GT-Leserschaft im Kloster-Hospiz

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Kloster-Geschäftsführer Manfred Welzel (links) führte die Besuchergruppe durchs neue Hospiz in Gmünd, Redaktionsleiter Michael Länge (vorne rechts) bedankte sich bei den Tagespost-Lesern für deren Spendenbereitschaft.
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Geschäftsführer Manfred Welzel führt die Gruppe durch die neuen Räume und bedankt sich für die Spendenfreude. Hospiz-Gedanke in die Gmünder Stadtgesellschaft transportiert.

Schwäbisch Gmünd

Für mich wäre nichts schlimmer, als alleine sterben zu müssen. Das sagt Maja Kunz, ehrenamtliche Hospizhelferin der ersten Stunde in Schwäbisch Gmünd. Für sie Antrieb, auch nach vielen Jahren weiter Menschen in ihren letzten Stunden zu begleiten. Sie bringt ihre Erfahrung jetzt im neuen Kloster-Hospiz ein, zählt dort zum Kreis von rund 30 Ehrenamtlichen.

Was Gäste und Angehörige ab 1. September in den neuen Hospiz-Räumen erwarten wird, darüber konnten sich am Sonntag Leserinnen und Leser der Gmünder Tagespost ein Bild machen. Kloster-Geschäftsführer Manfred Welzel führte die Gruppe durch die Anlage, erläuterte das Zusammenspiel von Architektur und angenehmer Geborgenheit, hatte Antworten auf Fragen der Besuchergruppe. GT-Redaktionsleiter Michael Länge dankte bei dieser Gelegenheit der Leserschaft der GT für ihre Spendenbereitschaft. Die GT-Weihnachtsaktion 2020 habe rund 49 000 Euro für das Kloster-Hospiz gebracht – und eine weitere Komponente: Durch die vielen Berichte sei das Thema Hospiz in die Stadtgesellschaft getragen worden, habe die Menschen sensibilisiert und das Thema Sterben enttabuisiert. Manfred Welzel zeigte der Runde, was aus den Spendenmitteln wirklich angeschafft wurde: Es ist die Ausstattung des Gemeinschaftsraums mit langer Tafel, mit Stühlen und einer Küchentheke.

„Ein Hospiz muss defizitär sein“, so der Geschäftsführer. Damit solle sichergestellt werden, dass mit einem Hospiz kein Geld verdient werden kann. Hospize müssten deshalb gemeinnützig betrieben werden. „Am Ende des Jahres bleibt ein Zuschussbedarf von 100 000 bis 200000 Euro“, so Manfred Welzel. Damit komme man nur zurecht, wenn das Anliegen in der Zivilgesellschaft etabliert sei.

Hospiz-Angebote gibt es erst seit 1976. Manfred Welzel erinnerte dabei an die Begründerin der Hospiz-Bewegung, Cicely Saunders, die nach dem Motto gehandelt habe: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“

Um den Menschen im neuen Kloster-Hospiz möglichst viel Leben zu geben, haben die Verantwortlichen um Schwester Benedicta Ewald, Manfred Welzel und Generaloberin Birgitta Kunsch zusammen mit Architekt Heinz M. Springmann viele Details berücksichtigt. „Uns war es wichtig, dass alle acht Zimmer die gleichen Eigenschaften mitbringen. Sie sind nach Süden orientiert, bieten den Blick auf Wiese und Himmel. Jedes Detail ist geplant: Wenn ein Gast das Verlangen nach einer Zigarette hat, ist selbst das möglich, in einem extra Raum, außen an die Anlage angebaut, ganz nach dem Motto, „den Tagen mehr Leben geben“.

Gäste können bei schönem Wetter auch Stunden auf der Terrasse verbringen und für Angehörige ist nicht nur ein Schlafplatz im Zimmer vorhanden, weitere Übernachtungsmöglichkeiten bieten sich im Gästehaus des Klosters an. Für Gäste und Angehörige entstehen im Hospiz keine Kosten. Es brauche, so Manfred Welzel, nur die Anweisung durch den Arzt und die Zustimmung des Gastes. Im Durchschnitt, so der Geschäftsführer auf Nachfrage aus der Reihe der Besuchergruppe, leben die Menschen 21 Tage im Hospiz. Manche kämen spät, seien auch nur wenige Tage da. Und es sind nicht immer sehr alte Menschen. „Sie sind 60, manchmal auch viel jünger.“

Im Vordergrund stehe das Sterben in familiärer Atmosphäre. Das könne zuhause sein oder – wenn es dort nicht mehr zu schaffen ist, im Hospiz.

Der Weg zu den Zimmern streift zwei Innenhöfe, der eine zum Gedenken, der andere zum Entspannen. Im Trauerfall wird im Innenhof eine Kerze entzündet, für die Schwestern ein Zeichen, Verstorbene mit ins Gebet einzuschließen.

Am Ende des Jahres bleibt ein Zuschussbedarf von 100 000 bis 200000 Euro.“

Manfred Welzel, Geschäftsführer

Von den Anfängen zum Kloster-Hospiz

Das Kloster-Hospiz wird ab 1. September bezogen und ist dann eine Einrichtung der Agnes-Philippine-Walter-Stiftung. Diese Stiftung wurde 2007 gegründet, um den Kloster-Gedanken in die Zukunft zu tragen. Agnes-Philippine Walter gründete 1902 eine Gebetsgemeinschaft im Dritten Orden des heiligen Franziskus und war damit Gründerin der Klostergemeinschaft der Franziskanerinnen der ewigen Anbetung.
Aktuell wird rund ums Kloster-Hospiz an den Außenanlagen gearbeitet. Dort können sich auch Baumpaten und Paten für kleinere Gehölze einbringen. Infos dazu und zu weiteren Spenden gibt es auf der Seite www.klosterhospiz.de.

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