Heute gilt: flexibel statt hitzefrei

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So geht's auch gut ohne hitzefrei: Bei den Projekttagen am Scheffold-Gymnasium arbeiten Schülerinnen und Schüler an einem "Grünen Klassenzimmer".
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Nostalgie und Jetztzeit, Mythos versus Realität: Das klassische Hitzefrei hat individuellen Kühlstrategien Platz gemacht in den Schulen.

Schwäbisch Gmünd

Drei Schulen, dreimal die Frage am heißesten Tag der Woche: Gibt’s jetzt hitzefrei? Und dreimal sieht die Realität anders aus als es der Begriffsklassiker sommerlicher Schülerträume verspricht: „Wir sind ganz flexibel“, sagt etwa Martin Hofmann, Konrektor der Gemeinschaftsschule in Waldstetten. Unterricht in andere Räume oder nach draußen in den Schatten verlagern, darauf setzen Hofmann und Lehrer anderer Schulen in diesen heißen Tagen. Nicht auf generelles Hitzefrei.

Feste Regeln gibt es keine mehr, die Mindestens-25 Grad-um-11-Uhr-Regel gilt höchstens noch als Richtschnur. „Es liegt im Ermessen der Schulen“, sagt Bernd Gockel, Rektor des Gmünder Scheffold-Gymnasiums.

Das Ermessen richtet sich heutzutage nicht nur nach dem Thermometer: „Mit ganztags ist es schwierig“, sagt Hofmann. Ganztagsschule heißt schließlich, dass sich Eltern auf die ganztätige Betreuung verlassen dürfen. Kinder einfach heimschicken, das geht nicht. Auch für die jüngeren Schülerinnen und Schüler in der „verlässlichen Grundschule“. „Ich müsste für jedes Kind eine Abfrage machen, ob es eine Betreuung hat – das ist nicht zu leisten“, sagt Rektorin Uta Spiller von der Schlossgartenschule in Alfdorf.

Bernd Gockel ist froh, dass in seiner Schule die Flexibilität quasi Programm ist diese Woche – und es keinen Nachmittagsunterricht gibt: „Da müsste man bei extremen Temperaturen schon überlegen, den ausfallen zu lassen.“ Aber: Es sind Projekttage, Schulschluss ist um 12.30 Uhr.

Ähnlich geht es Rektorin Uta Spiller von der Schlossgartenschule in Alfdorf: „Ich bin ganz froh, dass wir schon um 7.30 Uhr anfangen. Wenn die Grundschüler nach der fünften Stunde um 11.40 Uhr aushaben, dann braucht’s kein hitzefrei.“

Für die älteren Schülerinnen und Schüler ist es eh kein Thema: „Ab Klasse zehn gab es nie hitzefrei“, sagt Spiller. Martin Hofmann nennt noch einen Aspekt, der, in die berufliche Zukunft der Schüler geschaut, dazukommt: „In den höheren Klassen muss man auch mal etwas aushalten – das ist ja auch ein Lernziel.“

Ansonsten ist derzeit häufig Anpassung gefragt, beim Programm und räumlich. „Wir reagieren: Klassen, die im ersten Obergeschoss an der Südseite sind, wechseln die Räume“, erzählt Uta Spiller. Im Nordbau der Hauptschule sei es ohnehin recht angenehm. Und wenn Lehrer statt Mathe einen Obstsalat machen mit der Klasse, dann ist das auch in Ordnung. Noch eine Reaktion der erfrischenden Art hat die Rektorin beobachtet: „Ich habe erstaunlich viele Schüler mit Eis gesehen.“ Weil’s keinen Schulkiosk mit Eis gibt an der Schule, müssten wohl Lehrerinnen und Lehrer ihre Klassen versorgt haben.

Wenig angenehm ging es am Montag und Dienstag für viele Lehrkräfte zu: Zeugniskonferenzen sind nun mal nachmittags, hitzefrei ist da kein Thema. Bernd Gockel hatte zum Glück einen Plan B: „Wir sind vom Lehrerzimmer in den tiefer gelegenen Musiksaal umgezogen, den wir morgens extra lange gelüftet haben.“

Ihre ganz persönliche, allerdings nicht auf den Schulalltag übertragbare Kühlstrategie hat übrigens Uta Spiller: Weil sie derzeit eine Fußverletzung auskurieren muss, hat sie aus therapeutischen Gründen einen halb vollen Eimer mit Wasser unter dem Schreibtisch stehen. „Das ist super bei dem Wetter.“

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