Gut heißt: gut verständlich

  • Weitere
    schließen
+
Viele haben an dem Projekt mitgearbeitet, ab jetzt ist er erhältlich: Der neue Stadtführer in einfacher Sprache für Schwäbisch Gmünd ist am Dienstag präsentiert worden.
  • schließen

Es steckt viel Arbeit drin: Ein neuer Stadtführer in leichter Sprache soll Schwäbisch Gmünd attraktiv machen für jede und jeden.

Schwäbisch Gmünd

Wir haben was zu sagen!“, mit diesen Worten eröffnete Erster Bürgermeister Christian Baron das Pressegespräch im Rathaus. Mit einem neuen Stadtführer beweist die „Kommune inklusiv“ wieder einmal, dass dies kein Etikett, sondern im Normalalltag praktisch verankert ist. Denn dieser Stadtführer beschreibt zwei Führungen in einfacher Sprache.

Die beiden Stadtführer Dr. Ute Schütte, Fachlehrerin an der Martinusschule, und Hans Stütz haben gemeinsam den Text entwickelt und von Martinusschülern prüfen lassen. und auch einige als Stadtführer ausgebildet. Viel Erfahrung mit Führungen hat Vanessa Sarsaa, Firat Kajas „Ausbildung“ wurde in der Praxis von Corona ausgebremst. Aber jetzt freuen sich beide auf Führungen, die wieder möglich werden.

Einfache Sprache bedeutet, dass komplizierte Wörter und Satzkonstruktionen verständlich lesbar aufgelöst werden. „Die Sprache ist gut verständlich!“, so Bürgermeister Baron. „Sprache ist dann gut, wenn sie verständlich ist für den Leser.“ Ein weiteres Plus sei, dass nach einer Stadtführung in einfacher Sprache mehr Sätze in Erinnerung bleiben können, da die Botschaft auf den Punkt gebracht wurde.

„Schwäbisch Gmünd entdecken“ ist handlich im Format, passt in die Jackentasche und die Spiralbindung machts praktisch. Auf 82 Seiten, mit vielen Fotos und übersichtlich gegliederten Texten, begleitet die Broschüre Besucher und Besucherinnen durch die Altstadt (Tour 1) und zum „Grünen Band“ (Tour 2) um die Altstadt herum. Wer kennt das nicht? Reiseführer in der Hand und doch fühlt man sich verloren, weil ein wichtiges Stichwort fehlt. Das kann bei diesem Stadtführer nicht passieren, man orientiert sich einfach an den Übersichtskästen im Text. Hier wird klar und deutlich dargestellt, wohin man sich wenden, wohin man schauen soll, um den richtigen Weg zu finden.

Im Führer steckt viel Arbeit von den beiden erfahrenen Stadtführern. Dr. Ute Schütte bildet während des Unterrichts Schülerinnen und Schüler zu Stadtführern aus. Das dauert so ungefähr ein Jahr. Es wird Wissen „gepaukt“, dann vor Ort geübt. Am Ende stehen Stadtführungen mit besonderem Erlebnis, die Teilnehmer und Teilnehmerinnen begeistern, wie Schütte und Stütz berichten. Da war der Rollstuhlfahrer, der seine Gäste bat: „Jetzt müssen Sie mal herhören, ich will was erklären.“ Oder die Gruppe vor dem Rathaus, die alles Wissenswerte gehört hatte und vom Mittagsläuten des Rathaus-Glockenturms überrascht wurde. Der Gästeführer legte eine Hand hinters Ohr und präsentierte zum Geläut eine Tanzeinlage.

Die Martinusschule ist ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum der Stiftung Haus Lindenhof, mit dem Schwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung sowie den Bildungsgängen geistige Entwicklung, Lernen, Grundschule und Hauptschule.

Im Amt für Familie und Soziales hatte Sandra Sanwald ein offenes Ohr für dieses Projekt. Ihr gelang es, die Aktion Mensch mit einzubringen, so dass „Schwäbisch Gmünd entdecken“ in einfacher Sprache gemeinsam mit der Gmünder Touristik & Marketing und dem Einhorn-Verlag umgesetzt werden konnte.

Als zweite Neuigkeit wurde eine Hülle für den Schwerbehinderten-Ausweis vorgestellt. Die grüne Zeile mit der Bezeichnung auf dem Ausweis wird bei der Hülle durch den Text „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“ überdeckt. Ausgedacht hat sich das Hannah Kiesbye. Sie hat das Down-Syndrom, fühlt sich aber nicht schwerbehindert, sondern „schwer-in-Ordnung“. Für diese Hülle wurde die Schleswig-Holsteinerin mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Die Diskussion um diese Ausweishülle habe den Blick auf Menschen mit Behinderung verändert und gezeigt, wie wichtig es sei, auf die Sprache zu achten, so Bundespräsident Walter Steinmeier bei der Ehrung im Jahr 2020.

Info

„Schwäbisch Gmünd entdecken“, 2 Stadtführungen in einfacher Sprache, von Dr. Ute Schütte und Hans Stütz gibt es für 2 Euro im i-Punkt, Marktplatz 37/1, und im Shop des Einhorn-Verlags, Sebaldplatz 1, beide in 73525 Schwäbisch Gmünd

Die Ausweishülle ist bei Vorlage des Schwerbehinderten-Ausweises im i-Punkt am unteren Marktplatz kostenlos erhältlich.

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL