Greifvögel bremsen Handwerker

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Der Schmiedturm komplett eingerüstet: Im Oktober sollen die notwendigen Sanierungsarbeiten beginnen. Unter anderem muss die westliche Holzfassade erneuert werden. Foto: Tom
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Voraussichtlich im Oktober sollen die notwendigen Sanierungsarbeiten am Schmiedturm beginnen. Kosten voraussichtlich 110 000 Euro.

Schwäbisch Gmünd

Eine Greifvogelfamilie hat erfolgreich verhindert, dass bisher Arbeiter am Schmiedturm anrücken konnten. Bald soll die notwendige Sanierung des mittelalterlichen Bauwerks aber beginnen.

Seit Ende vergangenen Jahres ist der 32 Meter hohe Turm bis an den Dachreiter von einem Gerüst umzäunt. Das war damals rasch angebracht worden, da Ziegel vom Dach fielen. Das wiederum alarmierte die Gebäudeschützer der Stadtverwaltung und sie nahmen das Bauwerk genauer unter die Lupe. Das Gerüst wurde damals schon aus Schutzgründen aufgebaut, um Passanten vor möglichen herabfallenden Teilen zu schützen.

Das Ergebnis der Prüfung: Die westliche Holzfassade des Schmiedturms muss komplett erneuert werden. Zudem müssen Fenster des Bauwerks saniert werden, außerdem entdeckten die Fachleute defekte Ziegel.

In Abstimmung mit dem Denkmalamt wurde geklärt, wie diese Schäden zu sanieren sind, ohne die historische Bausubstanz zu sehr zu beeinträchtigen. Die Arbeiten wurden im März ausgeschrieben. Doch die Greifvolegfamilie verhinderte, dass die Handwerker zeitnah mit ihrer Arbeit beginnen konnten. „Bisher war nur eine Notsicherung möglich“, sagt Rathaussprecher Markus Herrmann auf Anfrage der Gmünder Tagespost. Derzeit würden die letzten Aufträge vergeben, voraussichtlich in der letzten Oktoberwoche sollen die Arbeiten am Turm beginnen und vor Weihnachten abgeschlossen werden. Die Sanierung wird voraussichtlich rund 110 000 Euro kosten. Diese Kosten muss die Stadtverwaltung komplett selbst tragen, sagt Herrmann.

Kontrolle im Osten

Der Schmiedturm hat fürs Gmünder Stadtbild und die Geschichte der Stadt große Bedeutung. Er gehört zu den ältesten Gebäuden der Stadt. Gebaut wurde er vor 1350, also zumindest in der Zeit, in der auch mit den Arbeiten am Heilig-Kreuz-Münster begonnen wurden. An manchen Quadersteinen des Turms fanden sich auch gleiche Steinmetzzeichen wie am Münster. 1498 wurde der heute bestehende Turm gebaut und um ein Geschoss aufgestockt, in dem die Türmerwohnung untergebracht worden war. Der Schmiedturm am Ende der beiden Schmiedgassen war Teil der mittelalterlichen Befestigung der freien Reichsstadt, von dort aus wurde der Zugang zur Stadt von Osten her kontrolliert.

Mittelalterlicher Turm voller Elektronik

Im Schmiedturm ist ein Museum mit Werken des Gmünder Elektronik-Künstlers Walter Giers untergebracht. Dort hat Giers drei Jahrzehnte lang seine kreative Arbeit geleistet, viele seiner Werke sind auf den fünf Geschossen im Innern zu sehen. Walter Giers war 2016 im Alter von 79 Jahren in Gmünd gestorben, wo er seit 1960 gelebt und gewirkt hatte. Derzeit sind Werke von Giers in einer Ausstellung im Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe zu sehen. Das Museum im Schmiedturm wird von der Familie Giers verwaltet.

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