Herberge am Pilgerweg des Lebens

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Hospiz Angelika Daiker
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Eine Begegnung mit Angelika Daiker, die nach einem Sabbatjahr zurückgekehrt ist in die Hospizarbeit und am Aufbau der Einrichtung im Gmünder Kloster mitgewirkt hat.

Schwäbisch Gmünd

So klein sie auch sind - „diese Häuser wirken in ihre Umgebung hinein, in den Stadtteil, in die Stadt“, sagt Angelika Daiker. Sie ist die Frau, die nach vielen Jahren der Erfahrung mit ambulanter Hospizarbeit in Stuttgart das Hospiz St. Martin aufgebaut und eine Dekade lang geleitet hat. Ihre Expertise war gefragt beim Aufbau des stationären Hospizes im Kloster in Schwäbisch Gmünd. Dieser reizvollen Aufgabe wegen ist die 67-Jährige nach einem Sabbatjahr in die Hospizarbeit zurückgekommen. Hat in der Stauferstadt beim Aufbau einer weiteren Herberge am Pilgerweg des Lebens mitgewirkt.

Hospize seien immer sehr kleine Einrichtungen, beschreibt Angelika Daiker. Acht, maximal zwölf stationäre Gäste werden aufgenommen, damit alle um einen Tisch Platz haben in dem Raum, in dem sich das Leben abspielt. Die einzelnen Zimmer werden bewusst liebevoll eingerichtet mit schönen Vorhängen und Betten aus Holz, die nicht an praxisorientierte Pflegebetten erinnern. Viele Hospize haben auch eigene Räume für Vorträge, mal eine Ausstellung, öffentliches Leben.

Kleine Ideen machen den Alltag besonders, sie unterstreichen den Symbolcharakter des Gebäudes, sagt Angelika Daiker und nennt als Beispiel die Kerze, die im Stuttgarter Hospiz St. Martin im Fenster des Verbindungsgangs zwischen den beiden Häusern stand. Schnell habe der ganze Stadtteil gewusst, was es bedeutet hat, wenn diese Kerze brannte.

Und immer wieder, wenn Besuch kam, war Angelika Daiker konfrontiert mit der völlig falschen Vorstellung, die viele vom Leben und der Arbeit in einem Hospiz haben. Da sei man nicht der arme schwarze Kater, sagt sie, sondern fühle sich getragen und angerührt von einer guten Atmosphäre, könne aufatmen in der Ruhe des Hauses. Besonders eindrücklich sei das in St. Martin gewesen, wo direkt draußen vor der Tür die hektisch belebte Straße vorbeiführte.

Als katholische Theologin ist die Pastoralreferentin Angelika Daiker schon 1990 mit der Hospizarbeit in Berührung gekommen, hat ehrenamtlich beim evangelischen ambulanten Hospizdienst in Stuttgart mitgearbeitet und dort die Psychologin Daniela Tausch-Flammer kennengelernt, die die Hospizarbeit in der Landeshauptstadt aufgebaut hat. Ab 1995 war Angelika Daiker dann hauptberuflich in der Hospizarbeit tätig.

„Im Hospiz haben wir mit den Menschen gelebt und mit ihnen über das Leben geredet“, erzählt sie. Auch im Sterben gehe es um das Leben, um das, was dem Menschen wichtig war. Und man habe versucht, besondere Wünsche zu ermöglichen - noch einmal mit Freunden Geburtstag feiern; eine Ballonfahrt unternehmen; noch einmal auf den Fernsehturm hinauf können. Das Leben sei dann manchmal anstrengender gewesen als das Sterben, sagt sie.

Für Angelika Daiker steht die Sterbebegleitung in spirituellem Kontext, ist Seelsorge. „Sterben ist ein Prozess“ findet sie, „Körper, Geist und Seele brauchen ihre Zeit, zu gehen, der ganze Mensch braucht seine Zeit, zu gehen“, sagt sie. „Und dieser Prozess ist unverfügbar - ob ich will oder nicht.“ Deshalb sei es wichtig, dass die Menschen auch wieder lernten, das Sterben zuzulassen. Es nicht als Katastrophe zu verstehen, die man um jeden Preis verhindern müsse. Es als Lebensziel zu verstehen und den Prozess mit Respekt und Qualität zu versehen. „Jedes Sterben ist einmalig und grandios. Was hinterher kommt - niemand weiß es. Daran können wir nur glauben. Das ist das große Geheimnis.“

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