Große Sorge um stark belastete Schulkinder

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Große Sorge um stark belastete Schulkinder
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Mädchen und Jungs sind gefrustet und verängstigt. Therapeutische Hilfen fehlen.

Schwäbisch Gmünd. 25 bis 30 Prozent der Schüler in Gmünd weisen aufgrund der Corona-Pandemie Lernlücken auf. Das sagt Daniela Maschka-Dengler, geschäftsführende Schulleiterin der Gmünder Grund-, Haupt- und Realschulen, am Montag in der Sitzung des Gmünder Integrationsbeirates. Was sie erschüttert: Mehr als einem Viertel der Schüler fehle die Motivation, etwas zu tun. Das wirke sich aufs Lernen und auf die seelische Gesundheit aus. Daniela Maschka-Dengler und Manuela Bittner, Einrichtungsleiterin des Gmünder Canisius-Hauses, geben einen Überblick.

Die Auswirkungen der Pandemie seien unabhängig vom Migrationsstatus. Schüler aus sozial schwachen Familien seien sehr stark belastet. Womit die Schüler zu kämpfen haben: Versagensängste, Prüfungsängste, Zukunftsängste, Frust. Viele Schüler litten an Schlafstörungen oder spielten zu viel am Computer. Manche hätten große Angst vor Ansteckung.

„Die Schulen sind zwar offen, aber das Gemeinschaftsgefühl fehlt“, erklärt Manuela Bittner. Die sozial-emotionale Belastung der Schüler sei enorm. Als „bitter“ empfindet es Daniela Maschka-Dengler, dass die Kinder nicht unbeschwert groß werden könnten. Die Spannungen in Familien würden durch die Corona-Lage verstärkt, Konflikte in der Klasse kämen vermehrt vor, Grundschülern fehle jegliche Routine.

Die Schulsozialarbeiter seien eine große Hilfe. Die Zusammenarbeit funktioniere hervorragend, sagen die beiden Frauen. Aber: Nicht jede Schule habe Schulsozialarbeiter. Zudem seien diese mit Einzelgesprächen, Streitschlichtungen und Einzelfallhilfen derart belastet, dass sie keine Zeit mehr für ihre „normale“ Arbeit hätten, beispielsweise Aktionen, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. „Das Netzwerk drumrum bricht zusammen“, erklärt Maschka-Dengler.

Beide Referentinnen beklagen das mangelnde Angebot an Therapieplätzen für Kinder und Jugendliche im Ostalbkreis. „Der Bedarf an sozialer und psychologischer Unterstützung ist stark gestiegen“, sagt Maschka-Dengler. Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold möchte das Schulthema mit in die Sitzung des Sozialausschusses im Januar nehmen. Mithilfe des Corona-Sofortprogrammes könnten eventuell Stellen an Schulen aufgestockt werden, stellt Klaus Arnholdt als Leiter des Gmünder Amtes für Bildung und Sport in Aussicht. Der Mangel an Therapieplätzen könne nicht von jetzt auf gleich gelöst und müsse auf Kreisebene besprochen werden, sagen der Oberbürgermeister und Klaus Arnholdt.

Als „schockierend“ empfindet Integrationsrat Fuad Koldzic den Bericht der beiden Referentinnen. Er fordert alle Mitglieder des Rates auf, das Thema in die Vereine und Verbände zu tragen. Dies wünschen sich auch die Referentinnen. Eltern sollten ermutigt werden, Hilfe anzunehmen. Man müsse den Kindern die Corona-Sorgen nehmen, so gut es gehe, und Zuversicht geben.

Das Impfen sei ein wichtiger Baustein, sagt OB Arnold und wirbt erneut fürs Impfen gegen Corona. Gmünd möchte die Kapazitäten erhöhen. Die Stadtverwaltung suche deshalb nach Ärzten, die sich an der Impfkampagne beteiligen, um noch mehr Termine anbieten zu können.

2022 wird ein neuer Integrationsbeirat gewählt. Von 28 Mitgliedern wollen laut Richard Arnold 18 weitermachen. 14 neue Bewerber gibt's zusätzlich. Integrationsbeauftragter Hermann Gaugele stellt die Vorschlagsliste zusammen, über die der Gemeinderat entscheiden wird. Der neue Rat könnte erstmals am 9. April tagen. Marie Enßle

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