„Guggen-Virus“ unterm Narrenbaum

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Die Guggenmusik (im Bild die Gmünder Gassafetza) gehört zur Gmender Fasnet einfach dazu.

Wieso, weshalb, warum? Der Rudo erklärt, was es mit der Guggenmusik und dem traditionellen Narrenbaum auf sich hat.

Schwäbisch Gmünd

Schwäbisch Gmünd ist an diesem Wochenende wieder das Mekka der Guggenmusik. Denn in der Stauferstadt geht das 39. Internationale Guggenmusiktreffen über die Bühne. Rund 20 Guggenkapellen mit über 800 Musikern aus der Schweiz, Liechtenstein und Deutschland treffen sich in Schwäbisch Gmünd zu diesem Event – und in den Gassen und auf den Plätzen, den Gaststätten und Kneipen werden sich wieder tausende Besucher tummeln. Man darf ja noch träumen…

So oder so ähnlich hätte die Ankündigung für das große Schrägton-Event in Schwäbisch Gmünd an diesem Wochenende, 19. und 20. Februar, lauten können. Am Samstag um 11 Uhr wäre es mit dem Umzug zum Stellen des Narrenbaums und dem Empfang der Kapellen auf der Bühne am Johannisplatz gestartet. Guggenmusik wären anschließend durch Stadt und Kneipen gezogen und das Monsterkonzert am Abend hätte die Stimmung zum Kochen gebracht. Und natürlich nicht zu vergessen, der Frühschoppen und die Guggenmusik am Sonntag ab 11 Uhr in der Großsporthalle…

Schwäbisch Gmünd statt Aalen

All das fällt in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie aus. Dabei ist diese Inkarnation der Fröhlichkeit und Ausgelassenheit längst zum festen Bestandteil der Fasnet in Schwäbisch Gmünd geworden ist. Angefangen hat das alles 1984. Wolfgang Pösselt hatte in Basel studiert, die dortige Fasnet und vor allem die Guggenmusik kennen und lieben gelernt, in Aalen die Ostalb Ruasgugga gegründet, und wollte nun in Aalen ein Guggenmusiktreffen organisieren – doch die Aalener hatten kein Interesse, die Gmünder schon. Und so kam es zum ersten internationalen Guggenmusiktreffen in Schwäbisch Gmünd mit zehn Guggengruppen aus dem In- und Ausland. Der „Guggen-Virus“ griff sofort um sich, das Gmünder Guggenmusiktreffen etablierte sich und schon 1985 gründeten sich die „Gmender Gassafetza“ und sind seither ein veritabler Bestandteil desselben.

Heute ist das Gmünder Treffen das größte seiner Art außerhalb des Ursprungsgebiets der Guggenmusik und auch bei den Schweizern und Liechtensteiner Gruppen so beliebt, dass viel mehr Nachfragen in Gmünd eingehen, als die 20 Plätze, die vergeben werden können.

Ein Baum mit Doppelgesicht

Seit 1993 wird zudem traditionell am Guggensamstag auch ein Narrenbaum auf dem Gmünder Marktplatz gepflanzt. Von außerhalb der (ehemaligen) Stadtmauer wird er von einem Kinderumzug nur mit Muskelkraft auf den Marktplatz gezogen – ursprünglich vom Rinderbacher Torturm aus, aus verkehrstechnischen Erwägungen seit 2018 vom Bockstorplatz. Begleitet wird der Umzug von zwei Guggenkapellen, angeführt von den Garden der Gmender Fasnet samt Hofstaat und Prinzenpaar, sowie den Silberglöckle.

Auf dem Marktplatz wird der Baum dann von der erprobten Mannschaft der Freiwillen Feuerwehr Wetzgau traditionsgemäß mit Schwalben aufgerichtet, und anschließend mit Tafeln und Wimpelketten, die den oberen Marktplatz überspannen, geschmückt. Die Spitze ziert ein Doppelgesicht, dessen eine Hälfte, das lachende Silbermännle, auf die Stadt und die Menschen, die andere Hälfte, der grimmige Rudo, auf's Rathaus blickt.

Die Idee, einen Narrenbaum in Schwäbisch Gmünd zu stellen, stammt von Thomas Schwendele und Thomas Krieg, den beiden bekennenden Narren und Vorständen des Altersgenossenvereins 1955, in dessen Reihen er ursprünglich geplant und gebaut wurde, und dessen Mitglieder ihn auch langjährig begleitet haben. Aus diesen Reihen stammt auch die Idee für das Silberglöckle-Kostüm (Kinderkostüm des Silbermännle), und der Nachwuchs des AGV steckte auch anfangs in diesen Kostümen. Als die dann herausgewachsen waren, übergab der AGV Baum und die Tradition an die 1. Gmünder Narrenzunft Hölltalschütz.

Zur Geschichte des Gmünder Baums sei noch erwähnt: Übers Jahr wird er im Bauhof verwahrt. Beim Umzug des Bauhofs aufs Hardt wusste niemand von den damit Beauftragten etwas mit diesem Stamm anzufangen, und so wurde er kurzerhand zersägt. Der Bauhof hat aber Jahrs darauf reumütig für Ersatz gesorgt.

Die Tradition des Narrenbaumsetzens ist in der schwäbisch-alemannischen Fasnet sehr alt, denn einen Baum ohne Wurzeln zu setzen, das machen nur Narren. Der Baum symbolisiert die Freiheit und Herrschaft der Narren. Traditionell wird er am „Schmotzigen Donnerstag“ gepflanzt, in Verbindung mit Rathaussturm und Entmachtung der Bürgermeister.

  • Fasnet-Serie in der Gmünder Tagespost
  • 8. Januar: Fasching - Fasnet - Karneval: Begriffsklärung und Ursprünge

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