Humor und ganz viel Herz: Hedwig Wolff ist 103 Jahre alt

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Bereits zum vierten Mal ist Schwäbisch Gmünds Oberbürgermeister gerne zu Gast bei Hedwig Wolff. Die gebürtige Gmünderin hat am Donnerstag ihren 103. Geburtstag gefeiert und mit ihrem erstaunlichen Gedächtnis überrascht.
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Hedwig Wolff aus der Eugen-Rommel-Straße feiert ihr 103. Wiegenfest und überrascht mit ihrem Erinnerungsvermögen.

Schwäbisch Gmünd

Wenn Hedwig Wolff aus der Erwin-Rommel-Straße in Gmünd Geburtstag feiert, dann lacht die Sonne. Das stellte auch Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold bei seinem Geburtstagsbesuch am Donnerstag launig fest. Feine schwarze Hosen zu einem hellen Pullover, das volle weiße Haar schön frisiert, nahm die 103-Jährige auf ihrem „Chefsessel“ im Garten ihres Hauses Platz und gab klare Anweisungen. Dabei schwingt unterschwellig immer Humor mit.

Sie liebt es, dem OB Geschichten zu erzählen

Hedwig lacht gerne. Und noch lieber erzählt sie dem OB aus ihrem Leben. Auch bei seinem vierten Geburtstagsbesuch weiß Hedwig immer etwas Neues aus ihrem langen Leben zu berichten und überrascht dabei die Besucher mit ihrem unglaublichen Gedächtnis.

Am 22. September 1919 wurde Hedwig Wolff in der Gmünder Badmauer 7 geboren. Ihr Vater verlor während der Inflation all sein Geld. Ihre Mutter, eine Schweizerin, besaß in ihrer Heimat etwas Geld und konnte für damals 250 Schweizer Franken das Haus in der Aalener Straße kaufen. Auch hier weiß die Jubilarin noch genau: „Hausnummer 15/1“. Während des Zweiten Weltkriegs war die junge Frau als gelernte Schneiderin in einer Gmünder Uniformfabrik angestellt, der jüngere Bruder war bei der Bahn beschäftigt und wollte seiner Schwester eine Arbeitsstelle dort vermitteln. Doch das Arbeitsamt habe sich gegen den Berufswechsel gesträubt, erzählt das Geburtstagskind. Ihre Arbeit in der „Rüstungsindustrie“ sei zu wertvoll. Mit Engelszungen habe der Gmünder „Eisenbahnchef“ mit dem Arbeitsamt verhandelt. Erfolgreich. Hedwig durfte bei der Bahn „anfangen“. In einem halben Jahr der Ausbildung habe sie alle Stationen bei der Bahn durchlaufen, vom Fahrkartenverkauf, über Frachtgut bis hin zur Viehwaggonabwicklung. Bis Kriegsende verkaufte Hedwig Fahrkarten. Danach sei allen Kollegen gekündigt worden, nur Hedwig sollte bleiben.

1951 heiratete sie ihren Freund aus Kinderzeiten

Der Gmünder Personalchef besorgte Hedwig eine Anstellung in Stuttgart. Einzige Bedingung: „Ich musste Schreibmaschine schreiben können“. Eine Voraussetzung, die sich Hedwig in ihrer eigenen Durchsetzungskraft in drei Monaten „beim Stadelmaier in der Goethestraße“ erarbeitete. Die Arbeit bei der Bahn brachte auch Vorteile: „stets kostenlos Bahnfahren“, lächelt sie. Bei den regelmäßigen Bahnfahrten nach Stuttgart traf die junge Hedwig wieder auf den Freund aus Kinderzeiten, Julius Wolff. Ihn heiratete sie 1951.

Eine ganz besondere Gratis-Bahnreise in die Schweiz

Ein Erlebnis mit dem Gratis-Bahnfahren ist Hedwig noch lebhaft in Erinnerung. Eine Fahrt in die Schweiz verlief nicht so wie geplant, denn am Bahnhof in Gmünd habe sie „vor lauter Abschiednehmen“ ihr Gepäck vergessen. In Lorch sei sie aus dem Zug und zurück nach Gmünd gefahren. Das Gepäck wurde eingesammelt, aber wie sollte sie nun nach Stuttgart zu ihrem Anschlusszug kommen? „Per Autostopp“, lacht Hedwig. Der „Herr Feuerle“ habe sie bis Stuttgart mitgenommen, über Umwege erreichte sie um Mitternacht Basel. Hier ging erst ein Frühzug nach Bern, Hedwig machte es sich auf einer Bank bequem. Ein Bahnmitarbeiter hielt dies für keine gute Idee und brachte die junge Reisende in ein Hotel, bevor sie am nächsten Morgen nach Bern fahren konnte. Und wenn sie zurückschaut auf ihre 103 Jahre? Da sind und bleiben ihre Kinder Eberhard, Roland und Elisabeth das Wichtigste. „Sie sind großartig“, sagt die Jubilarin stolz.

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