Hürden für Gmünds Hilfe

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So fröhlich wird die Partnerschaft zwischen Bahir Dar und Gmünd dargestellt, doch es Hindernisse in dieser Zusammenarbeit über 7000 Kilometer hinweg. Grafik: privat
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Corona und ein militärischer Konflikt hemmen die Zusammenarbeit mit der äthiopischen Stadt Bahir Dar.

Schwäbisch Gmünd

Gmünd hat neben den traditionellen Städtepartnerschaften seit wenigen Wochen noch eine Partnerschaft anderer Art: eine „Globale Klimapartnerschaft mit der äthiopischen Stadt Bahir Dar. Dabei geht es um gegenseitige Hilfe, um die Folgen des Klimawandels zu überstehen.

Bereits seit vergangenem Jahr stärkt die Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik im Gmünder Rathaus, Inga Adam, die Kontakte nach Bahir Dar. Im März befürwortete der Gemeinderat einstimmig die neue Partnerschaft. Doch zwei Aspekte behindern eine stärkere Zusammenarbeit bisher maßgeblich: kriegerische Auseinandersetzungen in der Nachbarregion, Bahir Dars und Corona.

Angestoßen wurde die Verbindung vom Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ), der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW, der Organisation Engagement Global (EG) und der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW). Denn die beiden gut 7000 Kilometer voneinander entfernten auf zwei Kontinenten liegenden Städte haben ein ähnliches Problem: die Folgen des Klimawandels. Gmünd hat diese Folgen vor fast genau fünf Jahren auf tragische Weise erfahren, als bei einem Starkregen zwei Menschen ums Leben kamen. Bahir Dar liegt am Ufer des etwa 3000 Quadratkilometer großen Tana-See und hat immer wieder mit Folgen von Hochwasser zu kämpfen, die vor allem die von ärmeren Bürgern bedrohten Stadtviertel treffen.

„Corona begrenzt die Möglichkeiten“, sagt Inga Adam über die Zusammenarbeit. Ein für Juli geplantes Experten-Treffen wird virtuell stattfinden müssen. Trotzdem sollen dabei schon gemeinsame Visionen und konkrete Vorstellungen erarbeitet werden. „Alle Probleme können wir nicht lösen, aber vielleicht manche“, steckt Adam die Erwartungen ab. Ein wichtiges Anliegen sei zum Beispiel die nachhaltige Energiegewinnung. Weitere Themen auf der gemeinsamen Agenda: Aufforstung, Stadtentwicklung und Berufsausbildung.

Froh ist Inga Adam, dass sie starke Partner hat, die in Äthiopien vor Ort sind. Die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Naturschutzbund Deutschland, bekannt als NABU, sind dort vertreten, Adam ist mit beiden in Kontakt. Außerdem unterhalte die Industrie- und Handelskammer Reutlingen Verbindungen mit der Handelskammer der Region Amhara, zu der Bahir Dar gehört. Ein Ziel der Partnerschaft ist auch, die regionale Wirtschaft einzubinden. Die Kreis-Abfallgesellschaft GOA sei bereits eingeschaltet, ebenso die Gmünder Stadtwerke.

Doch nicht nur Corona bremst die Zusammenarbeit. Die Region Amhara grenzt an die Region Tigray und dort ist die äthiopische Regierung im militärischen Konflikt mit der örtlichen Volksbefreiungsfront. Das Auswärtige Amt der deutschen Bundesregierung warnt deshalb „vor Reisen in die Regionen Tigray sowie in die angrenzenden Gebiete der Regionen Amhara“. In Bahir Dar selbst gebe es keine Auseinandersetzungen, weiß Inga Adam von ihren Gesprächspartnern vor Ort. Und auch die Scharmützel in der Nachbarregion seien keine offenen Gefechte, sondern eher eine Art Guerillakrieg. Ausländer würden in der Regel nicht angegriffen.

Dennoch: Sobald eine Teil-Reisewarnung wie in diesem Fall vom Auswärtigen Amt besteht, „lässt Engagement Global uns nicht anreisen“, beschreibt Adam die Regeln. Das mache die Zusammenarbeit zusätzlich zäher - und das vor dem Hintergrund, dass das Projekt auf eine Dauer von zwei Jahren angelegt ist. Immerhin: Engagement Global habe bereits signalisiert, dass das Projekt verlängert wird.

Alle Probleme können wir nicht lösen, aber vielleicht manche.“

Inga Adam,, Projektkoordinatorin

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