Holzofen: 2022 geht nichts mehr

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Begehrter Stoff: Wer für diesen Winter noch Brennholz oder einen Holzofen anschaffen will, hat kaum mehr Aussichten auf Erfolg.
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Die Nachfrage nach Holzöfen und Brennholz ist so groß wie nie in der Region – wer jetzt nachfragt, ist in der Regel zu spät dran.

Schwäbisch Gmünd

Noch schnell einen Holzofen anschaffen vor dem Winter? Die Idee klingt gut angesichts stark gestiegener Gas-, Strom- und Ölpreise. Klappt aber nicht, muss Birgit Seibold von Ofen Seibold in Herlikofen potenziellen Kunden sagen. Weil ihr Betrieb selbst permanent mit Lieferengpässen und Materialknappheit kämpft. „Aktuell wird es bei einem neuen Auftrag das zweite Quartal im nächsten Jahr – mit vielen Fragezeichen.“

Planbarkeit war einmal: „Bei vielem, was wir bestellen, kommt die Lieferzusage gleich mit dem Vermerk ‚unverbindlich‘.“ Mit Lieferengpässen kämpfe auch ihre Firma schon seit dem vergangenen Jahr, erzählt sie. Dabei wäre die Nachfrage nach Holzöfen riesig: „Wir bekommen 20 bis 25 Anfragen pro Tag, aus manchen kann man förmlich die Verzweiflung herauslesen“, sagt Birgit Seibold.

Mit den Öfen fängt das Problem an, aber da hört es nicht auf. Seibold: „Dann kommt die Frage: Wo bekomme ich Holz her?“ Christoph Grieb aus Rattenharz kennt sich damit aus: Rund 1000 Raummeter Brennholz bearbeitet und verkauft er im Jahr. Eine Nachfrage wie 2022 hat er noch nie erlebt. Bisher konnte man bei ihm noch im Sommer für den kommenden Winter bestellen. „Diesmal war Ende Juni schon alles weg.“ „Aufgrund der sehr großen Nachfrage sind wir bereits ausverkauft“, steht auf seiner Homepage, mit drei Ausrufezeichen dahinter. Trotzdem bekomme er auch jetzt noch 15 bis 20 Anrufe täglich, erzählt Grieb.

Auch bei Jens-Olaf Weiher, dem Leiter der Forst-Außenstelle Schwäbisch Gmünd, gehen immer wieder Anfragen ein, wie er sie bisher noch nicht gekannt hat. „Da schickt auch mal jemand einen Google Maps-Standort vom Handy und fragt, ob der Holzpolder dort zu kaufen ist.“ Er werde „bombardiert mit Anfragen“, es sei ein „wahnsinniger Nachfrageboom da“, erzählt Weiher.

Doch auch beim Forstamt gibt es langjährige Lieferbeziehungen, die Weiher und seine Kollegen weiter pflegen wollen. „Wir fühlen uns dem lokalen Markt verpflichtet, uns geht es um die regionale Versorgung. Auch wenn eine Art Goldgräberstimmung herrscht, werden wir unsere Stammkunden nicht vergessen.“

Ähnlich ist das bei Christoph Grieb. Auch er hätte sein Holz anderweitig verkaufen können als in bisherigen Jahren, hält aber an seinen regionalen Kunden fest. „Es haben Baumärkte bei mir angefragt, denen fehlen in diesem Jahr die Holzlieferungen aus Russland und der Ukraine“, erzählt er.

„Zu schade zum Verfeuern“

Das Angebot ist nicht beliebig steigerbar, Jens-Olaf Weiher und seine Mitarbeiter wirtschaften nachhaltig: „Wir werden nicht mehr einschlagen als was nachwächst.“ Außerdem wird das meiste Holz aus hiesigen Wäldern nicht zu Brennholz. „Es sind lediglich 15 bis 20 Prozent, was ins Brennholz geht.“ Denn die guten Qualitäten an Holz seien ein kaum zu ersetzender Baustoff, „viel zu schade zum Verfeuern“. Brennholz sei „in der Regel ein Koppelprodukt“, also die Stämme, die anderweitig nicht zu gebrauchen sind.

Holz sammeln im Wald - was ist erlaubt?

Im Waldgesetz steht das Wort „einmalig“, sagt Jens-Olaf Weiher, Leiter der Forst-Außenstelle Gmünd. Daran hält sich Weiher, wenn er neuerdings öfter gefragt wird, was man denn mitnehmen dürfe an Holz aus dem Wald. „Alles was im Waldgesetz erlaubt ist - Pilze, Blumen, Holz sammeln – ist großzügig für Erholungssuchende gedacht. Um ein Lagerfeuer zu machen und Würstle zu grillen, darf man Holz sammeln. Aber es ist tatsächlich nicht als Regel gedacht, nicht für den Betrieb von Heimfeuerstätten.“

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