Hier muss der Leiter ein „Ermöglicher und Anreger“ sein

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Als leidenschaftlicher Impulsgeber ist Friedemann Gramm (rechts im Bild mit Dr. Joachim Bläse)froh über Gönnerinnen, wie Erika Künzel, aus deren Stiftung die Musikschule unterstützt wird.
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Friedemann Gramm ist seit 20 Jahren der Chef der Städtischen Musikschule in Schwäbisch Gmünd und hat bis zum Ruhestand noch einiges vor.

Schwäbisch Gmünd

Ich zähle nicht die Tage, bis es um ist, ich habe noch Pläne“, sagt Friedemann Gramm, wenn er als Leiter der Städtischen Musikschule auf die Zeit des Abschieds aus dem Berufsleben schaut. Der 62-Jährige hat noch dreieinhalb Jahre bis zum Rentenbeginn, um diese umzusetzen. Eines ist für ihn klar. Wenn der offizielle Abschied kommt, dann wird er gehen, denn ein Nachfolger soll frei seine Ideen zur Musikschulleitung umsetzen können.

Friedemann Gramm, in Esslingen geboren, wuchs in Wernau auf. Sein Vater war Pfarrer und Sohn Friedemann war von klein auf von der Orgelmusik in der Kirche fasziniert. Sein Kinderwunsch, Posaune spielen zu lernen, wurde nicht erfüllt. Aber nach der Versetzung des Vaters nach Korb im Rems-Murr-Kreis eröffnete dem Elfjährigen die Möglichkeit, Trompete zu lernen. Schon bald konnte er mit der musikalischen Begleitung zum Beispiel von Beerdigungen sein Taschengeld aufbessern. Gramms Begeisterung für Querflöte entfachte Ian Anderson, Flötist der britischen Rockband Jethro Tull. Doch Gramms Vater erlaubte den Instrumentenwechsel nicht sofort. Erst nach einem Jahr konnte Friedemann Gramm konnte endlich Querflöte lernen.

Für ihn war klar, dass er Musik studieren wollte. Er begann an der Staatlichen Musikhochschule Trossingen gemeinsam mit seiner Frau, die Cello studierte. Er wechselte bald zur Hochschule für Musik in Freiburg. Ein dichtes Arbeits- und Lebensprogramm, denn inzwischen gab es Familienzuwachs, dazu einen Honorarauftrag als Instrumentallehrer an der Musikschule Herrenberg.

Eine bewährte Verbindung, denn Gramm erhielt sofort nach dem Studium eine Festanstellung an dieser Musikschule. „Ein toller Geist herrschte dort“, erinnert sich Friedemann Gramm. Selbst-Initiative war gewünscht, wurde gefördert und unterstützt. Gleichzeitig erhielt er Einblick in die Leitungsfunktionen und belegte berufsbegleitend in Trossingen die entsprechende Fortbildung.

Als der damalige Leiter dann krankheitsbedingt ausschied, übernahm Friedemann Gramm die kommissarische zusätzlich zum vollen Lehrauftrag. Weiter ausbauen konnte er dann seine Kenntnisse als Stellvertreter. „Sie war eine sehr gute Chefin“, beschreibt er die Nachfolgerin seines ehemaligen Schulleiters. Als er 2001 in Schwäbisch Gmünd Leiter der Städtischen Musikschule wurde, traf er auch Bekannte. Schon vor Beginn des Musikstudiums war er mit der Augustinuskantorei verbunden und hatte mit ihr in Antibes ein Konzert gegeben.

Friedemann und Johanna Gramm entschieden sich für Böbingen als Wohnort. „Das war für die Kinder gut!“ Kindergarten und Schulen waren schnell zu erreichen. Im Rückblick auf 20 Jahre mit fünf Kindern, sagt er bedauernd: „Die Arbeit als Musikschullehrer und Musikschulleiter ist nicht familienfreundlich. Vormittags, wenn die Kinder in Kindergarten und Schule sind, hatte ich frei, anschließend war ich in der Musikschule.“ Im Ruhestand freut er sich auf mehr Zeit für Kinder und Enkel.

Auch seine Kinder haben Instrumente erlernt, sind aber keine Musiker geworden. „Wenn Papa Fußballer ist, dann spielen die Kinder Fußball. Wenn er ein Musiker ist, dann machen sie Musik!“, analysiert Gramm.

Zwei Tage ohne Pflichten? Die würde Friedemann Gramm in den Bergen verbringen, mit Vollpension, nichts tun und in die Luft gucken. Dann würden Ideen kommen, sagt er.

Für die Musikschule hat er sich noch einiges vorgenommen. Die Schulkooperationen durchstrukturieren, Inhalte neu abstimmen zwischen den Lehrern, die an Schulen den Instrumentalunterricht der Musikschule halten. Die eigenen Lehrkräfte besser vernetzen und koordinieren. Den Campus Strümpfelbach impulsieren. Gestützt von einem tollen Kollegium, das sich nach und nach verändere, da langjährige erfolgreiche Kolleginnen und Kollegen in den Ruhestand gehen. Es sei eine interessante Aufgabe, die Stellen neu zu besetzen. Auch die Schulordnung erfahre Aktualisierung, digitaler Unterricht soll integriert werden. Nicht als Ersatz für den Präsenzunterricht, sondern als notwendige Ergänzung.

Auf die Frage „Was muss ein Musikschulleiter sein?“, antwortete Friedemann Gramm: „Er muss nicht der beste Musiker im Haus sein, dafür aber ein Ermöglicher, Anreger.“ Er müsse die Freiheit geben, etwas zu tun und überzeugen können.

Und für Musikschulleiter hat er diesen Rat: privat und Dienst strikt trennen. Diese Position biete einen großen Gestaltungsspielraum. Er habe das Glück gehabt, einen guten Draht zu Stadt und Gemeinderat zu haben, persönliche Kontakte seien wichtig: „Ich hatte es nicht schwer!“

Das Digitale kann eine gute Ergänzung sein.“

Friedemann Gramm,, Musikschulleiter

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