In Sonne statt in Wind investieren

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Die Gmünder Stadtwerke steigen aus einem geplanten Windpark im Schwarzwald aus. Stattdessen möchten sie Solaranlagen bei Hussenhofen bauen.
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Gemeinderat ermöglicht den Stadtwerken, aus Windpark im Schwarzwald auszusteigen. Pläne für Solaranlagen bei Hussenhofen sorgen für Verwirrung.

Schwäbisch Gmünd

Die Gmünder Stadtwerke werden ihre Beteiligung am geplanten Windpark Länge im Schwarzwald aufgeben. Dass sie die damit freiwerdenden Finanzen eventuell in Photovoltaikanlagen an der Bahnlinie bei Hussenhofen investieren möchten, sorgte bei Vertretern des Teilorts am Mittwoch im Gemeinderat für Stirnrunzeln.

„Schon verdutzt“

Stadtwerke-Chef Peter Ernst sagte den Stadträten, dass sich zwei Flächen an der Bahnlinie im Bereich Hussenhofen für Solaranlagen anbieten könnten. „Wir waren schon verdutzt“, meinte Hussenhofens Ortsvorsteher Josef Heissenberger dazu. Er forderte, dass der Ortschaftsrat wenigsten in das weitere Verfahren intensiv einbezogen wird. Heissenbergers Vorgänger, CDU-Stadtrat Thomas Kaiser, sah die genannten Flächen als „eher umstritten“. Peter Ernst und Oberbürgermeister Richard Arnold sagten zu, den Ortschaftsrat zu informieren. Noch sei auch gar nicht geprüft, ob die Eigentümer der Grundstücke überhaupt verkaufsbereit sind. Eigentlich, so Arnold, waren die Fläche für Wohnbebauung vorgesehen. Doch nun habe sich gezeigt, dass sie dafür gar nicht genutzt werden könnten. Grundsätzlich, sei es besser, in regenerative Energie heimatnah zu investieren als im Schwarzwald.

Dort hatten die Stadtwerke sich 2016 schon in der frühen Planungsphase Anteile am Windpark Länge bei Donaueschingen gesichert. Warum sie diese Anteile nun wieder loswerden wollen, erläuterte Peter Ernst den Stadträten, die diesen Schritt dann auch ohne Gegenstimme unterstützten. Es sei sehr fraglich, ob der Windpark je in Betrieb gehe, nachdem eine Bürgerinitiative dagegen geklagt hat und der Bau stillsteht.

Käufer bereit

Der Stadtwerke-Geschäftsführer sah noch weitere Risiken in solchen Windkraft-Beteiligungen,: „Ich bin der Meinung, dass wir lange genug an diesem Abenteuer beteiligt waren.“ Insgesamt seien Investitionen in Windparks an Land nicht so risikolos und gewinnbringend wie früher gedacht wurde. Da die Teck-Werke aus Kirchheim/Teck ihren Anteil am Windpark Länge aufstocken möchten, ergebe sich für die Stadtwerke die Möglichkeit, mit höchstens geringem Verlust, vielleicht sogar etwas Gewinn auszusteigen. Vielsagend sei, dass der Entwickler dieses Projekts ebenfalls aussteigen möchte. Auch OB Arnold meinte, dass Experten die Risiken dieser Beteiligung höher bewerten als die möglichen Chancen.

Bürgerwindrad möglich

Auf die Nachfragen mehrerer Stadträte, weshalb die Teckwerke denn ihre Anteile an einem so unwägbaren Projekt vergrößern möchten. anwortete Peter Ernst, dass dieses Unternehmen eben risikofreudiger agieren könne als Stadtwerke. Er sei jedenfalls ziemlich sicher, dass der Windpark Länge nicht in Betrieb gehen wird. Die Stadtwerke möchten sich jedoch nicht völlig von der Windkraft abwenden. Auf Nachfrage des Grüne-Stadtrats Dr. Gerhard Medinger antwortete Ernst, dass die Idee eines Bürgerwindrads durchaus weiterverfolgt werde. Zum Beispiel könnte eine solche Anlage bei einer Erweiterung des Windparks Lauterstein realisiert werden.

Die Verwirklichung des Windparks bei Donaueschingen sei auch durch den Windkrafterlass der Landesregierung behindert worden, hatte Ernst ausgeführt. Stadträte aus verschiedenen Fraktionen äußerten darüber ihr Unverständnis.

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