In der Kapelle wartet das Stück eines Schädels

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In der Herrgottsruhkapelle zeigt der Arbeitskreis Alt-Gmünd beim Tag des offenen Denkmals die CT-Aufnahme eines Schädelfragments und weitere Besonderheiten des Gotteshäuschens.
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Beim Tag des offenen Denkmals werden auch in Gmünd geschichts- und geschichtenträchtige Bauten und Details gezeigt.

Schwäbisch Gmünd

Ein unscheinbares Wohnhaus im Stadtkern,  das ein zentrales Element der Gmünder Stadtgeschichte  birgt: Das ist eines der Objekte, die  beim diesjährigen Tag des offenen Denkmals  in Gmünd interessierten Bürgern gezeigt werden.  Ein Höhepunkt des Tags könnte aber eine mit dem Computertomografen des Stauferklinikums gefertigte Aufnahme werden. Der bundesweit ausgerichtete Aktionstag  am Sonntag, 11. September, steht in diesem Jahr unter dem Motto „KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz“. Dabei geht es darum, Geschichten hinter den Denkmalen zu entdecken. 

Perfektes Besipiel

Ein perfektes Beispiel für diese Art von Spurensuche erwartet die Besucher in diesem Jahr in der Herrgottsruhkapelle. Der Arbeitskreis Alt-Gmünd hat diese 400 Jahre alte  Wegekapelle aus der Barockzeit grundlegend saniert und betreut sie seitdem.  In dem Kirchlein wird auch, so sagte es zumindest die Überlieferung, in einem Kästchen als Reliquie ein Schädelstück der heiligen Ursula aufbewahrt. Immer schoin zog dieses Reliquiar die Neugier der Betrachter auf sich und in diesem Jahr ergab sich für die Mitglieder des Arbeitskreises die Möglichkeit, sich Klarheit zu verschaffen, berichtet Arbeitskreis-Sprecher Alfred Duijm.

Mit dem Computer-Tomografen des Stauferklinikums konnten Experten in das Kästchen schauen. Und sie wurden fündig: „Ein etwa elf auf neun Zentimeter großes Stück eines menschlichen Schädels“ liege in dem Reliquiar, berichtet Dujim. Mediziner seien zu der Einschätzung gekommen, dass es sich um den Schädel eines Mädchens oder einer jungen Frau handelt. Über das etwaige Alter des Knochenstücks gebe es zumindest bisher noch keine Erkenntnisse. Der Arbeitskreis Alt-Gmünd wird die CT-Aufnahme am Tag des offenen Denkmals in der Herrgottsruhkapelle präsentieren. Kleiner Wermutstropfen: In der Fachwelt gibt es große Zweifel, ob die Heilige wirklich gelebt hat oder ihre Geschichte lediglich eine Legende ist.

Daneben können die Mitglieder des Arbeitskreises jedoch viele Geschichten über  die Kapelle erzählen.  Zudem führt Johannes Schüle Interessierte   zu einzelnen Grabstätten auf dem Leonhardsfriedhof. Die genaue Uhrzeit dieser Führung wird noch bekanntgegeben, die Kapelle soll von 11 bis 17 Uhr geöffnet sein. Geprüft wird offenbar noch, ob das E-Zügle aus dem Stadtzentrum an diesem Tag auch zu der Kapelle fährt.  

Ein weiteres Beispiel für Spurensuche ist die ehemalige jüdische Synagoge in der Imhofstraße, die deshalb an  diesem Tag geöffnet wird.  Jahrhundertelang wurde das unscheinbare Gebäude als Wohnhaus genutzt, bis  der Gmünder Geschäftsmann Robert Dinser es kaufte und bei Umbauarbeiten auf eine außergewöhnliche Balkendecke stieß.  Nähere Untersuchungen brachten Experten zu der Erkenntnis, dass in dem Gebäude  im Mittelalter die Synagoge der jüdischen Gemeinde  war. Bereits bekannt war, dass die Imhofstraße mitten im früheren jüdischen Viertel der freien Reichsstadt lag.  Inzwischen ist das Gebäude in der Obhut der Stadt. Am Tag des offenen Denkmals soll es von 11 bis 17 Uhr geöffnet werden.

Als weiteren Gmünder Programmpunkt führt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD), die den Tag bundesweit ausrichtet, das Heilig-Kreuz-Münster an. Münsterarchitekt Paul Waldenmaier referiert  um 14 Uhr in der Münsterbauhütte über die laufenden Restaurierungen an dieser Dominante des Stadtbilds. Die Bauhütte gehört zum  immateriellen Weltkulturerbe. 

Denkmal rundum

Bundesweit können beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 11. September, mehr als 5000  Objekte erlebt werden. In der näheren Umgebung sind beispielsweise auch  die Bohlschule in Aalen,  die Lederfabrik Röhm in Schorndorf, das Jagdschlössle Schnaitheim  und das Alamannenmuseum in Ellwangen zu sehen. 

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