Integration: Besser Kritik aussprechen als schweigen

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Neben einer Website soll es auch Präsenzangebote für mehr Miteinander geben.

Schwäbisch Gmünd. "Corona macht zwangsläufig kreativ", sagt Franka Zanek, Leiterin des Bereichs Integration der Stadt Schwäbisch Gmünd. Denn damit Integration auch in Zeiten einer globalen Pandemie klappen kann, gibt es ab sofort eine Website, auf der Gmünder ihre Anliegen, Wünsche oder Kritik rund um das Thema Integration diskutieren können.

"Wir können keine 100 Gespräche führen", meint Zanek, "aber wir können die Seite für alle zugänglich machen. www.gmuenderweg2030.de lautet die Adresse der Seite, auf der Gmünder ihre Meinung oder Anliegen zum Thema Integration zusammentragen können. Und das unabhängig von Religion, Herkunft, Einkommen oder Bildung. Die Organisatoren werten die Beiträge anschließend aus. Dabei scheuen sie sich nicht, der Realität ins Auge zu blicken. "Wir müssen offen den Mut haben, Bereiche anzusprechen, in denen es nicht so gut läuft", sagt Gmünds Erster Bürgermeister Dr. Joachim Bläse. Dabei ist es wichtig für ihn, mit eventuellen negativen Rückmeldungen konstruktiv umzugehen und das Gespräch zu suchen. Denn Kritik "muss man auch sagen dürfen". Für Bläse ist es ein wichtiger Schritt, realistisch mit Problemen umzugehen und sie beim Namen zu nennen. "Mir sind kritische Kommentare lieber, als die, die nicht ausgesprochen werden. Wir dürfen nicht alles schönreden."

Auf der Internetseite gebe es außer der Kommentarfunktion alle möglichen Informationen und Statistiken zur Integration in Gmünd. "Gmünder können sich dort über den Status quo informieren", erklärt Zanek. Dazu gehören zum Beispiel Einkommen oder Bildungsabschlüsse im Hinblick auf Integration. "Spürbar und statistisch nachweisbar ist eine starke Bildungsungleichheit", erläutert Zanek. Diese Angaben seien auch für die Gmünder Ortsteile verfügbar.

Parallel zur Website planen die Organisatoren auch sogenannte "Gehspräche". Der Begriff wurde bewusst mit einem "h" geschrieben, erklärt Zanek. Denn Teil der "Gehspräche" ist das Gehen. "Wir gehen dann mit unseren Netzwerkpartnern auf Stadtspaziergänge." Netzwerkpartner sind zum Beispiel Schulen, Jobcenter oder der Integrationsbeirat der Stadt Gmünd. Insgesamt gebe es rund 50 dieser Netzwerkpartner. Durch die beiden Ansätze soll Online- und Offlineintegration verzahnt und "für die Öffentlichkeit freigegeben" werden.

Zanek legt auf eines besonderen Wert: Transparenz. "Wir machen nichts im Hintergrund. Wir wollen alle Menschen mitnehmen." Denn so lautet auch die zweite Richtlinie der Gmünder Charta: "Schwäbisch Gmünd ist Heimat für alle Menschen."

Damit das Projekt allerdings so klappt, wie erhofft ist eines wichtig: Mitmachen. "Das ist eine einmalige Chance, selbst zu sagen, wo der Schuh drückt", meint Bürgermeister Bläse. "Der Weg ist nicht ganz einfach." Letztendlich liege es an der Stadtverwaltung, "die Gmünder wachzuküssen" und zum Mitmachen zu animieren. Auf der Plattform der Stadt können Gmünder ihre Beiträge auch diskutieren. Und zwar ganz "coronakonform", also mit Abstand, meint Zanek.

Die beiden Ansätze stoßen auf Zuspruch seitens des Integrationsbeirats der Stadt. Süheyla Torun befürwortet die Schritte der Stadtverwaltung. "Nur gemeinsam sind wir stark und es ist wichtig, dass man alle mitnimmt." Für sie sei es daher nur sinnvoll, dass man so viele Menschen. Vor eventuellen negativen Ergebnissen scheut sie sich nicht. "Da müssen wir durch." Stattdessen wolle sie mit Kritik konstruktiv und zielorientiert umgehen.

Die Website finden Sie unter www.gmuenderweg2030.de

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