In Sorge um den Wirtschaftsstandort Schwäbisch Gmünd

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Foto: Jan-Philipp Strobel
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Gmünds Wirtschaftsbeauftragter Alexander Groll fordert von der Bundesregierung Hilfen für die Unternehmen und setzt auf den Technologiepark Aspen.

Schwäbisch Gmünd

Wenn die Politik so weitermache, mache er sich große Sorgen um den Wirtschaftsstandort Deutschland. Und damit auch um den Standort Gmünd. Sagt Gmünds Wirtschaftsbeauftragter Alexander Groll und fordert die Politik auf, die Unternehmen zu unterstützen. Für ihn sei es „unverständlich, dass das jüngste Entlastungspaket der Bundesregierung ohne Hilfe für die Unternehmen ist“, sagt Groll. Täglich führt er in Gmünd Gespräche mit Unternehmen - vom kleinen Bäcker bis zum großen Unternehmen. Allen machen die hohen Energiepreise zu schaffen. Namen von Unternehmen nennt Groll nicht. Am stärksten betroffen seien jedoch diejenigen Firmen, die die Energie nicht bei den Stadtwerken, sondern über die Börse beziehen. Für diese hätten die deutlich höheren Preise noch schlimmere Auswirkungen. Ein paar Monate halte man das aus, doch dann könne dies in einem Unternehmen zu einer „gehörigen Schieflage“ führen. Die Stadtverwaltung sei jedoch auch in Sorge um die kleineren Unternehmen. Denn diese seien „unser Rückgrat“, sagt Groll.

Deutschlandweit leide die chemische Industrie am meisten, sagt Groll. Dann die Stahlindustrie, die wiederum für den Maschinenbau und die Automobilindustrie wichtig ist. Von da an ist auch Gmünd betroffen. Denn in Gmünd gibt es viele Automobilzulieferer.

Auch im Handwerk das gleiche Bild: Haben die Energiekosten bislang einen kleinen Teil der Produktionskosten ausgemacht, neben Miete, Krediten oder Lohnkosten, so machen sie nun einen „erklecklichen Teil“ aus, stiegen „in Regionen, die nicht mehr aufzufangen“ seien, sagt der Wirtschaftsförderer. Wie der bevorstehende Winter für die Unternehmen wird, hängt für Groll ganz stark von der Bundesregierung und deren Partnern ab. Und das, sagt der Wirtschaftsbeauftragte, ist „wie ein Blick in die Glaskugel“. Es brauche für die Unternehmen einen „Ausgleich, so dass sie eine Überlebenschance haben“. Groll erinnert an die Corona-Pandemie. Da sei die Unterstützung dagewesen. Dabei seien die aktuellen Herausforderungen noch größer. Die Unterstützungsleistungen für die Firmen seien bislang „ein Klacks, das muss sich die Politik klarmachen“, sagt Groll. Ansonsten sei die „Gefahr einer Insolvenzwelle da“, bezogen auf ganz Deutschland. Er selbst, sagt Groll, könne nur „hilflos zuschauen“, denn die Hilfe könne nur über finanzielle Unterstützung erfolgen.

Nach wie vor optimistisch ist Gmünds Wirtschaftsbeauftragter in Bezug auf den Technologiepark Aspen. Dieser sei inhaltlich durchdacht, nur so sei er zur Modellregion grüner Wasserstoff geworden. Mit mehreren Investoren sei die Stadt aktuell im Gespräch. Das letzte Gespräch habe er an diesem Donnerstag geführt. Bei einem Großinvestor falle die Entscheidung noch im September. Aspen ist für Gmünd so wichtig, sagt Groll, weil mit dem Ukrainekrieg und der Energiekrise jeder erkannt habe, „dass wir uns um erneuerbare Energien kümmern müssen“. Dies gelte auch im privaten Bereich - mit Photovoltaik. Und für die Windkraft. „So viel wie möglich, um die Abhängigkeit loszuwerden“, sagt Groll. Und ergänzt dabei in Bezug auf die Windräder: „Wir müssen über unser Landschaftsbild nachdenken und akzeptieren, dass wir das brauchen.“ In Gmünd sichtbar geworden ist dies bei der Entscheidung des schwedischen Herstellers von Batterien für Elektroautos, Northvolt, der sich der Energie wegen für Schleswig-Holstein entschieden hat. Und damit gegen Gmünd.

Der Wirtschaftsstandort Schwäbisch Gmünd

Einwohner: 61 216 (Stand: 30.6.2021)Arbeitnehmerstatistik (Stand 2020)Erwerbstätige am Arbeitsort: 29 382Erwerbstätige am Wohnort: 23 684Einpendler: 16 636Auspendler: 10 946Pendlerüberschuss: 5 690Beschäftigung:Arbeitslosenquote: 4,4 % (2/2021)Arbeitslosenquote: 3,7 % (2/ 2022)

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