Häuser mit Hoffnung auf Integration

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Die architektonisch mehrfach preisgekrönten Hoffnungshäuser bei ihrer Öffnung mit einem Tag der Begegnung.
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Begeisterte Besucher und Laudatoren sparen beim Tag der Begegnung nicht mit Lob für das Konzept und die Bauweise des auf Nachhaltigkeit angelegten Ensembles im Taubental.

Schwäbisch Gmünd

Traurig war er, der Anblick von St. Bernhard, der seit Jahren leerstehenden Schule mit Wohnheim des Pallottiner-Ordens, während der Landesgartenschau 2014. Doch genau in dieser Zeit, „als Millionen Menschen durchs Taubental gepilgert sind“, seien die Weichen für das Areal mit seinem besonderen Geist neu gestellt worden.

Daran erinnerte Denise Schechinger, die zusammen mit ihrem Mann Martin die Hoffnungshäuser leitet, am Samstag beim Tag der Begegnung, mit dem die fünf Häuser offiziell eröffnet wurden – mit vielen glücklichen Bewohnern, mit der Gmünder Stadtspitze und dem Landrat, mit vielen Nachbarn, mit fröhlichem Gesang und mit einer atemberaubenden Slackline-Darbietung von Benni Schmid in rund zehn Metern Höhe.

Wie es sich genau zugetragen hat, verriet später Schönblick-Direktor Martin Scheuermann. Im Februar 2014 habe Oberbürgermeister Richard Arnold ihm St. Bernhard gezeigt. „Wir müssen was Neues starten“, lautete die Mission. Wenige Wochen später habe er den Stifter Tobias Merckle in Berlin getroffen, dem die Integration von Flüchtlingen so am Herzen liege, dass er noch vor der Flüchtlingskrise 2015 den Verein Hoffnungsträger gegründet hat und auf der Suche nach Standorten war.

„Gmünd ist ein Standort“, habe er ihm erklärt, woraufhin Merckle spontan „hier kommen wir her“, gesagt habe. Es folgten sieben intensive Jahre des Planens, Diskutierens und des Überzeugens. Das Ergebnis: „Es gibt keinen schöneren Ort“, lobte Scheuermann das Ensemble; der Innenhof, der an ein Amphitheater erinnert, sei geradezu prädestiniert für Konzerte oder Theateraufführungen – „mit den Balkonen als wunderbare Ränge“.

Marcus Witzke, Vorstand der Hoffnungsträger, begann mit dem Motto der Pallottiner: „Wir haben eine Mission“. So habe auch sein Verein eine Mission: Menschen eine Perspektive für die Zukunft zu geben. Aus geflüchteten Menschen, sollen Hoffnungsträger werden. Wie das gelingen kann? Mit einem integrativen Wohnkonzept, das Einheimische und Flüchtlinge zusammenbringt. Die 56 Wohnungen in den vier Hoffnungshäusern sind je zur Hälfte mit Migranten belegt, die andere Hälfte mit Menschen, „die sie mit offenen Armen aufnehmen wollen“, sagt Denise Schechinger. Bislang gebe es an sechs Standorten in Baden-Württemberg Hoffnungshäuser; „Ende des Jahres werden es 24 sein“, skizzierte Witzke eine große Dynamik. In Gmünd wird das Ensemble von einem weiteren Haus ergänzt, dem Hoffnungsblick mit seinen 21 Appartements und Wohnungen für die Generation 55+.

OB Arnold sprach von einem Konzept, das sehr gut hierher passe, da auch Gmünd konsequent den Weg der Integration gehe und der Mensch im Mittelpunkt stehe. Integration müsse den Menschen Raum geben mit all ihren Talenten, so dass sie selbst Verantwortung übernehmen können. Er dankte Tobias Merckle, der sich am Tag der Begegnung dezent im Hintergrund hielt; dieser habe gespürt, dass St. Bernhard der richtige Ort ist, um seine Vision zu verwirklichen.

Nach einer Gesangseinlage mit dem Lieblingslied der Bewohner, „In der Hoffnungsbäckerei“, lobte Manfred Lucha, Minister für Soziales und Integration, mit einem zuvor aufgezeichneten Grußwort das nachhaltige integrative Wohnkonzept, das 2019 vom Land mit einem Integrationspreis ausgezeichnet wurde. „Hier lebt man miteinander und gehört dazu.“

Auf die Nachhaltigkeit ging auch Landrat Dr. Joachim Bläse ein, der die Hoffnungshäuser als „Leuchtturm“ bezeichnete. Die architektonisch mehrfach preisgekrönten Häuser zeigten, „wie künftig Bauwerke entstehen können“. Dekan Robert Kloker sprach auch im Namen seiner evangelischen Kollegin Dekanin Ursula Richter von der großen Glaubenstradition des Ortes: „Sie stehen auf gesegnetem Boden.“ Er lobte, dass die Kirchen vor Ort von Anfang an mit ins Boot geholt worden seien. „Das waren vertrauensbildende Maßnahmen.“

Wir wollen eine Perspektive geben.“

Marcus Witzke,, Vorstand

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