GT-Serie „Gmender Fasnet“

Höfisch spitz oder laut und schräg

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Die Rudos von der 1. Gmünder Narrenzunft Hölltalschütz tragen das Häs und kein Kostüm.

Wieso, weshalb, warum? Der Rudo erklärt die Unterschiede zwischen dem rheinischen Karneval und der schwäbisch-alemannischen Fasnet.

Schwäbisch Gmünd

Die Fasnet fällt aus. Schuld ist das Virus. Und doch gibt's Woche für Woche Närrisches - immer samstags in der GT-Serie „Gmender Fasnet“, erklärt vom Rudo. Thema heute: „Rheinischer Karneval vs. Schwäbisch-Alemannische Fasnet“.

Der Rudo erklärt: Die Vorläufer des Karnevals wurden wohl von den Römern an den Rhein gebracht. In sogenannten Saturnalien feierten sie Feste zu Ehren ihres Gottes Saturn. Während der Festzeit wurde nicht gearbeitet, in ausgelassenen Feiern voller Ausschweifungen und Sinneslust waren Standesschranken aufgehoben, Herren bewirteten Sklaven, Männer und Frauen tauschten die Kleider, es wurde getanzt, gesungen, getrunken.

Ähnliche Feste gab es bei den Griechen zu Ehren des Gottes Dionysos und in Ägypten zu Ehren der Isis und schon im 3. Jahrtausend v. Chr. in Mesopotamien: Unter dem Priesterkönig Gudea wurde sieben Tage lang die Hochzeit eines Gottes gefeiert. Auch dabei wurde das Prinzip der Gleichheit proklamiert: 'Kein Getreide wird an diesen Tagen gemahlen. Die Sklavin ist der Herrin gleichgestellt und der Sklave an seines Herren Seite. Die Mächtige und der Niedere sind gleichgeachtet.', ist in einer Inschrift festgehalten.

Diese Traditionen haben Eingang in den Rheinischen Karneval gefunden: „Normale“ Menschen werden zu Karnevalsprinzen und Prinzessinnen, samt närrischem Hofstaat, Garden parodieren das Militär und auf Festwagen werden die Politik und ihre Protagonisten aufs Korn genommen. So spiegelt sich die antike Tradition des Gleichmachens in den Karnevalsumzügen wider. Auch in den Prunksitzungen: Im Gardetanz mit militärisch anmutendem Einmarsch, mit Büttenreden, in denen mit scharfer Zunge die „Obrigkeit“ attackiert wird. Wenn Armin Laschet im Karneval als Gardeoffizier auftritt, so ist er Narr, und nimmt sich damit selbst nicht so wichtig (er sollte dies zumindest). In dieser Aufmachung machte er sich im Wahlkampf allerdings für viele zum Narren.

Festzuhalten ist: Garden, Festwagen, Prinz und Prinzessin mit Hofstaat und Prunksitzungen sind Elemente des Rheinischen Karnevals.

Die Schwäbisch-Alemannische Fasnet kommt anders daher. Wie der Name schon sagt, ist sie traditionell in Oberschwaben und am Bodensee, im Schwarzwald und an der Baar, im oberen Rheintal und der Schweiz zuhause. Die Vorläufer sind Bräuche der Winteraustreibung, wie es sie heute noch in den Alpen und im Alpenvorland gibt. Teufel-, Geister-, Tier- und Hexenfiguren ziehen um die Jahreswende mit viel Lärm ins Tal und künden vom Kampf zwischen Winter und Frühling.

Teufel-, Geister-, Tier- und Hexenfiguren spielen auch in der Fasnet eine wichtige Rolle, auch der Lärm von Schellen und Karbatschen (Knallpeitschen) gehört zu den Umzügen. Dazu gesellen sich Narren wie die Hansele im Fleckenkostüm oder Weißnarren mit kunstvoller Bemalung. Oftmals gibt es lokale Figuren, die auf örtliche Sagen zurückgehen (so auch der Rudo in Gmünd). Ganz wichtig: Schwäbisch-Alemannische Narren tragen keine Maske, sondern eine Larve oder Scheme, und sie sind auch nicht im Kostüm, sondern im Häs. Häs und Larve verändern sich nicht und werden in der Regel in Familien weitervererbt.

Die Narren sind in Zünften organisiert. Die Älteste ist die in Rottweil, die schon im 17. Jahrhundert erwähnt wird. Und Zünfte haben einen Narrenruf, traditionell das Narri-Narro oder Ho-Narro, in jüngerer Zeit ist der Narrenruf oft speziell an einen Ort oder eine Zunft gebunden.

Die Schwäbisch-Alemannische Fasnet hat auch ihre eigene Musik: die Guggenmusik. Was in Schwäbisch Gmünd seit 1984 zelebriert wird, gibt es im in der Schweiz schon seit dem 16. Jahrhundert. Laut, rhythmisch, spontan und schräg, das sind die Ursprünge. Heute präsentiert sie sich leider oft einstudiert und im Bigbandsound. Wurden am Anfang bei den Gmünder Internationalen Guggenmusiktreffen noch die ausgefallensten selbst gebastelten Instrumente prämiert, gibt es das heute nicht mehr. Schade eigentlich.

Während der Rheinische Karneval seine Form wahrt (sieht man mal von vereinzelten Guggenmusiggen in den Umzügen ab), haben sich im Südwesten oft Mischformen gebildet.

Und wie ist das in Schwäbisch Gmünd? Vier Vereine und Zünfte gibt es in Gmünd - abgesehen von den Guggenmusiggen: Die Gmender Fasnet, den Carneval Verein Grabbenhausen in Herlikofen, die 1. Gmünder Narrenzunft Hölltalschütz und, noch ganz neu, die 1. Wexhainer Narrenzunft in Wetzgau.

Sind die Namen einer Tradition zugeordnet, so sind es die Erscheinungsformen nicht immer. Die beiden Zünfte bleiben weitgehend im schwäbisch-alemannischen Brauchtum verhaftet. Sieht man vom Grabbenkostüm ab, das eher einem Häs der Fasnet entspricht, so wird in Herlikofen tatsächlich Karneval zelebriert. Die Gmender Fasnet entspricht in ihren Gruppierungen und Erscheinungsformen mit Hofstaat, Garden, der Prunksitzung und dem Festwagen auch eher einer Karnevalsgesellschaft, und der Ruf „Hella, Hella Gamundia“ ist auch dem rheinische Hellau näher als dem Narri-Narro.

  • Fasnet-Serie in der Gmünder Tagespost
  • 8. Januar: Fasching - Fasnet - Karneval: Begriffsklärung und Ursprünge

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