Imhofstraße 9 europaweit einzigartig

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Robert Dinser sieht weitere Belege für jüdischen Nutzung des ältesten Hauses in Gmünd. Deutsche Stiftung Denkmalschutz fördert Sicherung des Gebäudes mit 150 000 Euro.

Schwäbisch Gmünd

Robert Dinser ist wieder ein paar Schritte weiter: Am Dienstag erhielt der Besitzer des Hauses Imhofstraße 9 von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz DSD die Zusage, dass die DSD die statische Sicherung des ältesten Hauses Gmünds mit 150 000 Euro unterstützt. Und seit November weiß er von einem Brief im Staatsarchiv Luzern, auf den PH-Professor Dr. Hermann Ullrich dort gestoßen ist. In diesem auf den 8. November 1645 datierten Brief schreibt der Franziskanermönch Felician Schwab, dass er in Gmünd gut angekommen sei und dort "im Haus der jüdischen Synagoge" wohne, weil eine Unterbringung im baulich schlechten Franziskaner nicht möglich war. Schwab war von 1645 bis 1653 in Gmünd. Von dessen Brief berichtet Dinser am Dienstag Gisela Lasartzyk von der DSD und Marion Caspers-Merk, Geschäftsführerin der Staatlichen Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg. Diese unterstützt die DSD, um "wertvolle Kulturdenkmale zu sichern".

"Europaweit einzigartig" nennt denn auch Lasartzyk das "Kleinod" in der Imhofstraße 9. Für Dinser ist dieser neue Archivfund ein Beleg für die jüdische Nutzung des Imhofstraße 9. Er hat das Haus 2014 gekauft. Zwar lässt sich nach wie vor die jüdische Nutzung am Haus selbst nicht nachweisen. Das jedoch ist nicht außergewöhnlich, hatte Dr. Claudia Mohn vom Landesamt für Denkmalpflege, schon im vergangenen August gesagt, als sie das Haus besuchte. Mohn verwies damals auf archivarische Forschung.

Ein Beitrag zu dieser ist der von Ullrich in Luzern entdeckte Brief aus dem Jahr 1645. Ihm und anderen Archivbelegen folgend, ist für Dinser "ganz klar, dass das Haus eine jüdische Nutzung hatte". Dinser nennt weitere Hinweise. So habe der Gmünder Historiker Klaus Graf bereits in den 70er- und 80er-Jahren von der Imhofstraße 9 als "ältester Synagoge Gmünds" geschrieben, sagt er. Er berichtet den Gästen aus Stuttgart von der Geschichte des Hauses. Dass es im Jahr 1288 errichtet worden ist. Dass es 1349 mit Beginn der Judenpogrome in den Reichsbestand überging. Dass es im Jahr 1469 in den Besitz der Stadt überging. Und dass es vom 16. Jahrhundert an mehrere Veränderungen erfuhr.

Dinser weist beim Spaziergang durchs Haus auf weitere Besonderheiten hin. Im Erdgeschoss gibt es eine hölzerne Decke, die von Norden nach Süden 40 Zentimeter abfällt. "Warum, das weiß man nicht", sagt Dinser. Schließlich berichtet er, dass das Haus "topografisch an der höchsten Stelle der staufischen Stadt" stehe. An herausragender Stelle also. Und dies zu einer Zeit, als es noch kein Münster gab. Dies ist für ihn ein weiteres Zeichen für die jüdische Nutzung der Imhofstraße 9. Zwar sei der Gmünder Judenhof – und heutige Imhof – kein ausgesprochen jüdisches Viertel gewesen. Denn auch an anderen Orten in der Stadt hätten damals Juden gelebt. Die Synagoge jedoch sollte "das höchste Haus im Viertel sein", sagt Dinser.

Im Haus der jüdischen Synagoge gewohnt

Felician Schwab, Franziskaner

"In Archiven finden wir immer wieder etwas", sagt Dinser weiter. Sein Weg für die Imhofstraße 9 ist skizziert. Aktuell wird eine Mauer zum Nachbargrundstück, teils auf städtischem Grund, saniert und tiefer gesetzt. Dies ist Voraussetzung, dass die Imhofstraße 9 trockengelegt werden kann. Im Mai 2017 soll die statische Sicherung des Hauses beginnen, diese soll 2018 abgeschlossen sein. 1,3 Millionen Euro kostet dieser erste Bauabschnitt. Finanziert wird dies durch die Stiftung Heiligenbruck. Die 150 000 Euro der DSD helfen dabei, doch Dinser hofft auf weitere Mittel von Land und Denkmalpflege. Denn das Haus ist beschädigt. Das Dach ist undicht. Die Dach- und Deckenkonstruktionen sind teilweise feucht. Der Giebel hat sich geneigt. Fenster müssen restauriert werden, der Putz außen blättert ab. Dennoch hat Robert Dinser ein Ziel vor Augen: Im Haus sieht er einen Veranstaltungsraum, einen Raum der Stille, eine Wohnung und eine Dokumentation von Gmünds jüdischer Geschichte von 1241 bis 1802.

Marion Caspers-Merk bescheinigt ihm "Mut und Pioniergeist" bei dem , was Oberbürgermeister Richard Arnold eines "der aktuell herausragenden Projekte in Gmünd" nennt. Es gebe nichts Schöneres, als etwas Altes wieder herzustellen, sagt Caspers-Merk. Und fügt hinzu: "Man lernt dadurch."

Mehr Bilder gibt's unter www.tagespost.de.

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