Hohe Spritpreise belasten den Gmünder Tafelladen

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Tafelladen Nurhan Kizilay,Steffen Witzke
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Wie es die Mitarbeiter des Tafelladens schaffen, in schwierigen Zeiten an Waren zu kommen und wie sie Geflüchtete aus der Ukraine unterstützen.

Schwäbisch Gmünd

Weil manche Waren in den Supermärkten Mangelware geworden sind, kommen in der Folge auch weniger Lebensmittel in den Tafelläden der Region an. Ein Blick in den Gmünder Tafelladen in der Rinderbacher Gasse.

„Ich kämpfe schon immer gegen den Mangel an“, sagt dessen Geschäftsführer Steffen Witzke. Gebraucht werde im Gmünder Tafelladen alles für den täglichen Bedarf. Nudeln, Butter, Mehl, Öl, Hygieneartikel. Wenn's diese Produkte im herkömmlichen Laden nicht mehr gibt, sieht's in den Tafelläden noch schlechter aus. Die Gmünder Tafel sei hingegen nicht direkt von den Supermärkten und deren Überschüssen abhängig, erläutert Witzke. Denn die Einrichtung in Gmünd hat sich mit 24 Tafeln in Ostwürttemberg zu einem Bündnis zusammen geschlossen, das direkt von der Industrie beliefert wird. Steffen Witzke erklärt: Getränke-Unternehmen, Molkereien, Großbäckereien und beispielsweise Hersteller von Hygieneartikeln liefern ihre Überproduktionen im Zentrallager in Ebnat ab. Von dort aus holen die Tafel-Mitarbeiter die Waren ab. Vorteil für die Unternehmen: Sie müssen nur eine Adresse anfahren. Vorteil für die Tafeln: „Wir sind nicht von der Spendenbereitschaft der Supermärkte abhängig“, erklärt Witzke. Die Tafeln hätten sich über die Jahre hier ein relativ gutes Netzwerk aufgebaut.

Was die Gmünder Tafel zurzeit allerdings deutlich zu spüren bekommt, sind die steigenden Benzinpreise, wie der Geschäftsführer erläutert. Für die Gmünder Einrichtung seien die Mitarbeiter mit drei Fahrzeugen im Einsatz. Zwei Mal in der Woche sogar relativ weit, beispielsweise zu einer Molkerei bei Biberach oder zu einem Unternehmen in Ulm. Das koste die Tafel derzeit 500 bis 600 Euro pro Monat mehr als noch vor einigen Wochen. Ohne Aussicht auf Besserung. Deshalb ist die Gmünder Tafel immer auf der Suche nach Spenden - ob finanzieller oder materieller Art. „Wer zuhause mal wieder seinen Keller aufräumt und ein Päckle Kaffee übrig hat, ist genauso willkommen wie Leute, die Geld spenden wollen“, sagt Steffen Witzke.

Was sich in den vergangenen Wochen noch geändert hat: Flüchtlinge aus der Ukraine kommen vermehrt zum Einkaufen in den Tafelladen. Momentan seien es etwa zehn bis zwölf Ukrainer pro Tag. Tendenz steigend. Der Kundenstamm liege seit langem bei rund 170 bis 220 Kunden täglich. Einkaufen dürfen im Gmünder Tafelladen diejenigen, die eine so genante Bonuskarte von der Stadtverwaltung erhalten haben. Diese soll Personen mit geringem Einkommen wie zum Beispiel Familien, Alleinerziehende, Rentnerinnen oder Rentner und Studierende unterstützen. Mit dem Ausweis können beispielsweise kulturelle oder sportliche Veranstaltungen vergünstigt oder kostenlos besucht werden. Und er dient als Erlaubnis zum Einkaufen im Tafelladen oder im Second-Hand-Laden des Roten Kreuzes.

Bei Kunden aus der Ukraine verfahren die Gmünder Tafel-Mitarbeiter derzeit unkompliziert. Witzke: „Wer einen ukrainischen Pass vorzeigt, darf bei uns einkaufen.“

Wieder Tafelladen in Heubach?

Bedarf für einen Tafelladen gibt's auch in Heubach. Dort hatte der Gmünder Tafelladen eine Zweigstelle im Gebäude des Familienzentrums Müze in der Adlerstraße betrieben. Weil dieses aber seit 2021 saniert wird, musste der Tafelladen weichen. Obendrein bereitete die Corona-Pandemie Schwierigkeiten. Das Team aus Ehrenamtlichen - größtenteils im Rentenalter - habe sich zurückgezogen, wie Steffen Witzke erzählt. Die Heubacher Stadtverwaltung ist seitdem auf der Suche nach einem geeigneten Standort für einen Tafelladen. Und jetzt vielleicht fündig geworden: Heubachs Bürgermeister Dr. Joy Alemazung kann sich einen Weltladen mit Café und fair gehandelten Produkten in den Räumen des einstigen Cafés „espresso lab 08“ in der Hauptstraße 51 vorstellen. „Vielleicht ist dort auch Platz für den Tafelladen“, sagt Heubachs Leerstandsbeauftragte Simone Schurr. In Kürze sollen alle Beteiligten an einen Tisch sitzen, um sich die Räume anzuschauen und ein Konzept zu überlegen.

Mit Geflüchteten aus der Ukraine verfahren wir derzeit unkompliziert.“

Steffen Witzke, Gmünder Tafelladen

So erreichen Sie den Gmünder Tafelladen

Die Öffnungszeiten: Der Gmünder Tafelladen hat montags bis freitags jeweils von 9 bis 17 Uhr geöffnet, samstags können Kunden von 9 bis 13 Uhr dort einkaufen.
Spenden: Sach- und Geldspenden können zu den Öffnungszeiten direkt im Tafelladen abgegeben werden. Wer einen Kassenzettel mitbringt, erhält eine Spendenquittung für die gespendeten Waren.
Spendenkonto: Tafelladen Gmünd, IBAN: DE 84 6145 0050 0800 2862 06.

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