Griff zur Flasche wegen Corona?

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Wenige soziale Kontakte und viel Zeit zu Hause steigern die Gefahr von Alkoholismus. Suchtberater berichten von der aktuellen Situation.

Schwäbisch Gmünd

Die Corona-Pandemie bringt so manches mit sich: wenige soziale Kontakte, viel Zeit zu Hause, bis vor Kurzem auch geschlossene Kneipen und Bars. Sind das riskante Faktoren für alkoholkranke Menschen? "Das birgt auf jeden Fall Gefahr", meint Monika Mayer, Leiterin der Suchthilfe der Caritas Ostwürttemberg. Gerade deshalb sind sie und ihre Kollegen sowie Nikolas Danzinger und sein Team von der Diakonie Ostalbkreis im Einsatz, um für Menschen mit Suchtkrankheiten da zu sein.

"Das Wichtigste ist, in Kontakt zu bleiben", erklärt Danzinger. Die Suchtberatungsstellen blieben von der Pandemie nicht verschont und auch dort gab es starke Einschränkungen bei persönlichen Treffen. Um den Kontakt zu den Klienten aufrecht zu halten, mussten sich die Berater also etwas einfallen lassen: Videokonferenzen und Telefonangebote. Diese Möglichkeiten seien vor allem von jüngeren Klienten genutzt worden. Ältere hätten eher um nicht-virtuelle Kontaktangebote gebeten. "Wenn gewünscht, machen wir auch Spaziergänge. Allerdings mit Abstand und nicht in der Stadt", erklärt Danzinger. Diese Angebote seien enorm wichtig bei der Betreuung von Suchtkranken. "Gerade in solch großen Krisen müssen wir Interesse zeigen", sagt Danzinger. Die Berater versuchen stets den Klienten zu vermitteln, dass sie nicht allein sind und es Menschen gibt, denen die Betroffenen nicht egal sind.

Anrufen ist ein großer Schritt

Ähnlich gehen Monika Mayer und ihre Mitarbeiter vor. "Wir sind von morgens bis abends erreichbar." Sei es per Mail, telefonisch oder im Videochat – wer die Hilfe der Caritas-Suchtberatung braucht, der könne die Berater erreichen. Und soll das auch tun: "Anrufen ist schon ein großer Schritt." Haben Einzelne das Gefühl, in eine Sucht abzurutschen, müsse man so früh wie möglich reagieren. Eine offene Kommunikation sei sehr wichtig und helfe dabei, Rückfälle zu verhindern. Danzinger stimmt ihr zu: "Das A und O ist, so offen wie möglich darüber zu reden." Das Thema im engen Freundeskreis anzusprechen, sei ebenfalls ein Schritt in die richtige Richtung. "Ist das nicht möglich, können sich Betroffene an Suchtberatungsstellen wenden." Die Gespräche dort verlaufen anonym und vertraulich.

Das A und O ist, so offen wie möglich darüber zu reden.

Nikolas Danzinger, Suchtberater

Besonders für chronisch Abhängige und Alleinstehende sieht Mayer die Gefahr für Rückfälle. Ebenso könne sie sich vorstellen, dass Einzelne, deren Konsum vor der Pandemie schon riskant war, nun vermehrt zur Flasche greifen könnten. Sie empfiehlt daher, außer darüber offen zu reden, gesunde Alternativen für das Laster zu suchen. "Sachen machen, die gut tun", zum Beispiel in die Natur gehen.

Dass das zur Zeit nicht einfach ist, kann Danzinger verstehen – als Vergleich beschreibt er Klaviertasten. Jede Taste ist eine Aktivität. Fitness, ein Konzert besuchen oder eben einmal ein Bier. Wenn nun der Großteil der "Tasten" wegfällt und nur der Alkohol bleibt, "das ist schwierig", meint er. Er appelliert daher: "Wir arbeiten alle mit Herz und wir wissen, dass es schwer ist." Er möchte die Betroffenen ermutigen. Oft seien mit Süchten Scham und Schuld verbunden, aber "es ist nicht moralisch verwerflich".

Die Suchtberatung der Caritas Ostwürttemberg telefonisch unter der Nummer (07171) 1042020 zu erreichen oder online auf der Homepage caritas-ost-wuerttemberg.de zu erreichen. Die Suchtberatungsstelle der Diakonie Ostalbkreis ist telefonisch unter der (07171) 104 684 0 zu erreichen oder online auf der Homepage diakonie-ostalbkreis.de

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