Hüterin tausender Museumsstücke

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Annemarie Wiener sorgt im Museum Ott-Pausersche Fabrik für den Erhalt der Exponate. Dazu gehört es auch, die Gesenke von möglichen Rostansätzen zu befreien.

In der Winterzeit ist im Silberwarenmuseum Ott-Pausersche-Fabrik Pflege angesagt. Annemarie Wiener kennt wohl jedes Einzelstück.

Schwäbisch Gmünd

Geschlossen bis zum Beginn der Sommerzeit", steht am Eingang zum Museum Ott-Pausersche-Fabrik. Das gilt nur für Besucher. Hinter den Kulissen geht die Arbeit weiter – oder fängt jetzt erst richtig an. Annemarie Wiener ist so etwas wie die Seele des Museums, seit drei Jahrzehnten. Sie weiß ganz genau, was bis Ende März auf dem Plan steht. Das reicht von der Pflege der so genannten Gesenke bis zur Reinigung der vielen Maschinen aus der Zeit um 1900. Zur Eröffnung rechtzeitig vor Ostern 2021 soll sich das Museum blitzblank zeigen, auch wenn Haus und Inventar Patina zeigen dürfen.

Das Staunen steht Erstbesuchern des Museums immer ins Gesicht geschrieben. Das weiß auch Annemarie Wiener, die in den Sommermonaten häufig Gruppen durch das Haus führt, vorbei an Spuren vergangener Betriebsamkeit. Vorbei an Friktionsspindelpressen, Drahtziehbänken, Fall- und Krafthämmern und Walzwerken, die hier oft schon vor Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ihren Dienst taten. Noch immer lagern in Regalen tausende von Stahlgesenken. An den Wänden haftet der Staub der Schleifarbeiten. Und im Chefbüro liegen die alten Auftragsbücher, Bestelllisten und die Lohntabellen der Arbeiter.

Dass dies fast 30 Jahre nach der Eröffnung des Museums immer noch so aussieht, erfordert jede Menge Pflege. Ein winziges Büro hat sich Annemarie Wiener zurecht gemacht: "Jetzt habe ich noch Zeit, viele der Gesenke zu putzen. Gesenke wurden verwendet, um Blechteile in Form zu pressen. Sie sind aus gehärtetem Werkzeugstahl, aber dennoch nicht unangreifbar. "Früher hat man die zum Beispiel mit Wachs eingelassen, heute zeigt sich unter diesem Wachs ein Rostansatz", sagt sie und bearbeitet ein Gesenk, aus dem ein Teil eines Leuchters geschaffen wurde. Zunächst kommt eine kleine Klinge zum Einsatz, danach geht‘s im nächsten Raum weiter. Dort steht die Poliermaschine mit rotierender Stahlbürste. Schließlich geht's mit Stahlwolle weiter und zum Schutz kommt etwas Caramba aufs Metall. So behandelt, kann das Werkzeug viele Jahre in gutem Zustand überdauern. Rost setzt da so schnell nicht mehr an. Dennoch eine Sisyphusarbeit, wenn man an die Zahl der Gesenke denkt. Sie füllen wandhohe Regale in der Fabrik.

Maschinen aus Gmünd

Es gibt ja keine Ersatzteile mehr.

Annemarie Wiener, Ott Pausersche Fabrik

Zu den beliebten Produkten der Ott-Pauserschen-Fabrik zählten silberne Griffe für Spazierstöcke. Seine kleine Sammlung sehen Besucher im ehemaligen Büro. "Die müssen zwei Mal im Jahr geputzt werden", sagt Annemarie Wiener. Silberarbeiten in den Glasvitrinen behalten in der Regel länger ihren Glanz, da muss sie alle zwei Jahre ran. Unter musealen Bedingungen auch besser so, denn "mit jedem Putzen löst sich etwas vom Material ab". Bei der Pflege der Ott-Pauserschen-Fabrik kommt der Museums-Mitarbeiterin ihr erlernter Beruf entgegen. Sie ist Industriemechanikerin und kennt sich in Maschinenbau aus. All die Funktionen der Museumsmaschinen sind ihr vertraut. Bei manchen sogar ihr Innenleben. "Wir haben zu Beginn eine Guillochiermaschine aus einem anderen Betrieb erhalten, die aber ziemlich überholungsbedürftig war", erinnert sie sich. Annemarie Wiener hat sie zerlegt, bis zur letzten Schraube. Gereinigt, gängig gemacht und wieder zusammengeschraubt. "Und kein Teil ist übrig geblieben." Guillochiermaschinen wurden gebraucht, um Ornamente ins Metall zu prägen, etwa die Ränder von Bilderrahmen oder kleinen Spiegeln.

Die tonnenschweren Spindelpressen brauchen in der Regel keine Reparatur, weil sie nicht bewegt werden. Würde man sie häufig in Gang setzen, wäre der Verschleiß unausweichlich und "es gibt ja keine Ersatzteile mehr". Auch wenn die riesigen Maschinen – sie pressen Werkstücke mit 60 Tonnen oder mehr – aus Gmünder Produktion stammten: Hergestellt von der Firma Neher, die am Ende des 19. Jahrhunderts auf dem heutigen Zapp-Areal produzierte.

Weitere wichtige Arbeiten stehen auf dem Zeitplan Annemarie Wieners im Frühjahr an. Raum für Raum abstauben, das wird erst kurz vor der Eröffnung ein Thema. Wenn die ersten Besucher kommen, soll es ja hübsch aussehen.

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