Großer Gmünder Stolz in Stein verewigt

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Vertrautheit und Heimat: Das Heilig-Kreuz-Münster um 1870. Archivfoto: privat
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Doktorarbeit beleuchtet, weshalb rund 3000 Bürger im 14. Jahrhundert die Entscheidung zum Mega-Projekt des Münster-Baus trafen.

Schwäbisch Gmünd

Nicht nur die Gmünder Patrizier, also die Angehörigen der Oberschicht, finanzierten im 14. Jahrhundert den Bau der neuen Pfarrkirche Auch Kaufleute oder Handwerker, Menschen aus allen Teilen der Stadtgemeinschaft beteiligten sich damals finanziell am Entstehen des späteren Heilig-Kreuz-Münsters. Darüber und dass der Einsturz der Münster-Türme am Karfreitag 1497 keineswegs aus heiterem Himmel kam, berichtete die Studentin Nadja Lang am Donnerstag im fast voll besetzten Klösterle-Saal des VHS.

Lang gab damit eine Zwischenbilanz ihrer Doktorarbeit, die sie derzeit am Institut für europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg schreibt. Sie beschäftigt sich darin mit den Rahmenbedingungen, in denen Städte wie Gmünd im Spätmittelalter repräsentative Pfarrkirchen bauten. Der Gmünder Stadtarchivar Dr. Niklas Konzen verglich Gmünd da zum Beispiel mit Ulm: Beides Städte, deren Bürger im 14. Jahrhundert mit spektakulären Bauprojekten ihr Selbstbewusstsein demonstrierten. In Gmünd sollte der Neubau einen nicht einmal 200 Jahre vorher errichteten romanischen Vorgängerbau an gleicher Stelle ersetzen.

Möglicherweise, berichtete Nadja Lang, wurde das spätere Münster ab etwa 1320 um die romanische Kirche herum errichtet. Wer konkret die Verantwortung für den Bau hatte, sei eine der Fragen, die bis heute nicht geklärt seien. Zwar unterstand die neue Kirche dem Domkapitel in Augsburg, doch das Geld kam fast ausschließlich von den Gmünder Bürgern und vom Stadtrat.

Der Einsturz der beiden Türme 1497, die noch vom Vorgängerbau stammten, war ein Einschnitt in die Bau- und die Stadtgeschichte. Probleme mit der Standsicherheit der romanischen Türme waren schon vorher bekannt. Es habe darüber einen Austausch zwischen Gmünd und Esslingen, wo ähnliche Sorgen mit der Turm-Statik bestanden, gegeben. Lang berichtet davon, dass schon vor 1497 Grundlagen geschaffen wurden, um die Glocken der Kirche in den benachbarten heutigen Glockenturm zu hängen.

Nadja Lang fasste ihre bisherigen Erkenntnisse so zusammen: Die aufstrebende Gmünder Bürgerschaft wollte eine spektakuläre Pfarrkirche haben, die Platz bot für viele Altäre, viele Priester und intensiven liturgischen Betrieb. Dank dem Engagement der Parler-Familie als Baumeister bekamen sie einen Bau internationalen Ranges.

Oberbürgermeister Richard Arnold schilderte den Besuchern im fast vollen VHS-Saal die Bedeutung des Münsters für die Gmünder: Es stehe für Vertrautheit und Heimat. Und es gehöre zum Leben: „Jeder von uns hat seine persönlichen, unvergesslichen Münster-Momente.“ Es sei beeindruckend, dass rund 3000 Bürger im 14. Jahrhundert den Entschluss zu einem mächtigen Bauprojekt fassten, von dem sie wussten, dass sie seine Vollendung nicht erleben würden.

Der Leiter des Instituts für europäische Kunstgeschichte, Prof. Dr. Matthias Untermann, erläuterte, dass eine Kirche innerhalb der Stadtmauern, noch dazu eine große Kirche, für Städte im 14. Jahrhundert keine Selbstverständlichkeit waren.

Jeder von uns hat seine Münster-Momente.“

Richard Arnold,, Oberbürgermeister

Die Stiftung Kessler &Co und ihre Ziele

  • Die Stiftung Kessler + Co für Bildung und Kultur aus Abtsgmünd hat diese Doktorarbeit initiiert und fördert sie. Gerhard Schneider als Mitglied des Stiftungsrats stellte den Besuchern des Vortrags die Ziele der 2015 gegründeten Stiftung vor. Sie wolle das reiche kulturelle Kapital der Region fördern.

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