Höheres Tempo ein „Killereffekt“

+
Auf den Straßen in Schwäbisch Gmünd lauern viele Gefahren für Fußgänger: Gefährlich wird’s für sie vor allem dann, wenn Autofahrer oder Radfahrer zu schnell unterwegs sind.
  • schließen

Zu Fuß ist man in Schwäbisch Gmünd sicher unterwegs – wären da nicht Autos, Fahrräder oder Blitzeis. Welche Gefahren für Fußgänger im Verkehr lauern.

Schwäbisch Gmünd

Unter allen Verkehrsteilnehmern sind Fußgänger am sichersten unterwegs. Stürzen sie doch einmal, fallen sie nicht tief, und Zusammenstöße mit anderen Fußgängern sind äußerst selten. Gefährlich wird’s, wenn Autofahrer, Radfahrer und in Zukunft E-Scooter ins Spiel kommen, die aufgrund der sehr viel höheren Geschwindigkeit bedrohlich sind. Zum Glück ist die Zahl der getöteten Fußgänger im Straßenverkehr seit vielen Jahren rückläufig. Laut statistischem Bundesamt lag sie 2020 bundesweit bei 376 – 1980 waren es noch etwa zehn Mal so viele.

In Schwäbisch Gmünd passierten die letzten drei Jahre zwei Verkehrsunfälle, die für Fußgänger tödlich endeten, rekapituliert Bernd Märkle vom Polizeipräsidium Aalen die Fälle: Im Januar 2021 befuhr eine 38-Jährige alkoholisierte Autofahrerin mit nicht vollständig enteister Scheibe den Haselbacher Weg und erfasste eine 82-jährige Fußgängerin; und im Dezember 2019 übersah ein 23-jähriger Autofahrer in der Buchstraße eine von links die Straße querende 63-jährige Fußgängerin und schleuderte sie zu Boden. Glimpflich ging zum Glück ein Unfall im Februar 2020 aus, als ein 34-jähriger Autofahrer in der Königsturmstraße das Rotlicht missachtete und gegen eine Fußgängerin mit Kinderwagen prallte, wobei sich zum Glück niemand verletzte.

Viele Gefahren

Die Fälle zeigen, wenn sie auch nicht gehäuft vorkommen, dass der motorisierte Verkehr für Fußgänger lebensgefährlich sein kann. Gefährlich ist vor allem die Geschwindigkeit. Je schneller ein Auto fährt, das einen Fußgänger erfasst, desto wahrscheinlicher sei dessen Tod, sagt dazu der Verein Fuß e.V. „Tempo 50 beim Aufprall endet für den Fußgänger mehr als viermal so oft tödlich wie bei Tempo 30, bei Tempo 70 sogar zehnmal so oft. Dies hänge vor allem mit dem sehr viel längeren Bremsweg zusammen, weshalb die Fußverkehrsaktivisten vom „Killereffekt höheres Tempo“ sprechen. Der Verein fordert, dass Tempo 30 innerorts die Regel und Tempo 50 die Ausnahme sein sollte.

Zunehmend zum Problem werden Kollisionen mit Radfahrern. Auch sie fahren im Durchschnitt drei- bis viermal so schnell, was nicht nur konfliktträchtig ist, sondern auch zu Unfällen mit schweren Verletzungen führen kann. Der Verein Fuß e.V. weist auf seiner Internetseite darauf hin, dass die Zahl der polizeilich registrierten Radunfälle in Deutschland, in die Fußgänger involviert sind, von Jahr zu Jahr steigt. Zu vermuten sei, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt, wenn es nur um leichte Blessuren geht. Der Verein drängt seit Jahren darauf, dass Fußgänger auf Gehwegen nicht durch Radfahrer gefährdet oder gar geschädigt werden dürfen.

Radfahrer - ein Ärgernis

Auch für Roland Pacella sind Radfahrer, die rücksichtslos an ihm vorbeibrettern, ein großes Ärgernis – manchmal komme es sogar zu Körperkontakt, doch bislang sei zum Glück noch nichts Schlimmeres passiert. Er betont, dass die meisten Radler rücksichtsvoll fahren, doch der ein oder andere verderbe das gute Miteinander. Der frühere Volleyballspieler ist oft mit Hund Tirso unterwegs – auf kombinierten Rad-/Fußwegen kein Vergnügen, weil er immer den Hund und den Radverkehr im Blick haben muss. Die Angst schwinge immer mit.

Neuerdings ist er auch mit Enkelkind auf Tour. Noch sitzt die Kleine im Buggy. Mulmig wird es ihm, wenn sie bald selber gehen möchte, weil man auf Kombiwegen das Kind keine Sekunde aus dem Blick verlieren darf. Nicht auszudenken, wenn sie von einem Radler umgefahren würde. Auch die Situation am Josefsbach mit den zwei Spielplätzen hält er für nicht tragbar. Hier sollte für Radfahrer tagsüber Schrittgeschwindigkeit gelten, oder sie sollten besser die Uferstraße oder die Parlerstraße nutzen.

Critical Mass als Vorbild

Der Forderung des Vereins Fuß e.V. kann er sich jedenfalls nur anschließen: Radverkehr und Fußverkehr sollten getrennt werden. Roland Pacella fehlt in Gmünd eine Bewegung, die sich für Fußgänger stark macht. Er meint, dass die Radfahrer dank Critical Mass mit ihren Forderungen mittlerweile sehr präsent sind, und wünscht sich Ähnliches für die Fußgänger. Für die räumliche Trennung hat der Verein Fuß e.V. übrigens eine Lösung: „Fahrender Verkehr gehört grundsätzlich auf die Fahrbahn, Gehwege sind zum Gehen und Verweilen gedacht und nötig.“ Langsamer Kraftfahrzeugverkehr, Tempo 30 oder weniger, vertrage sich in der Regel gut mit dem Fahrradverkehr, besser jedenfalls als dieser mit dem Fußverkehr.

Noch eine weitere Gefahr macht Fußgängern gelegentlich zu schaffen, eine ganz natürliche: der Winter mit Rutschgefahr und Glätte. Bei Blitzeis, so berichtet Dr. Roland Rißel, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wirbelsäulenchirurgie am Stauferklinikum, würden Menschen, die sich bei einem Sturz verletzt haben, „am laufenden Band“ eingeliefert. Diesen Winter sei dies zum Glück bislang nicht der Fall gewesen.

Kommt es zu Verletzungen, handele es sich häufig um Brüche des Handgelenks, Schenkelhalsbrüche und Brüche des oberen Sprunggelenkes. Besonders betroffen seien ältere Menschen, weil deren Knochen brüchiger werden. Rißel bestätigt die Statistik der Polizei: Zum Glück nur selten werden Fußgänger vom Auto erfasst. Weil dies oft bei Dunkelheit passiere, rät er, auf gut sichtbare Kleidung zu achten. Und auf keinen Fall stark alkoholisiert unterwegs zu sein.

Fahrender Verkehr gehört grundsätzlich auf die Fahrbahn, Gehwege sind zum Gehen und Verweilen gedacht.“

Verein Fuß e.V.

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

Kommentare