus, 2021 außerhalb Europas Urlaub zu machen.

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