In Handschellen aus Gerichtssaal in U-Haft abgeführt

Drei Jahre und zehn Monate Haft für 39-Jährigen wegen sexuellen Missbrauchs von vier Mädchen.

Schwäbisch Gmünd. Am Ende ließ er sich genauso gefühllos wie er sich in zwei Verhandlungstagen auf der Anklagebank präsentierte von zwei Polizeibeamten in Handschellen vom Gerichtssaal in Untersuchungshaft abführen: Drei Jahre und zehn Monate Haft ohne Bewährung, dazu die Verfahrenskosten – so lautete am Dienstag vor dem Amtsgericht das Urteil der Vorsitzenden Richterin Dorothea Keck gegen einen 39-jährigen Deutschen mit Wurzeln in Serbien. Erneut stritt der Angeklagte alles ab: "Ich gebe nie zu, was ich nicht getan habe. Lieber gehe ich in den Knast." Vorgeworfen wurden ihm, wie berichtet, in 20 Fällen zwischen 2013 und 2017 sexuelle Handlungen mit der Hand und dem Mund an vier Mädchen, darunter als Hauptbetroffene an seiner Stieftochter, vorgenommen zu haben und die zur Tatzeit unter 14 Jahre alten Schülerinnen gedrängt zu haben, solche an ihm zu vollziehen. Außerdem soll er den Mädchen Pornofilme gezeigt und sie bedroht haben, dass "etwas passiert", wenn sie darüber sprechen.

Gutachterin Dr. Judith Arnscheid fasste die polizeilichen und richterlichen Befragungen der Mädchen, deren Mütter, Väter, Verwandten und Bekannten sowie die Zeugenaussagen zusammen: "Alles fügt sich lückenlos zu einem Puzzle, es gibt keinen Grund, den Mädchen nicht zu glauben." Einlassungen der Verteidigung, es könne sich um suggestive Einflüsse, einen Komplott der Ex-Frau und deren Bruder gegen den Angeklagten oder um kindliche Vorwürfe aus Eifersucht handeln, wehrte Arnscheid ab. Die Ausführungen der Mädchen seien stimmig und altersgerecht gewesen: "Sogenannte lügende Zeugen verhalten sich anders."

Richterin Dorothea Keck versuchte vor den Plädoyers nochmals, dem Angeklagten eine Brücke zu bauen – vergeblich. Er lehnte ab und ließ weitere Zeugen, darunter auch seine Mutter und seinen Bruder, aussagen. Bei einem Zeugen platzte Keck der Kragen: "Was soll das, ich verschwende doch nicht meine Zeit hier!" Staatsanwältin Alexandra Henning forderte, nachdem zuvor vier der 20 Straftaten abgegrenzt wurden, eine Gesamtstrafe von drei Jahren und sechs Monate. Eine Bewährung sei "völlig unpassend". Verteidiger Thomas Heese meinte, die Wahrheit könne nicht festgestellt werden. Die Mädchen hätten gewisse Details unterschiedlich dargestellt. Deshalb verlangte er Freispruch, ersatzweise eine Bewährungsstrafe. Völlig anders sahen das die Anwälte der Kläger und Nebenkläger Christine Bellmann, Elisa Treuter, Frank Dollkopf und Robin Schmid. Die Taten seien unbestritten. Besonders verwerflich sei, dass der Angeklagte den liebenden Vater und Freund vorgebe, tatsächlich aber schamlos nur seine eigenen Triebe auslebe, und allen Betroffenen, besonders seiner Stieftochter, schwere seelische Schäden zugefügt habe. Eiskalt habe er die Verhandlung an sich vorbei ziehen lassen und nicht einmal bei den Videoaufnahmen von den Aussagen der Mädchen hochgeschaut. Die Anwälte forderten über den Antrag der Staatsanwältin hinaus drei Jahre und zehn Monate Haft sowie sofortige U-Haft wegen Fluchtgefahr. Diesem Antrag folgte die Richterin: "Die Strategie der Verteidigung ging daneben, so ein glasklares Gutachten wie das von Dr. Anscheid habe ich noch nie gehört, es gibt keinen Zweifel an der Schuld", sagte Dorothea Keck. Der Beklagte könne sogar froh sein, nicht wegen Nötigung und Vergewaltigung belangt werde, sonst hätten es auch zehn Jahre Haft geben können. Verteidiger Heese kündigte an, vor dem Landgericht Widerspruch einzulegen.

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