In der Bocksgasse deutet sich ein großer Umbruch an

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Kosmetik-Händler Douglas bestätigt Schließung Ende Mai. Weitere Niederlassungen in der Straße stehen auf dem Prüfstand.

Schwäbisch Gmünd

Die Kosmetik-Kette Douglas schließt ihre Filiale in der Bocksgasse in Gmünd zum 31. Mai. das bestätigte eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage der Gmünder Tagespost und schaffte damit erstmals Klarheit.

Nachdem sich das Kaufverhalten der Kunden angesichts der Corona-Pandemie stark ins Internet verlagert habe, habe Douglas das gesamte europäische Filialnetz geprüft. Jede einzelne Filiale sei hinsichtlich der Kriterien Wirtschaftlichkeit, langfristige Entwicklungsperspektiven, Umfeld und lokale Überlappungen untersucht worden. Das Ergebnis: Rund 60 der über 430 Filialen werden geschlossen, etwa 600 der mehr als 5000 Filialmitarbeiterinnen seien davon betroffen. Wie viele Beschäftigte in Gmünd betroffen sind, teilte die Sprecherin nicht mit. Nicht betroffen sei die Aalener Niederlassung des Unternehmens.

Die Kosmetikfiliale ist derzeit nicht das einzige Sorgenkind in der Bocksgasse. Nur wenige Meter weiter Richtung Marktplatz steht die Filiale des Süßwaren-Anbieters Hussel. Sie gehört zur Deutschen Confiserie Holding (DCH) – und die hat Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt, das heißt, sie möchte gerne selbst die Firma so sanieren, dass die Zahlen wieder stimmen. Zuversichtlich teilen die Verantwortlichen auf einem Aushang am Geschäft in der Bocksgasse den Kunden mit: "Wir sind bald wieder für Sie da!" Bis 28. Februar bleibe die Filiale geschlossen. Für den städtischen Wirtschaftsbeauftragten Alexander Groll bedeutet dies immerhin bislang "noch keine Schließung", die Filiale stehe wohl wie alle anderen des Konzerns auf dem Prüfstand.

"Scharnier" fehlt

Daneben folgt die Filiale der Commerzbank. Am Mittwoch tagt der Aufsichtsrat der Bank und der Vorstand hat ihm vorgeschlagen, die Zahl der Filialen bundesweit von 790 auf 450 zu senken. Ob es dazu am Mittwoch einen Beschluss gibt, sei offen, sagt eine Unternehmenssprecherin. Unwahrscheinlich sei, dass an diesem Tag schon über die betroffenen Filialen entschieden wird.

Das war für uns ein hartes Ding.

Alexander Groll, Wirtschaftsbeauftragter

Gerade die nun bestätigte Schließung von Douglas sei "für uns ein hartes Ding", so Alexander Groll, denn die Kosmetik-Niederlassung habe Passanten und damit Kunden in die Bocksgasse gelockt. Es gibt jedoch auch einen Hoffnungsschimmer: Er habe bereits mit jemandem gesprochen, der eventuell mit einer neuen Nutzung in die Douglas-Räume einziehen möchte. Ob das real wird, sei allerdings noch offen. Ähnlich sieht es beim Leerstand schräg gegenüber aus: an der Ecke Bocksgasse/Augustinerstraße, wo der Schuhhändler Deichmann ausgezogen und ins City-Center gewechselt ist. Douglas und Deichmann seien eine Art "Scharnier" zwischen dem inneren und dem äußeren Teil der eigentlich starken Einkaufsstraße gewesen.

Die Entwicklung in der Bocksgasse habe sich unterschwellig bereits länger angekündigt, meint Dr. Christof Morawitz, Vorstandsmitglied des Gmünder Handels- und Gewerbevereins (HGV). In allen Fällen sei eine Überprüfung des Filialnetzes der Auslöser gewesen.

Starthilfe für Einzelhändler?

Der mehrfache Leerstand in dieser wichtigen Einkaufsstraße wiege schwer, biete jedoch auch Chancen. Die Bocksgasse könne so umgestaltet werden, wie es für die Schmiedgassen schon geplant ist. Dazu gehöre die Schaffung von mehr Wohnraum; mehr Einwohner stärkten auch das wirtschaftliche Umfeld. Außerdem böten Leerstände Raum für Experimente, zum Beispiel mit einem Kulturzentrum oder Jugendforum. Aber auch neue Handelsformen könnte sich Morawitz vorstellen: beispielsweise dem Trend zur gesunden Ernährung folgend eine Verbindung von Einkauf und Kochkursen. Insgesamt sei er für die Zukunft der Bocksgasse "durchaus optimistisch": Die Straße habe sich immer wieder gewandelt und es habe ihrer Anziehungskraft bisher nicht geschadet.

Das HGV-Vorstandsmitglied appelliert allerdings an Hausbesitzer: Viele Mieten entsprächen nicht mehr den Ertragsmöglichkeiten der Händler. Und die Stadtverwaltung müsse über Starthilfen für junge Einzelhändler mit neuen Ideen nachdenken, so wie junge Firmen in Start-Up-Zentren unterstützt werden.

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