Hochzeitstag auf der Gaskugel?

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29 Meter im Durchmesser, Platz für 80000 Kubikmeter Gas: Die 1976 erbaute Kugel im Gmünder Osten hat die Aufgabe, Verbrauchsspitzen im Gmünder Netz auszugleichen.
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80000 Kubikmeter, 6,5 Bar, 29 Meter im Durchmesser und Sicherheitsabstand zur Bebauung: So funktioniert die Gaskugel im Gmünder Osten.

Schwäbisch Gmünd. Es ist eines der größten Technikbauwerke in Schwäbisch Gmünd: Die Gaskugel neben der Buchauffahrt, die 80000 Kubikmeter von dem Stoff enthält, über den jahrelang wenig nachgedacht worden ist – bis Erdgas nun sehr teuer geworden ist und plötzlich knapp werden könnte. „Seitdem denken vermehrt Leute drüber nach, was und wie viel da wohl drin ist“, sagt Steffen König, der Marketing-Leiter der Stadtwerke. „Wir bekommen in letzter Zeit häufiger Anfragen als früher.“

Als Notreserve kann der Speicher nicht herhalten, sollten russische Gaslieferungen plötzlich fehlen auf dem deutschen Markt. Für alle Verbraucher im Gmünder Netz reichen die 80000 Kubikmeter an einem kalten Wintertag kaum mehr als drei Stunden.

Die Gaskugel hat einen anderen Job. „Mit dem Inhalt können wir Belastungsspitzen ausgleichen“, erklärt Benjamin Peter, Leiter der Gasnetze bei den Stadtwerken. Es bedarf keiner menschlichen Aufsicht, um Zu- und Abfluss zu regeln, das steuert die Technik von selbst: Wenn im Gmünder Netz mehr Gas verbraucht wird, als durch die zwei Überlandleitungen ankommt, sinkt der Druck – ein Druckventil am großen Gasbehälter speist dann so lange Gas ein, bis der Druck wieder stimmt. Im eiskalten Winter 2012, als es nachts bis zu Minus 20 Grad hatte, sei die Kugel extrem wichtig gewesen, erzählt Peter.

Der große Ausgleichsbehälter, in dessen Innern normalerweise ein Druck von 6,5 Bar herrscht,  ist nicht sehr wartungsintensiv. Es ist fast wie beim Auto: „Einmal im Jahr kommt der TÜV“, erzählt Benjamin Peter. Hauptthema der Prüfung ist die Dichtigkeit. Die rund zwei Zentimeter starke Stahlhülle hat sich als sehr langlebig erwiesen. „Wir hatten noch nie ein Leck.“ Aber selbst das wäre nicht gefährlich, versichert Peter. „Da besteht keine Brandgefahr, das Gas entweicht einfach nach oben.“ Darum sei auch ein Abstand zur Bebauung vorgeschrieben.

Alle 15 Jahre ist eine große Überprüfung fällig, was bis zum Anfang der 2000er-Jahre noch sehr aufwendig war. Deshalb gibt sogar einige Menschen, die den Kessel von innen gesehen haben. „Für diese Überprüfung mussten wir die Kugel leer laufen lassen“, erzählt Peter. „Dann ist durch die geöffnete Einstiegsluke ein TÜV-Mitarbeiter eingestiegen.“ Auf einer beweglichen Drehleiter im Innern kann sich der TÜV-Fachmann dann über die Oberfläche bewegen. Der technische Fortschritt hat dieses besondere Dunkelkammererlebnis abgeschafft. Heute sitzt der TÜV-Prüfer vor dem Laptop und liest die Messwerte der Sensoren ab, die er vorher an der Außenhülle angebracht hat.

Geht auch Wasserstoff?

Die Kugel mit einem Durchmesser von 29 Metern ist Baujahr 1976, ein Ende der Laufzeit ist aus technischer Sicht nicht absehbar. „So lange sie durch die Prüfung kommt, geht es immer weiter“, sagt Benjamin Peter. Ob der Behälter auch Wasserstoff speichern kann, wisse keiner. „Das müsste man dann untersuchen“, sagt Peter. Fürs Gasnetze als Ganzes werde das bereits gemacht, „da laufen Untersuchungen“. Die Tendenz: „Grundsätzlich ja, es sind viele Leitungen geeignet, vor allem die neuen.“ Aber wohl nicht alle Leitungen: „Es kommt auf die Materialbeschaffenheit an, Wasserstoff als kleinstes Atom findet seinen Weg fast überall durch.“

Ein Wasserstoffanteil von zehn Prozent im Gas sei bisher schon vom Regelwerk erlaubt, erzählt Peter noch. Doch selbst die stark gestiegenen Gaspreise haben das nicht wahrscheinlicher gemacht: „Im Moment ist Wasserstoff immer noch viel zu teuer, um ihn einzuspeisen.“

Was wohl auch nichts mehr wird: eine Karriere der Kugel als Event-Location. „Wir hatten mal eine Anfrage eines Gmünders, der oben auf der Kugel den Hochzeitstag mit seiner Frau feiern wollte“, erzählt Steffen König. „Aber wir mussten absagen – aus Sicherheitsgründen.“

Ein Winzling im Vergleich mit den Großspeichern

Mit den großen Gasspeichern in Deutschland hat die Gmünder Gaskugel wenig mehr als den Inhalt gemeinsam. Für den Vergleich der Füllmenge reichen Prozentzahlen längst nicht aus. „Das liegt im Promillebereich“, sagt Stadtwerke-Netzchef Benjamin Peter. Man kann auch andersherum rechnen: Im größten deutschen unterirdischen Speicher im niedersächsischen Rehden können über 4 Milliarden Kubikmeter Erdgas gespeichert werden – 50000 mal mehr als in Gmünd.

Benjamin Peter (l.) und Steffen König an der Einstiegsluke, wo früher die TÜV-Prüfer einfgestiegen sind,.

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