"Hasenwirtin" Anna Gesell im Alter von 91 Jahren gestorben

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Die frühere Hasenwirtin Anna Gesell.
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Anna Gesell war eine Garantin für die besondere „Hasen“-Atmosphäre. Sie lernte so manche Prominenz kennen.

Schwäbisch Gmünd. Der „Hasen“ in Schwäbisch Gmünd war nie ein Restaurant wie jedes andere, immer eine ganz besondere Wirtschaft. Das lag an den Gastwirtinnen Anna und Gertrud Gesell, nicht nur unter  „Hasen“-Dauergästen als „Tschako“ und „Peter“ bekannt. Nach dem Tod von Gertrud Gesell im Jahr 2020 ist jetzt ihre Schwester Anna gestorben.

Im „Hasen“ zählten nie Rang und Namen, auch wenn bekannte Persönlichkeiten ein- und ausgingen. Anna Gesells Tochter Gisela Krehle erinnert sich an so manche Politiker, die sich im „Hasen“ sehen ließen. Auch Wolfgang Schäuble zählt dazu, schließlich galt der „Hasen“ immer als Treffpunkt der Christdemokraten in und um Gmünd. Zehn Gästebücher wurden im Lauf der Jahre mit Unterschriften und Widmungen versehen. Hochkonjunktur war oft in Wahlkampfzeiten, als ein Stammtischbesuch von (CDU)-Kandidaten noch jede Menge Besucher anzog. Viele ließen sich auch sehen, wenn gerade keine Wahlen anstanden. Landtagspräsident Erich Ganzenmüller zählte dazu, auch Fraktionsvorsitzende aus Kreistag und Gemeinderat fanden sich mit Parteifreunden zu Nachbesprechungen gerne im „Hasen“ ein.

„Das Zwischenmenschliche“ war Anna Gesell immer wichtig“, so erinnert sich ihre Tochter. Alles sei „unglaublich familiär“ gewesen. Wer sich im Hasen niederließ, war rasch beim „Du“. Und oft wurde gemeinsam gespeist, vorzugsweise gab es Maultaschen mit Kartoffelsalat oder Kutteln mit Brot oder Röstkartoffeln. Für Gisela Krehle eine spannende Kindheit und Jugend. „Das Familienleben spielte sich natürlich in der Wirtschaft ab“, erinnert sie sich. Aber woher kommen die Beinamen Anna „Peter“ Gesell und Gertrud „Tschako“ Gesell? Da schrieb der Gmünder Historiker Theo Zanek im ersten Band der „Gmünder Gasthausherrlichkeit“: „Die Beinamen soll das Geschwisterpaar schon in Kindheitstagen erhalten haben. Ein Nachbar hatte zwei Kätzchen „Tschako“ und „Peter“. Genauso anmutig wie die Kätzchen waren die Hasenmädchen, also rief sie der Nachbar ‚Tschako‘ und ‚Peter‘.“

Den „Hasen“ hat das Geschwisterpaar bis ins hohe Alter betrieben. Die Tante Gisela Krehles war sogar bis 2019 aktiv. Anna Gesell konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht so lange dabei sein. Auch nach der Schließung war der „Hasen“ nicht ganz zu. Gisela Krehle hat ihn immer mittwochs geöffnet, „dann kamen die Gäste an diesem einen Abend, die früher über die Woche verstreut aufgetaucht waren.

Anna Gesell konnte sich ihren Beruf nicht aussuchen. Sie war erst 14 Jahre alt, als ihr Vater starb. Die Mutter brauchte  sie dann rasch im Gasthaus und wenig später trat auch die Schwester ein. Ganz nahtlos wurden sie zu den Hasenwirtinnen, wie man sie über viele Jahrzehnte in Schwäbisch Gmünd kannte.  

Vorläufer des  Gasthauses „Hasen“ sind schon im 17. Jahrhundert erwähnt. Anna Gesells Vater hat den Betrieb nach der Jahrhundertwende übernommen, ab 1951 waren Anna und Getrud Gesell offiziell die Wirtinnen.  

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